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Burgwedel Deshalb gilt die Winterlinde als Heilpflanze
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Deshalb gilt die Winterlinde als Heilpflanze
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14:40 16.07.2019
Heidrun Roland bietet einmal jährlich eine Heilpflanzenwanderung für den Naturschutzbund an. Die Brennnessel (links) zählt zur ihren Favoriten. Die schwarze Johannisbeere, die von rechts ins Bild ragt, ist gerade abgeerntet. Quelle: Patricia Chadde
Großburgwedel

Heidrun Roland ist promovierte Biologin und lebt seit 40 Jahren in Burgwedel. „Genauso lange bin ich Mitglied im Naturschutzbund“, sagt die 76-Jährige, die für den örtlichen Nabu einmal jährlich eine Heilpflanzenführung anbietet. „Wir starten am Fahrradkäfig des Bahnhofs und gehen dann Richtung Raiffeisenturm“, erläutert die Pflanzenexpertin ihre Route.

Was mancher für eine unspektakuläre Wegstrecke halten mag, entwickelt sich im Laufe von vier Stunden zu einem anregenden Ausflug in die Phytotherapie. So wird die wissenschaftlich fundierte Heilpflanzenkunde genannt. „Künstlich hergestellte Arzneimittel enthalten meist einen Hauptwirkstoff. Doch bei den Pflanzen gibt es neben dem zentralen Wirkstoff noch weitere Bestandteile, die oft in Wechselwirkung mit anderen treten“, erläutert Roland beim Spaziergang mit dieser Zeitung.

Mutterkorn ist für Landwirte kein Problem mehr

„Ich bin erstaunt, dass ich in einem Roggenfeld den parasitären Pilz namens Mutterkorn entdeckt habe“, sagt Roland. Im 17. Jahrhundert sei der hochgiftige Pilz oft zusammen mit den Roggenkörnern vermahlen worden – wer davon aß, musste mit dem St.-Antonius-Feuer rechnen. Denn die Wirkstoffe erzeugten ein Gefühl inneren Brennens. In der Folge könnten Gliedmaßen absterben, auch das Hirn werde angegriffen, weiß die Biologin zu berichten. Chinesen hingegen nutzten in früheren Zeiten das Mutterkorn als Arzneimittel, um Wehen in Gang zu bringen. Heute ist der Befall der Roggenähre durch das Mutterkorn übrigens kein Problem mehr. Weil der Pilz größer als das Getreidekorn ist, wird er einfach ausgesiebt.

Indianische Heilpflanze ist in Burgwedel heimisch

Dass die Nachtkerze mit ihren gelben Blüten zu den Neophyten – also den eingewanderten Pflanzen – gehört, wissen nur noch Fachleute. Längst ist sie als Zierpflanze in Gärten wie auf Brachflächen zu finden, auch beim Rundgang durch Burgwedel fehlt sie nicht. Ursprünglich stammt die Nachtkerze aber aus Nordamerika. „Sie galt bei den Indianern als bedeutende Heilpflanze“, sagt Roland. Zu Heilzwecken werden insbesondere die Samen verwendet. Sie enthalten 10 Prozent Gamma-Linolensäure – gut gegen Hautprobleme und Arteriosklerose.

Blüten der Winterlinde helfen gegen Erkältungen

Einen besonderen Blick wirft Roland auf eine Winterlinde, die sich am Wegrand findet. Denn beliebt sind vor allem die Blüten bei der Behandlung von Erkältungen. „Auch ihre beruhigende Wirkung macht sie zu einer wichtigen Heilpflanze“, sagt Roland. Darüber hinaus beeindrucke ihr „Selbstkannibalismus“: Roland zeigt die Innenwurzel des Baumes, die sich vom eigenen Holz ernährt – es zersetzt sich und dient als Lebensgrundlage. „Dank dieser Methode kann die Winterlinde uralt werden.“

Biologin zeigt mehr als 40 Arten von Heilpflanzen

Mit ihrer Faszination für die Heilpflanzen steckt Roland ihre Begleiter an – ob allein oder in der Gruppe. Und dann werden aus geplanten drei auch schnell vier Stunden Spaziergang. Denn immer wieder offenbart die Fachfrau kleine Besonderheiten, die dem Laien verborgen bleiben. So ähneln sich beispielsweise Blätter und Tiere, wie es bei der Distelfalterraupe und dem Natternkopf der Fall ist. Die blauen Blüten des Raublattgewächses sind bei Imkern als Bienenweide beliebt.

Mehr als 40 Arten von Heilpflanzen entdeckt Roland allein bei einer Tour. Damit weckt sie Interesse. Auch bei Ursula Schoenwiese, die an einer der Führungen teilgenommen hat. Ihr blieb vor allem die Robustheit zahlreicher Arten in Erinnerung. „Viele Pflanzen halten der groben Behandlung auf und neben den Wegen stand“, sagt sie. Manche bevorzugten sogar die kargen, steinigen und trockenen Flächen. Diese galten vielen Menschen bis vor wenigen Jahren als unnütze Bereiche. Erst zunehmend geraten sie wieder in den Fokus, weil sie eben eine Vielzahl von Heilpflanzen beherbergen, sagt Roland.

Weitere Informationen können Interessierte per E-Mail an mail@nabu-burgwedel.de erfragen.

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Von Patricia Chadde

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