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Burgwedel Zu Besuch bei guten Freunden
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00:15 31.05.2017
Burgwedel und Domfront feiern ihre 20-jährige Städtepartnerschaft. Quelle: Gabriele Gerner
Domfront/Burgwedel

Ein Besuch des Gezeitenkraftwerks am Morgen, danach ein Picknick und eine Stadtführung: Das Programm ist rappelvoll für die Burgwedeler und ihre Gastfamilien. Am Abend folgt ein mehrgängiges Essen mit viel Wein, Käse und Creme Brulée. „Wir fühlen uns wie Gott in Frankreich“, sagen Heidi und Dieter Boeck, die erstmals dabei sind.

Gefragt, was er am meisten an Deutschland liebt, antwortet Michel Marguérite prompt: „Brezeln, Schwarzbrot, Spargel und Bier!“ Seit Jahren sind er und seine Frau Anne mit Hella und Lothar Hanisch befreundet. Am Anfang stand der Schüleraustausch zwischen den Söhnen Mitte der Neunziger. „Wir fanden den Kontakt so klasse, dass wir meinten, wir sollten die Partnerschaft auf offizielle Füße stellen und auch Erwachsenen einen Austausch anbieten“, sagt Hella Hanisch. So gründete sie mit anderen den Partnerschaftsverein Burgwedel-Domfront.

„Damals haben wir uns VW-Bullis ausgeliehen und sind mit einem knappen Dutzend Leuten nach Domfront gefahren“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende Andreas Listing. Die Zahl der Mitfahrer auf beiden Seiten wuchs, heute hat der Verein mehr als 100 Mitglieder. Wer sich vor der Fahrt noch sprachlich fit machen möchte, kann bei der ehemaligen Lehrerin Uta Sidhu Französisch-Unterricht nehmen.

Fotoalben machen die Runde, Erinnerungen an Aktionen. „Wisst Ihr noch, als Ihr bei uns in Burgwedel wart?“, fragt Tischtennis-Trainer Lothar Heinrich vom TTC Thönse – alle nicken. TSG-Mitglieder erzählen vom Handballturnier mit den Franzosen. Elke und Karl Junge schwärmen von der Ausstellung des Kunstvereins Burgwedel-Isernhagen vor vielen Jahren in Domfront. Britt Buvrin-Wolff gehörte zu den Künstlern. „Meine Gastfamilie von damals hat immer noch mein Bild an der Wand hängen“, erzählt sie gerührt.

Doch auch manche Jugendliche hat bereits ihre eigene Domfront-Geschichte. Carla (15) hatte im vergangenen Jahr vier Monate lang das Lycée in Domfront besucht. Gewohnt hat sie bei Nathalie und Philippe Leroy. „Ich wusste ja in etwa, was mich erwartet“, sagt sie. Bei der Familie Leroy ist Carla mit ihrer Familie schon ein paar Mal zu Besuch gewesen. „Mit meiner Gastschwester Léa bin ich sogar in die gleiche Klasse gegangen. Besser geht es einfach nicht!“, sagt Carla. Das findet auch Mutter Christiane Vogeler: „Ich fand es eine unglaubliche Bereicherung für unsere Tochter zu erleben, dass es woanders ganz anders läuft.“

Herzlichkeit ist keine Frage der Sprachkenntnisse – diese Erfahrung machte auch Ilse Abrahams vom Oratorienchor Burgwedel. Die 76-Jährige ist zum ersten Mal mit in Domfront. „Ich hatte ziemlich Angst, wie ich ohne Französisch zurecht komme.“ Doch kaum angekommen bei Gastgeberin Maryse Huard, lösen sich alle Bedenken in Luft auf. Maryse spricht zwar kaum Deutsch – doch mit Mimik, Gestik und ein paar Brocken Englisch verstehen sich die beiden wunderbar. „Die Herzlichkeit ist einfach umwerfend“, schwärmt Abrahams.

Burgwedels Ratsherr Rudolf Gutte nennt es „chaleur humaine“, menschliche Wärme, die einem in Domfront umgibt. Und diese Einschätzung teilen alle – auch Guttes Frau Uda: „Im Laufe der Zeit ist man sich überhaupt nicht mehr fremd“, sagt sie. Was immer hilft? Humor.

Die beiden Kommunen wollen voneinander lernen

Beim offiziellen Festakt überreichten die Burgwedeler eine Gedenktafel mit der Aufschrift „Wir verbinden Menschen über Grenzen hinweg.“ Domfronts Stadtoberhaupt Bernard Soul beteuerte, die Tafel werde einen Ehrenplatz bekommen – Austausch und Partnerschaft sollen weiter ausgebaut werden. Soul warnte: „Das europäische Ideal ist zerbrechlich“ – um die Freundschaft zu erhalten, müsse man mit jeder Generation aufs Neue daran arbeiten. Es sei wichtig „nicht Staaten, sondern Menschen zu verbinden“. Burgwedels Bürgermeister Axel Düker stimmte zu: „Politische Ämter sind auf Zeit angelegt, aber Freundschaften wachsen und dauern, wenn sie gut gepflegt werden, ein Leben lang“.

Als nächstes steht ein Arbeitstreffen in Burgwedel im Herbst an. Domfront will seinen Tourismus nachhaltig ausbauen und interessiert sich auch für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen in Burgwedel. Burgwedel wiederum sucht Tipps, um die Stadt für junge Menschen attraktiver zu machen, die sich kein Wohneigentum leisten können.

Von Gabriele Gerner

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