Garbsen: Ehepaar entdeckt Blaue Holzbiene im Garten in Schloß Ricklingen
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Garbsen Ehepaar entdeckt Blaue Holzbiene im Garten in Schloß Ricklingen
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Garbsen: Ehepaar entdeckt Blaue Holzbiene im Garten in Schloß Ricklingen

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09:43 01.08.2020
Dieses Exemplar einer Blauen Holzbiene haben Esther und Thomas Ramm in ihrem Garten in Schloß Ricklingen aufgenommen. Quelle: Thomas Ramm
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Schloß Ricklingen

Ihr Rücken sieht aus wie ein kurzgeschorener brauner Pelz, ihre Gestalt erinnert an eine große Hummel, ihre Flügel in schimmerndem Blau-Schwarz geben ihr ihren Namen: Die sogenannte Blaue Holzbiene zählt zu den größten Wildbienen überhaupt. Ein 2,8 Zentimeter großes Exemplar dieser Gattung haben Esther und Thomas Ramm aus Schloß Ricklingen in ihrem Garten beobachtet – und nun mit ihrer Kamera eingefangen.

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„Die Biene besuchte mehrere Wochen lang jeden Abend unseren pinkfarbenen Wickenstrauch auf unserer Terrasse“, berichtet Esther Ramm. Geduldig und immer rund 30 Minuten lang sei sie fast auf jede Blüte geflogen. Ramm und ihr Mann hätten sich erst einmal informieren müssen, um was für ein Tier es sich handelt. Der winterharte Strauch stehe dort schon mehr als 35 Jahre. „Aber so ein Insekt haben wir vorher noch nie in unserem Garten gesehen“, so die Schloß Ricklingerin. „Es sah auf den ersten Blick aus wie zwei dicke Hummeln übereinander oder auch zwei Mistkäfer.“

Nach ihrem etwa halbstündigen „Abendessen“ sei die Biene dann weitergeflogen. „Sie war ganz friedlich“, berichtet Esther Ramm. In den vergangenen Tagen sei das Insekt nur auf jeweils einen kurzen Abstecher in den Garten gekommen. „Vielleicht hat sie nun eine andere Nahrungsquelle gefunden“, vermutet Ramm.

Bestand der Wildbienen ist bedroht

Der wissenschaftliche Name der Blauen Holzbiene ist Xylocopa violacea. Ursprünglich waren die Insekten in Süd- und Mitteleuropa heimisch, berichten Experten des Naturschutzbundes (Nabu). In Deutschland sei das Insekt bis in die Achtzigerjahre nur aus der Oberrhein-Ebene bekannt gewesen und habe sich seitdem in ganz Deutschland ausgebreitet. Grund sei offenbar die Klimaerwärmung: Denn diese Wildbienenart bevorzuge Regionen mit hohen Jahresmitteltemperaturen sowie relativ hoher Sonnenscheindauer.

„Abendessen“ in Schloß Ricklingen: Diese Blaue Holzbiene besucht regelmäßig den Garten von Esther und Thomas Ramm. Quelle: Thomas Ramm

Wildbienen sind bedroht

Der Bestand der Wildbienen aber ist bedroht: Nicht nur in Deutschland sind mittlerweile 228 Wildbienenarten bestandsgefährdet, ganze 39 Arten gelten als ausgestorben oder verschollen und 31 Arten sind vom Aus­sterben bedroht, so die Naturschutzexperten des BUND.

Meist lebt die Blaue Holzbiene solitär, also allein und nicht in Gemeinschaften wie die Honigbiene. Dabei bevorzugt sie nicht nur Sonnenplätze mit großer Blütenvielfalt. „Wie ihr Name sagt, zählt auch abgestorbenes Holz zu ihren Lieblingsplätzen“, sagt Waldemar Wachtel, Vorsitzender des Garbsener Nabu. Er habe auch schon im Garbsener Stadtpark einige der Tiere gesichtet. Das Holz suchen die Insekten auch bevorzugt zum Nestbau auf.

„Totholz gibt es in unserem Garten eine ganze Menge“, sagt Thomas Ramm. „Artenvielfalt und ein insektenfreundliches Grundstück sind uns ganz wichtig“, ergänzt seine Frau. Im Garten der beiden Schloß Ricklinger finden sich deshalb jede Menge Obst- und Gemüsepflanzen, Sonnenblumen und auch Kräuter wie Lavendel. „Es wuselt dort überall von Insekten“, sagt Esther Ramm.

Von Jutta Grätz