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Burgwedel Schützen bangen um ihre Feste
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Schützen bangen um ihre Feste
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00:20 08.02.2019
"So viel Papierkram!" Der stellvertretende Großburgwedeler Schützenchef Mike Ocker mit einem Teil der Formulare, die für den Antrag auf ein Schützenfest ausgefüllt werden müssen. Quelle: Thomas Böger
Burgwedel

Scheitern Schützenfeste demnächst an zu hohen bürokratischen Hürden? Mehrere Vereinsvorsitzende klagen über immer mehr Auflagen und fürchten, für mögliche Schäden im Zusammenhang mit den Feiern haften zu müssen. Die Besucher der Jahresversammlung des Schützenvereins Großburgwedel schüttelten jedenfalls nur noch die Köpfe, als ihr Vorsitzender Henning Kühl ihnen ein Schreiben der Stadtverwaltung inklusive zweier Anlagen mit insgesamt zwölf Seiten vortrug. Dabei handelt es sich um die Formulare für den Antrag, ein Schützenfest durchführen zu dürfen sowie eine Nutzungsvereinbarung für den Festplatz.

„Da brauche ich ja zwei Tage, um das alles auszufüllen“, kritisiert Kühl, und sein Kollege Volker Speckmann aus Kleinburgwedel meint scherzhaft, er benötige für die Arbeit eine Sekretärin. Der Fuhrberger Schützenchef und Vorsitzende des Arbeitskreises der Burgwedeler Schützenvereine, Karsten Segger, spricht mit Blick auf die Formulare von einem „Monster“ und beklagt, dass die Auflagen „immer komplizierter und vereinsunfreundlicher“ würden. Nur die Wettmarer Vorsitzende von „Gut Ziel“, Christa Krüger meint, die Bürokratie sei „nicht so ein großes Problem, wenn man das einmal gemacht hat“.

Kosten für Sicherheitsdienst reißen Loch in die Kasse

Wer haftet wenn beim Schützenausmarsch etwas passiert? Vereinschefs fürchten Regressansprüche. Quelle: Martin Lauber (Archiv)

Speckmann nennt dagegen ein weiteres Problem, das durch die Auflagen entstünde. So rissen die Kosten von 1600 bis 1800 Euro für den Sicherheitsdienst „ein ordentliches Loch in die Kasse“, nennt Speckmann ein Beispiel. Er überlege schon, ob er den Kleinburgwedeler Schützen nicht empfehlen solle, künftig im Vereinsheim zu feiern. „Wir wollen versuchen, weiter ein Schützenfest zu feiern, aber es wird immer schwieriger“, sagt auch Segger.

Erhebliche Sorgen bereiten den Schützen-Chefs auch Haftungsfragen. So sollen sie eine Erklärung unterschreiben, dass sie „die Wiedergutmachung aller Schäden übernehmen, die auch ohne eigenes Verschulden von Teilnehmern . . . an den zu benutzenden Straßen einschließlich der Verkehrszeichen und -einrichtungen sowie an Grundstücken (Flurschäden) entstehen“. Außerdem soll der jeweilige Veranstalter für nicht entrichtete Gebühren von Standbetreibern haften. Und in der Nutzungsvereinbarung zwischen Verein und Stadt wird festgelegt, dass die Schützen auch „für Schäden am Platz und den Zufahrtswegen“ haften.

Wer haftet, wenn beim Ausmarsch etwas kaputt geht?

„Muss ich das bezahlen, wenn beim Umzug jemand eine Bierflasche in eine Fensterscheibe schmeißt?“ fragt sich Kühl, und Segger sorgt sich, dass er für die Beseitigung von Spurrillen aufkommen müsste, die ein Lastwagen der Schausteller in den Platz fahren könnte. Manches könnte von der Versicherung abgedeckt sein, aber für Speckmann ist klar, dass er eine Vereinbarung mit dem Festwirt abschließen muss, die diesem die Verantwortung für den Platz überträgt – und der müsse sich seinerseits bei den Schaustellern absichern. „Ich kann da jedenfalls nicht für geradestehen“, stellt er klar. „Das unterschreibe ich nicht“, erklärt auch Kühl.

„Wir haben uns das nicht ausgedacht“, erklärt Stadtsprecherin Michaela Seidel. Die geforderten Angaben seien aufgrund gesetzlicher Vorgaben erforderlich. Die neuen Formulare seien „sogar ein besserer Service“, denn so hätten die Vereine „alles auf einen Blick beieinander“. Außerdem könnten viele Teile immer wieder verwendet werden, wenn sie einmal ausgefüllt worden seien, meint Seidel. Zu den Befürchtungen wegen einer möglichen Schadenshaftung sagte die Stadtsprecherin, dass nach ihrer Einschätzung die vorgeschriebenen Versicherungen mögliche Schäden abdeckten.

Für den Antrag auf ein Schützenfest müssen nicht nur Ort und Zeitpunkt genannt werden, sondern die Stadt möchte auch wissen, ob Speisen und Getränke angeboten werden und an wie vielen Ständen das geschieht, ob es Musik gibt, und ob dies durch „das Abspielen von Tonträgern“ erfolgt oder Gruppen auftreten und diese Verstärkeranlagen haben. Außerdem fragt das Ordnungsamt, ob „ein besonders hilfebedürftiger Personenkreis, z. B. Kinder“ erwartet wird und ob Absperrvorrichtungen aufgestellt werden sollen. Die Anzahl der Toiletten muss ebenso angegeben werden wie die der eingesetzten Ordner. Insgesamt müssen 69 Felder ausgefüllt werden, zum Teil durch Ankreuzen, zum Teil durch Einsetzen von Zahlen. An einigen Stellen werden darüber hinaus auch Erläuterungen erbeten.

Außerdem müssen die Vereine mehrere Unterlagen beibringen. Dazu zählt ein Versicherungsnachweis ebenso wie ein Plan, auf dem die Standorte der einzelnen Stände und Fahrgeschäfte eingezeichnet sind. Ein Ausstellerverzeichnis inklusive Anschriften und Telefonnummern muss ebenso beigebracht werden wie der Nachweis sanitärer Anlagen. Für die Veranstaltungen in Groß- und Kleinburgwedel sowie in Wettmar ist aufgrund von Vorkommnissen in den vergangenen Jahren ein Sicherheitsdienst vorgeschrieben. Von diesem müssen nicht nur die Gewerbeanmeldung und die Erlaubnis nach der Gewerbeordnung vorgelegt werden, sondern die Stadt verlangt auch eine Liste der eingesetzten Mitarbeiter inklusive deren Schulungsnachweis sowie ihrer Handynummern. tb

Von Thomas Böger

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