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Burgwedel Amtsgericht verurteilt junge Mütter wegen Ladendiebstahls
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Amtsgericht verurteilt junge Mütter wegen Ladendiebstahls
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00:17 31.03.2019
Drei Frauen, die gemeinsam in Altwarmbüchen Kleidung gestohlen hatten, sind jetzt vom Amtsgericht verurteilt worden. Quelle: Symbolbild (Frank Walter)
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Altwarmbüchen

Mit einer speziell präparierten „Diebestasche“ sind drei junge Mütter im A2-Center in Altwarmbüchen auf Beutezug gegangen und haben Kleidung für fast 500 Euro gestohlen. Die Quittung gab es nicht im Geschäft, sondern am Donnerstag vor dem Amtsgericht Burgwedel.

Minutiös berichtete der Ladendetektiv im Zeugenstand, wie er den drei Frauen, 23, 28 und 29 Jahre alt, im Oktober 2018 mit Hilfe der Überwachungskameras auf die Schliche gekommen war. Demnach hatten sich die Täterinnen sowohl in der Damen- als auch in der Herrenabteilung länger aufgehalten. Eine von ihnen ging dann mit mehreren Kleidungsstücken in eine Umkleide, die beiden anderen reichten ihr weitere Stücke und eine Tasche durch den Vorhang. Beim Verlassen der Umkleide hatte besagte Tasche deutlich an Volumen gewonnen. Der Detektiv stoppte die Täterinnen nach dem Verlassen des Geschäftes.

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Bei der Kontrolle fanden sich bei ihnen sieben unbezahlte Kleidungsstücke für 475 Euro. Interessant war auch die Tasche: Diese war so präpariert, dass die Warensicherungsetiketten am Ausgang nicht Alarm geschlagen hatten.

Die Tat an sich war unstrittig, die angeklagten Frauen räumten sie vor Gericht auch weitgehend ein. Einzige die 28-Jährige versuchte, ihre Rolle klein zu reden. Angeblich hatte sie nur „Schmiere gestanden“, was der Ladendetektiv allerdings anders schilderte.

Amtsrichter sieht keinen gewerbsmäßigen Diebstahl

So ging es vor Gericht im Wesentlichen darum, wie die Tat zu bestrafen war. Angeklagt war ein gewerbsmäßiger Diebstahl, für den das Gesetz eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zehn Jahren oder entsprechende Geldstrafen vorsieht. Die Staatsanwältin sah diesen Vorwurf erfüllt. Wer eine solche Tasche verwende, „der macht das nicht zum ersten Mal“. Sie forderte für zwei der Angeklagten Geldstrafen von 90 beziehungsweise 100 Tagessätzen zu je 10 Euro – alle drei jungen Mütter leben eigenen Angaben nach von Hartz-IV-Leistungen und dem Kindergeld. Für die 28 Jahre alte, erst kurz vor der Tat einschlägig bestrafte Angeklagte beantragte die Staatsanwältin sogar vier Monate Haft auf Bewährung.

Dem Strafverteidiger einer der Frauen – die beiden anderen verteidigten sich selbst – war das zu viel. Für einen gewerbsmäßigen Diebstahl fehle die „wiederholte Tatbegehung“, mit der man sich „eine fortlaufenden Einnahmequelle von einigem Umfang“ verschaffen wolle. Für seine Mandantin, immerhin juristisch bislang ein unbeschriebenes Blatt, könne es trotz der präparierten Tasche auch der erste Diebstahl gewesen sein. Er plädierte auf eine Geldstrafe von lediglich 30 Tagessätzen.

In seinem Urteil wählte Amtsrichter Michael Siebrecht den Mittelweg. Er verurteilte die drei Angeklagten zwar wegen einfachen Diebstahls, aber zu 60 beziehungsweise 80 Tagessätzen. Die Diebestasche und das arbeitsteilige Vorgehen reichten nicht aus für den Vorwurf der Gewerbsmäßigkeit. Er entließ die frisch verurteilten jungen Mütter mit der Hoffnung, dass ihnen der erste Auftritt vor Gericht ein Warnschuss sein möge. Tatsächlich hatte selbst die 28 Jahre alte Diebin mit den vier Vorbelastungen bislang keinen Gerichtssaal von innen gesehen. Weil die Justiz versuche, die Arbeitsbelastung klein zu halten, habe es für sie bislang immer nur einen Strafbefehl gegeben, so Siebrecht. „Sie haben einfach nur einen Brief nach Hause bekommen, wie eine Rechnung.“

Von Frank Walter