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Burgwedel Depression: Wie eine Selbsthilfegruppe in Großburgwedel Angehörige unterstützt
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Depression: Wie eine Selbsthilfegruppe in Großburgwedel Angehörige unterstützt
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18:37 24.07.2019
Wenn der Angehörige in einer Depression versinkt, finden Betroffene Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe. Quelle: Symbolbild
Großburgwedel

 Der richtige Therapeut? Eine klare Abgrenzung? Und immer wieder die Frage: Wie helfe ich meinem Partner, Kind oder Elternteil? Wer an einem Montagabend ins Krankenhaus Burgwedel kommt und die Selbsthilfegruppe für Angehörige depressiv Erkrankter aufsucht, der fühlt sich zumeist am Ende seiner Kräfte. Denn der Druck auf die Betroffenen wächst gleich von mehreren Seiten: dem oder der Erkrankten, der Familie und der Arbeitswelt.

Zwei der sieben Teilnehmer kommen zum ersten Mal

An diesem Juli-Montag kommen sieben Frauen und Männer zusammen, zwischen Anfang 20 und jenseits des Rentenalters, um sich auszutauschen, zu ermutigen und auch klare Worte zu finden. Für die nächsten 90 Minuten gibt es klare Regeln, die Karl-Heinz Piepenbrink als Mitgründer der Selbsthilfegruppe vor inzwischen vier Jahren, mit anderen Betroffenen im Laufe der Zeit aufgestellt hat. Der geschützte und anonymisierte Rahmen gehört ebenso dazu wie das Duzen und die Forderung, in dieser Zeit das Handy abzuschalten.

Zwei der sieben Menschen, die in der Region Hannover und der Landeshauptstadt wohnen, nehmen zum ersten Mal Platz an diesem großen Tisch – und am Ende des Beisammenseins steht für beide fest, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird. Eine weitere Regel lautet, dass zunächst diejenigen ihr Leben erzählen, die bereits öfter zu den Treffen gekommen sind. An diesem Abend hören die Neulinge drei Lebensläufe, die Mut machen können.

„Wer will sich die immer wieder gleiche Geschichte anhören?“

Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der nach einer Trennung den Halt verliert, der über Monate hinweg es nicht mehr schafft, zu arbeiten, der jede Lebenslust verliert und sich letztlich selbst verletzt – bis hin zum Suizidversuch. Seine Mutter hastet mit Worten durch seine Biografie, denn der junge Mann findet noch den Absprung, zieht schließlich weg aus der Heimatstadt, baut sich dank der Hilfe von Therapeuten ein neues Leben auf. „Eigentlich ist er geheilt“, sagt sie – und doch folgt auf diesen Satz kein Punkt, sondern ein offenes Ende.

Denn sie und ihren Mann, der ebenfalls zu dem Treffen gekommen ist, beschäftigt die Erkrankung noch immer. Dass sie darüber mit anderen sprechen können, die ähnliche Erfahrungen machen mussten, helfe: „Mit wem will man sonst reden? Mit den Nachbarn? Wer will sich immer wieder die gleiche Geschichte anhören?“

Betroffene fühlen sich am Ende ihrer Kraft

Das Gespräch dreht sich um posttraumatische Belastungsstörungen, um Bulimie, um Selbstzerstörung – die Grenzen zur Depression sind fließend. Manch Krankheit bedingt die andere. Ein Strudel, der auch die Angehörigen mit sich in die Tiefe reißt. Auch das wird an diesem Abend in der Cafeteria deutlich: Wie schaffe ich den Umgang mit der Krankheit? Mit dem oder der Kranken – ohne, dass ich auf der Strecke bleibe? So lauten die wichtigsten Fragen. Die beiden neuen Teilnehmer lassen an einer Sache keinen Zweifel: Sie sind am Ende ihrer Kraft. „Ich fühle mich ausgelaugt, und obwohl ich ein positiver Mensch bin, kann ich meine Akkus nicht mehr aufladen“, sagt eine Frau, überfordert mit der Pflege ihrer Mutter.

Im Stand-by-Modus ist sie immer auf Abruf, immer im Grau der Gedanken, immer im Negativen – seit mehr als fünf Jahren ohne Freiraum und ohne Urlaub. „Bis heute Morgen habe ich gedacht, dass ich es schaffe, dass ich keine Selbsthilfegruppe brauche. Aber es geht nicht mehr“, sagt sie – trotz allem um Humor bemüht. Die Gruppe fordert mehr Achtsamkeit: „Ruf einen Familienrat ein, plane einen Urlaub, zieh dich raus“, lauten die Aufgaben für die nächsten Wochen. Eine gesunde Prise Egoismus, um nicht mit im Strudel zu versinken. „Wenn es dir nicht gut geht, kannst du auch niemandem helfen“, sagt ein Teilnehmer aus eigener Erfahrung.

Depression – noch immer ein Tabuthema in der Arbeitswelt

Den Stand-by-Modus kennt auch der zweite neue Gast ganz genau: „Ich habe mein Telefon so eingestellt, dass mich meine Partnerin jederzeit erreicht“, sagt er. Seit Jahren verzichte er auf Partys, fahre allein zu Familientreffen, schränke Treffen mit Kollegen ein – immer in Bereitschaft, falls eine Panikattacke seine Frau übermanne und er eingreifen müsse. Nach monatelangem Auf und Ab befinde sie sich nun in einer teilstationären Therapie, sein einziger Wunsch: „Dass sie dort Hilfe findet.“ Seine Sorgen: Wie grenze ich mich ab? Wie bewahre ich mir mein Leben, meine Kraft?

Darüber sprechen zu können – für ihn ist das an diesem Abend die größte Erleichterung. Denn auf der Arbeit gelinge das nicht: „Dort weiß niemand, dass meine Partnerin depressiv ist.“ Einen Beinbruch, sagen alle Angehörigen unisono, verstehe jeder. „Der ist ja auch sichtbar.“ Eine Depression oder psychische Erkrankung indes sei noch immer ein Tabu-Thema in der Arbeitswelt, daran habe auch der Tod von Robert Enke nichts geändert.

Das Treffen endet, wie es begonnen hat. Nachdenklich und fröhlich zugleich. Die Teilnehmer gehen mit der Gewissheit, sich in zwei Wochen wiederzusehen – für den einen Abend, an dem es mal nur um sie gehen darf.

Gruppe kommt an jedem zweiten Montag zusammen

Die Selbsthilfegruppe für Angehörige depressiv Erkrankter in Burgwedel trifft sich in jeder geraden Kalenderwoche immer montags ab 19 Uhr in der Cafeteria des Klinikums, Fuhrberger Straße 8. Das nächste Treffen steht am 5. August an. Mit einem Menschen umzugehen, der sich gerade in einer tiefen Depression befindet, stellt für die meisten Angehörigen eine große Herausforderung dar. Sie können in der Gruppe regelmäßig Kraft sammeln. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Weitere Informationen gibt die Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für Selbsthilfe (Kibis) online und unter Telefon (0511) 666567. bis

Von Antje Bismark

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