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Burgwedel Stadt pumpt Wasser zu, aber Würmsee fällt trocken
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Stadt pumpt Wasser zu, aber Würmsee fällt trocken
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18:26 15.07.2019
Richard Pala sitzt am teils trocken gefallenen Würmsee. "Meine Söhne sind hier damals noch Tretboot gefahren." Quelle: Frank Walter
Kleinburgwedel

Das „Erlebnis Würmsee“, das eine Metalltafel Besuchern an der Zufahrt verspricht, ist momentan gewöhnungsbedürftig. Vom Ufer aus geht der Blick über Schlammflächen. Teile des Sees sind trocken gefallen – daran haben auch die jüngsten Regenfälle nur wenig geändert. Die Stadt Burgwedel als Pächterin pumpt nach Kräften Frischwasser zu, doch das zulässige Jahreslimit ist schon fast erreicht.

Pumpe am Würmsee läuft auf Hochtouren

Das Geräusch plätschernden Wassers empfängt einen schon beim Aussteigen auf dem Parkplatz. Geht man an der Gastronomie vorbei zum Ufer, so trübt ein stechender Geruch nach faulen Eiern das Idyll: Das Grundwasser, das pilzförmig aus einem dicken Rohr strömt, ist augenscheinlich schwefelhaltig.

„Wir pumpen, was das Zeug hält“, sagt Burgwedels Stadtsprecherin Michaela Seidel. 1500 Kubikmeter Wasser sind das seit mehreren Wochen jeden Tag. Und doch ist dies verteilt auf die Seefläche nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Teile des ohnehin flachen Sees liegen mitten im zweiten trockenen Jahr in Folge trocken – statt Wasser sind dort nur noch Schlammflächen zu sehen. Für Fischreiher bietet sich im flachen Restwasser ein reich gedeckter Tisch: Teilweise lauern bis zu neun der Vögel gleichzeitig auf Beute – und die Fische können kaum flüchten.

„Höchstens noch 40 Zentimeter tief“

Anwohner Richard Pala kann sich noch gut an andere Zeiten erinnern. „Meine Söhne sind hier noch Tretboot gefahren“, sagt er und denkt dabei an den Anfang der Neunzigerjahre zurück, als der Bootsverleih am Würmsee noch existierte. Dessen Betreiber habe allerdings auch rund um die Uhr Wasser in den See gepumpt. „Sonst ist der See vielleicht einen Meter tief, jetzt sind es höchstens 40 Zentimeter.“

Den Seebewohnern bekommt das nicht gut: „Richtig viele tote Fische“ habe er schon gesehen, sagt Pala. Anwohner hätten sie teilweise geborgen und entsorgt. Zwar hatte die Stadt den Würmsee 2018 entschlammen lassen, „doch meiner Meinung nach nicht tief genug. Sie hätte als Rückzugsorte für die Fische in der Mitte ein Bassin anlegen müssen, vielleicht 1,50 Meter tief“.

Das mit der Entschlammung sei so eine Sache, sagt Klärwerk-Mitarbeiter Karsten Krann. Gemeinsam mit seinem Kollegen Tobias Morgenstern kümmert er sich darum, dass beim Zupumpen des Grundwassers keine Probleme auftreten. Die Stadt habe schon viel Schlamm aus dem See entfernen lassen, doch dazu gehöre auch die Entsorgung: „Ein Bassin bis zum Grundwasserspiegel wäre gut, aber wohin soll der ganze Schlamm?“ Im Westen des Sees sei die Schlammschicht zudem zu dick, sodass Bagger sie nicht befahren könnten. „Da bräuchte es schon einen 20-Meter-Arm, um aus der Entfernung zu arbeiten.“

Landwirte nutzen denselben Grundwasserleiter

Dass dem Würmsee das Wasser fehlt, liegt aus Kranns Sicht nicht nur an der langen Trockenperiode. Grund dafür seien auch die vielen Wassersprenger, mit denen Landwirte in der Umgebung ihre Felder beregneten. Das bestätigt Regionssprecher Klaus Abelmann: Der Würmsee und die Feldberegner bezögen ihr Wasser aus demselben Grundwasserleiter, wie es Fachleute nennen.

In der Konsequenz ist der Pegel des Würmsees seit vergangenem Jahr so weit unten, „dass wir ihn gar nicht mehr aufschreiben“, wie Stadtmitarbeiter Krann sagt. Akribisch notiert wird hingegen der Zählerstand der Pumpe: Mehr als 120.000 Kubikmeter Wasser hat die Stadt seit Januar in den See gepumpt. Maximal pro Jahr genehmigt hat die Region 138.000 Kubikmeter – viel übrig ist da also nicht mehr. „Wir würden aber zusätzliche 40.000 Kubikmeter genehmigen“, sagt Abelmann –genauso wie schon 2018.

„Kampf gegen Windmühlen“

Bleibt es weiter so trocken, dann ist es aber selbst dann nur eine Frage der Zeit, bis der Brunnen kein Wasser mehr fördern darf. Was es eigentlich braucht, bringt Klärwerk-Mitarbeiter Tobias Morgenstern auf den Punkt: „Wir brauchen endlich mal eine Woche lang schönen Landregen.“ Sonst sei es, so sein Kollege Krann, „wie ein Kampf gegen Windmühlen“.

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