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Burgwedel Zirkus Saloni kommt vorerst nur bis Thönse
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Zirkus Saloni kommt vorerst nur bis Thönse
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17:54 16.07.2019
Neues Quartier der Zirkusfamilie Saloni mit Christina (hinten, von links), Martina, Roberto, Emely, Sophia und Geraldine (vorn) ist der Thönser Schützenplatz. Quelle: Frank Walter
Großburgwedel/Thönse

Um ihre schwierige Situation reden Martina und Roberto Köllner gar nicht erst herum. „Aber wir sind das Kämpfen gewöhnt“, sagt die Chefin des kleinen Zirkus Saloni, und ihr Mann nickt dazu. Tatsächlich ist die Zirkusfamilie durch viele Höhen und Tiefen gegangen – so wie jetzt gerade wieder in Burgwedel, weshalb sich nun auch die Stadtverwaltung eingeschaltet hat.

Nach Großburgwedel und Fuhrberg folgt nun Thönse

Der Start des Gastspiels in Burgwedel Mitte Juni war schon bescheiden ausgefallen. Zwei Tage in Fuhrberg mit zwei Vorstellungen, so lautete der Plan. Doch am ersten Tag war es viel zu heiß, es kamen kaum Zuschauer. Am zweiten Tag ging dann kurz vor der Vorstellung ein heftiges Unwetter nieder, Köllners mussten die Show absagen. In Großburgwedel lief es sogar noch schlechter, „obwohl wir doch so viele Plakate aufgehängt und Flyer verteilt haben“, sagt Roberto Köllner. Fünf Vorstellungen, fünf Absagen, weil kaum jemand kam: Burgwedel ist für den Zirkus Saloni offenbar kein gutes Pflaster.

Die Tage (fast) ohne Einnahmen haben ein großes Loch in die Kasse der Familie gerissen, zu der auch noch die Töchter Emely, Sophia und Christina sowie Enkelin Geraldine gehören. Das Geld für die Weiterfahrt in eine andere Kommune fehlt, immerhin sind drei Wohnwagen und zwei Transportanhänger umzusetzen – und damit hat jetzt auch die Stadt Burgwedel ein Problem.

Zirkus Saloni ist ohne Tiere unterwegs

Mit Geld aushelfen wollte die Kommune diesmal nicht, das hatte sie bereits einmal getan. Bei einem anderen Zirkus, der anders als Saloni auch Tiere dabei gehabt habe, sei damals der Lastwagen defekt gewesen. „Da haben wir dann ein Darlehen gewährt“, erinnert sich Ordnungsamtsleiterin Andrea Stroker.

Geld für den Treibstoff zum Weiterziehen in eine andere Stadt soll also nicht fließen. Doch auf dem Großburgwedeler Schützenplatz sollte das Zirkuszelt aus Sicht der Verwaltung auch nicht stehen bleiben. Zu offen sei der zentral gelegene Platz, dort könne die Zirkusfamilie von allen Seiten beäugt werden, so Stroker. Deshalb entschied sich das Rathaus für einen kurzen Umzug: Seit Dienstagvormittag steht der Zirkus auf dem Thönser Schützenplatz, in absoluter Dorfrandlage. Dort gibt er am Mittwoch, 17. Juli, wieder eine Vorstellung – und auch die Stadt hofft, dass dabei dann genug Einnahmen zusammenkommen, damit die Familie wieder weiterziehen kann.

„Es wird immer schwieriger“

Dabei reden die Köllners nicht um den heißen Brei: Als kleiner Familienzirkus zu existieren, „das wird immer schwieriger“, sagt Martina Köllner. Da hilft auch die lange Zirkustradition seit 1842 nicht, die ihr Mann Roberto ins Feld führt.

2005 – angeblich war damals ein Familienmitglied mit seiner Zugmaschine davongefahren – hatte die Stadt Bad Nenndorf schließlich sogar mit einem gebrauchten Lastwagen in Form eines zinslosen Darlehens ausgeholfen, um die Familie nach eineinhalb Jahren zum Weiterziehen zu bewegen. „Wenn es nicht weitergeht, dann braucht man eben Hilfe. Die Raten konnten wir aber dann irgendwann nicht mehr bezahlen“, erinnert sich Roberto Köllner. Erst 2009 hatte die Stadt Bad Nenndorf mit anwaltlicher Hilfe schließlich ihren Lastwagen zurückbekommen.

Familie Köllner hatte allerdings schnell eine neue Zugmaschine gefunden – wiederum mit fremder Hilfe: In Grimma bei Leipzig hatten Anfang 2010 viele Menschen unter der Leitung des Oberbürgermeisters eine Prominenten-Gala im und für den Zirkus auf die Beine gestellt. Den gebrauchten Lastwagen, der letztlich in einer ZDF-Fernsehshow mit Carmen Nebel öffentlichkeitswirksam übergeben wurde, fährt die Familie noch heute. „So einen hätten wir uns allein nie leisten können“, sagt Roberto Köllner

Heute fasst das Zirkuszelt nur noch 110 Personen

Mit dem großen Zelt jener Jahre, in dem noch 400 Personen Platz fanden, sind die Köllners heute nicht mehr unterwegs, ihr aktuelles fasst nur 110 Zuschauer. Das Fernsehen und die Videotheken als Konkurrenten habe man überlebt. Aber Technik wie das Smartphone oder das endlose Unterhaltungsangebot des Internets drohe den Wanderzirkussen den Rest zu geben, sagt Roberto Köllner. „Barum, Hagenbecks, Altdorf – alle haben aufgegeben.“ Auch Familie Köllner hatte sich schon einmal gedanklich vom Zirkusleben verabschiedet. „Wir haben vom Amt gelebt, aber dann hat es wieder gejuckt, und wir haben die Wagen doch wieder angehängt“, erinnert sich der heute 55-jährige Zirkusdirektor. Er wurde sogar im Zirkuswagen geboren. „Wir waren schon immer ein reisendes Volk.“

Dass dieses Leben in der heutigen Zeit – zumal, wenn zwei heiße Sommer in Folge vielen die Lust auf einen Besuch im Zirkuszelt verderben – nicht immer ohne Unterstützung funktioniert, ist Martina Köllner bewusst. „Wir bestreiten den Großteil unseres Lebensunterhaltes selbst. Aber manchmal sind auch wir eben auf Hilfe angewiesen.“ Und dazu darf auch gern ein Tipp gehören, ob es in der Umgebung nicht ein preisgünstiges Winterquartier gibt.

Die rund 80-minütige Vorstellung mit Akrobatik und Clownerie beginnt am Mittwoch, 17. Juli, um 17 Uhr auf dem Thönser Schützenplatz am Strubuschweg. Teilweise werden auch die Besucherkinder in die Show mit einbezogen. Erwachsene zahlen mit den an vielen Stellen ausliegenden Vergünstigungskarten 10 Euro, Kinder 8 Euro. Ohne Vergünstigung kostet der Eintritt je einen Euro mehr.

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