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Garbsen „Ausprobiert“: Volles Vertrauen ins Team, das noch keins ist
Aus der Region Region Hannover Garbsen „Ausprobiert“: Volles Vertrauen ins Team, das noch keins ist
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18:18 05.11.2017
Teamgeist und blindes Vertrauen sind gefordert, als Redaktionsmitarbeiterin Jutta Grätz mit verbundenen Augen über eine menschliche Treppe klettert. Quelle: IGS
Garbsen

Rugby, Hip Hop, Holf – ein Mix aus Handball und Golf oder doch lieber Inseln der Entspannung? Wer bei der großen Go-Sports-Infotagung mitmachen will, muss sich entscheiden. 62 Workhops werden bei dem Aktionstag angeboten, zu dem sich am Sonnabend fast 400 Teilnehmer aus ganz Norddeutschland in den Sporthallen IGS und der Rudolf-Harbig-Halle getroffen haben. 

Die Veranstaltung geht ins 27. Jahr, seit 1999 ist Garbsen einmal jährlich das sportliche Mekka für Lehrer, Jugendleiter, Erzieher und Vereinsvertreter, die neue Sportarten testen und sich über Trends austauschen. Die Tagung wird von der Sportjugend Niedersachsen, dem Regionssportbund, der Niedersächsischen Turnerjugend, der Akademie des Sports und dem Sportfachbereich der IGS organisiert. 

„Wir sind ein Team!“ ist mein Favorit unter 62 Workshops

Ich will etwas ausprobieren. Organisatorin Inga Lazic, Leiterin des IGS-Fachbereichs Sport, braucht meine Entscheidung: „Natural Movements“, ein schweißtreibendes Bootcamp, oder „Ich, Du, Er, Sie – Wir sind ein Team“! Ich gehe ins Team.  Teamgeist ist ja nicht nur im Sport gefragt.

Um Andrea Probst von der TU Braunschweig scharen sich 19 Mitstreiter. Keiner kennt den anderen. Auf uns warten 90 Minuten neuer Erfahrungen. Im IGS-Forum erwarten uns weder weiche Matten noch Geräte, nur nackte Fliesen.

Schon beim Warm-up sind beide Gehirnhälften gefordert: Ein kräftiges „Moin“ zum rechten Nachbarn, ein fröhliches „Hallo“ zum linken. Probst lässt uns durcheinander laufen. Wir haben den Partner wiederzufinden und richtig zu begrüßen – Moin, Hallo.  Ein paar Minuten Bewegung, gepaart mit Sprache und visueller Gedächtnisarbeit reichen mir schon zum Warmwerden. „Nicht denken, einfach machen“, lautet der Tipp von Probst, die – zum Glück – meine linke Nachbarin ist.  Am orangefarbenen T-Shirt erkenne ich sie im Gesichter-Wirrwarr.

Partnerübungen brechen das Eis

Bereits die erste Partnerübung hat es in sich: Ich verknote meine Arme mit einem dünnen Faden mit denen der 19-jährigen Joanna. „Versucht mal, da herauszukommen“, sagt die Trainerin. Wie die meisten anderen schaffen wir beide es nicht, uns zu entknoten, obwohl wir mit Tricks und Kniffen, Armen und Beinen durch die Fäden steigen – das ist ein echter Eisbrecher. Kniffelig wird es bei der nächsten Gruppenübung zu sechst. Drei holen mit verbundenen Augen Stühle aus einer Kammer und bauen sie zu einer Pyramide auf, die anderen drei Sehenden begleiten sie. Das Anleiten meiner „blinden“ Partnerin, sogar über Treppenstufen, funktioniert noch ganz gut. Dann tauschen wir: Das Stühlestapeln mit Schlafbrille erfordert meine volle Konzentration. 

„Eine Gruppe macht noch lange kein Team“, sagt Probst. „Und was macht ein Team aus?“, fragt die Wissenschaftlerin in die Runde. „Vertrauen, gemeinsame Ziele, Rücksicht, Spaß, Kommunikation und an einem Strang ziehen“, listen wir als Workshop-Teilnehmer auf. 

Blindes Vertrauen im Selbtversuch testen

Blindes Vertrauen, darauf kommt es bei der nächsten Übung an. Wir werden in zwei Gruppen á zehn Personen aufgeteilt. „Wir brauchen ein Opfer“, sagt Probst und zeigt auf mich. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, denke ich mir. Es kostet Überwindung, aber ich ziehe die Schlafbrille über die Augen und höre, wie sich meine Mitstreiter absprechen. „Ihr bildet eine menschliche Treppe. Jutta klettert drüber.“ 

Na klasse. Schuhe aus. Vorsichtig setze ich den rechten Fuß auf den ersten Körper.  Ist das ein Rücken, ein Po, eine Hand? Es wackelt. Eine Hand an jeder Seite hält mich fest, meine eigenen sind schon schweißnass. Ich „erklimme“ die Stufen, Zentimeter für Zentimeter. „Halt, das ist die Wirbelsäule, den Fuß weiter rechts,“ sagt mein Nebenan. Die Strecke erscheinen mir riesig, mein Puls geht schneller. „Jetzt mit den Knien auf meine Schultern“, sagt Daniel. Schultern? So hoch bin ich geklettert? Ich hebe das rechte Knie. Das linke will einfach nicht hinterher. Mir ist mulmig da oben. Und wie komme ich wieder herunter? „Wir haben Deine Hände, krabbele durch unsere Arme, wir fangen Dich auf“, höre ich meine Begleiter. 

Plötzlich habe ich wieder festen Boden unter den Füßen. Mein Herz schlägt bis zum Hals, ich bin heilfroh, wieder auf den Fliesen zu stehen. „Wer hat mich gehalten?“, frage ich. „Wir alle“, sagt Probst. „Die ganze Gruppe hat dich getragen!“ Ein bisschen fassungslos bin ich schon: ein wenig über den Mut, mich so fallen lassen zu können  und vor allem darüber, den Menschen, die ich vor einer Stunde noch nicht kannte, buchstäblich blind zu vertrauen. Wir sind wirklich ein Team! Was für eine wertvolle Erfahrung, nicht nur für den Sport.

Von Jutta Grätz

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