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Burgwedel An Geld zerbricht eine 45-jährige Freundschaft
Aus der Region Region Hannover Burgwedel An Geld zerbricht eine 45-jährige Freundschaft
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00:17 28.04.2019
Im Streit um einen 10.000 Euro-Kredit zerbrach die Freundschaft von zwei Frauen. Jetzt trafen sie sich vor dem Burgwedeler Amtsgericht wieder. Quelle: Frank Walter
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Großburgwedel

„Bei Geld hört die Freundschaft auf“, dass in dieser Redewendung viel Wahres steckt, erlebten am Donnerstag die Zuhörer im Sitzungssaal des Burgwedeler Amtsgerichts. Vor Gericht zwei Frauen, eine als Angeklagte, die andere als Zeugin. Die beiden verband eine 45-jährige Freundschaft – die vor einigen Jahren ihr jähes Ende fand.

Angeklagt wurde eine 65-jährige Frau aus Burgwedel wegen Betrugs und Meineids. Sie hatte Widerspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt. Der wurde nun verhandelt. Und darum geht es in dem Fall: Die Angeklagte hatte sich von ihrer damaligen Freundin 10.000 Euro geliehen. Das war 2014. Bis heute hat sie das Geld nicht zurückgezahlt. Ihre Begründung: „Ich bekomme für geleistete Arbeiten noch 18.000 Euro von ihr.“ Die Angeklagte hatte als selbstständige Grafikdesignerin für ihre Freundin Prospekte und Broschüren erstellt. Die Richtigkeit dieser Forderungen streitet die Zeugin ab.

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2017 landete der Fall bei einer Gerichtsvollzieherin. Die wollte die 10.000 Euro eintreiben. Die Angeklagte erklärte sich für zahlungsunfähig und leistete einen Offenbarungseid. Dabei vergaß sie allerdings, zwei Kreditkarten und die damit verbundenen Konten anzugeben. Auch wenn auf diesen Konten kein Geld war, brachte es der 65-Jährigen dennoch eine Anzeige wegen Meineids und obendrein wegen Betrugs ein, da der Staatsanwalt ihr unterstellte, dass sie den Kredit bereits mit dem Vorsatz, ihn nicht wieder zurückzahlen zu wollen, aufgenommen hatte. Zumindest für Letzteres fand Amtsrichter Michael Siebrecht keinerlei Beweise. „Den Betrug können wir nicht nachweisen“, erklärte er. Wohl aber fand er deutliche Worte für den Meineid. „Wenn Sie bei einem Offenbarungseid nach Konten gefragt werden, dann müssen Sie alle angeben, gleichgültig ob Geld darauf ist oder nicht“, erklärte er der Angeklagten.

Für die endete der Prozess so zumindest mit einem Teilerfolg. Statt 150 Tagessätzen wie im Strafbefehl verhängt, verurteilte sie Richter Siebrecht lediglich zu 50 Tagessätzen von jeweils 10 Euro. Diese fallen deshalb so niedrig aus, da die Angeklagte inzwischen von Arbeitslosengeld II lebt.

Unklar ist, ob das nun die letzte Runde der beiden Frauen vor Gericht war. „Ich will erst mit meinem Anwalt darüber sprechen, ob wir wegen der Außenstände prozessieren“, sagte die Angeklagte gegenüber dieser Zeitung.

Klar hingegen ist, dass die Freundschaft zwischen den beiden Frauen wohl nicht mehr zu kitten sein dürfte. So schilderte die Zeugin vor Gericht ihre Befürchtungen, die sie bereits bei den Gesprächen über den Kredit vor fünf Jahren hatte. „Hoffentlich geht daran unsere Freundschaft nicht kaputt“, hatte nach ihren eigenen Worten damals zu der Angeklagten gesagt. „Aber genau das ist passiert“, berichtete sie nun im Burgwedeler Gerichtssaal.

Von Thomas Oberdorfer