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Burgwedel Schwer verletztes Kalb: Hat ein Wolf in Burgwedel zugeschlagen?
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Schwer verletztes Kalb: Hat ein Wolf in Burgwedel zugeschlagen?
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18:03 11.10.2019
Alexandra Glockzin und Heinrich Bähre streifen vorsichtig einen Sack über das verletzte Kalb. Quelle: Frank Walter
Engensen

Ein erst wenige Tage altes Angus-Kalb hat auf einer Weide nahe Burgwedel-Engensen schwere Verletzungen erlitten. Es kam am Freitagvormittag zur Behandlung in die Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover, musste dort letztlich aber eingeschläfert werden. Erst Anfang März waren auf einer Weide im Wald zwischen Engensen und Burgdorf-Schillerslage 15 Heidschnucken getötet und fünf verletzt worden. Wochen später stand offiziell fest, dass ein Wolf die Tiere gerissen hatte.

Ein Angus-Kalb hat auf einer Weide nahe Burgwedel-Engensen schwere Verletzungen erlitten. Es kam zur Behandlung in die Tierärztliche Hochschule. Der Züchter ist sich sicher: Das war ein Wolf.

Eigentümer ist sich sicher: Das war ein Wolf

Eigentümer Heinrich Bähre hat keine Zweifel, dass die Verletzungen von einer Wolfsattacke zeugen. Für den Rinderzüchter, der 95 Prozent seiner Tiere im europäischen Ausland und sogar bis Kasachstan und Turkmenistan vermarktet, ist es bereits der dritte derartige Vorfall innerhalb von drei Monaten. Und keine 500 Meter entfernt seien Anfang Oktober gleich sechs Wölfe gesichtet worden.

Die Weide, auf der vier Muttertiere samt ihrer Kälber stehen, liegt in der Wiesenlandschaft des Hastbruchs, etwa zwei Kilometer nördlich der Engenser Splittersiedlung Lahberg.

Als Bähre am Freitagmorgen zur Kontrolle seiner Herde auf die Weide trat, kauerte das erst eine Woche alte Kuhkalb im Gras. Die schweren Verletzungen waren für ungeübte Augen erst auf den zweiten Blick zu erkennen: In den hinteren Oberschenkeln und im Bauchbereich klaffte eine riesige Wunde. „Die Muskeln sind komplett zerfleddert“, sagte Tierärztin Imke Wrede, die Elisabeth und Heinrich Bähre zu Hilfe gerufen hatten. Ebenfalls angefordert wurde ein Mitarbeiter des Wolfsbüros – eine DNA-Probe soll Gewissheit über den Angreifer geben.

Verletztes Kalb kommt in die Tierärztliche Hochschule

Vor Ort konnte Wrede nicht mehr machen, als die Erstdiagnose zu stellen. Die Mutterkühe ließen nur den Züchter ans Kalb heran, das Jungtier musste zur Behandlung zu den Spezialisten der Rinder-Klinik der TiHo. Für Heinrich Bähre war klar, dass die Mutterkuh auch mitfährt: „Sie muss das Kalb ja mit Milch versorgen.“ Die Frage, das verletzte Tier aufzugeben, stellte sich für ihn nicht: „Wenn man Tiere hat, hat man auch Verantwortung für sie.“

Fest steht für den 69-Jährigen aber auch, wer das junge Kalb so schwer verletzt hat. „Das war ein Jungwolf. Der hat es gepackt, dann kamen die Muttertiere angelaufen, und er hat es wieder losgelassen. Ein erwachsener Wolf hätte nicht so leicht aufgegeben.“

Von anderem Kalb blieben nur Gerippe und Ohrmarken übrig

So sicher machen ihn drei weitere Vorfälle. Am Fuchsberg, kaum 500 Meter entfernt, war Mitte Juli eines von Bähres Kälbern von seiner Weide verschwunden. Später fanden sich die Überreste des Tieres im Moor – das abgenagte Gerippe und die Ohrmarken aus Kunststoff. Mitte September traf es dann schon einmal die Weide, auf der sich auch nun die mutmaßliche Wolfsattacke ereignete. „Der Kadaver war total ausgehöhlt“, erinnert sich Elisabeth Bähre mit Grauen.

Die Besonderheit beim zweiten Vorfall: Der oder die Wölfe müssen das Jungtier, dessen Überreste mittags entdeckt wurden, am helllichten Vormittag attackiert haben, denn morgens war auf der Weide noch alles in Ordnung gewesen. Die Bestätigung, ob es sich tatsächlich um einen Wolfsangriff gehandelt hat, soll ein DNA-Test geben, dessen Ergebnis noch aussteht. Dieses Mal könnte sich der Riss auch nachts zugetragen haben: Heinrich Bähre hatte am Donnerstag gegen 19 Uhr zuletzt nach der kleinen Herde gesehen.

Sechs Wölfe bei Maisernte gesichtet

Der dritte Vorfall soll sich Bähre zufolge ebenfalls keine 500 Meter von dieser Weide entfernt abgespielt haben: Bei der Maisernte in der vergangenen Woche seien gleich sechs Wölfe auf einmal gesichtet worden.

„Unsere Wiesen grenzen an den Wald, was sollen wir denn machen?“, fragt Heinrich Bähre mit Blick auf die kilometerlangen Zäune um die Weiden im Hastbruch. Alle Zäune wolfssicher zu erhöhen und einen halben Meter tief einzugraben, das erscheint ihm unmöglich. Gern hätte er seine Rinder dichter am Dorf stehen. „Aber die Wiesen dort sind alle vertrocknet.“ Da er vermutet, dass der Wolf zurückkehren könnte, hat er die verbliebenen Tiere am Freitagnachmittag auf eine weiter entfernte Weide getrieben.

Heinrich Bähres Forderung ist simpel, aber eindeutig: „Der Wolf soll mich in Ruhe lassen.“ Wölfe gehörten seiner Meinung nach in Nationalparks oder auf Truppenübungsplätze. „Und wer die Nase raus hält, gehört weg!“

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