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Garbsen Was macht eigentlich ein Schulhausmeister, Herr Baer?
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19:16 05.09.2019
Hausmeister Andrej Baer ist seit 2004 an der IGS Garbsen angestellt. Quelle: Gerko Naumann
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Garbsen-Mitte

Andrej Baer ist ein gefragter Mann. Vor allem in den großen Pausen. Der 46-Jährige arbeitet als einer von drei Hausmeistern an Garbsens größter Schule – der IGS Garbsen. Und damit ist er auch einer der wichtigsten Ansprechpartner für mehr als 2000 Schüler und Lehrer. „Unser Büro ist gleichzeitig das Fundbüro der Schule, da ist immer etwas los“, sagt Baer. Und wie auf Kommando steckt genau in diesem Moment eine Lehrerin ihren Kopf durch die Tür und fragt Baer, ob bei ihm eine blaue Mappe abgegeben worden sei. Der guckt sich kurz um und muss die Frau vorerst enttäuschen.

So sieht das Fundbüro der IGS Garbsen aus, das die Hausmeister verwalten. Quelle: Gerko Naumann

Hausmeister leiten das Fundbüro

Trotzdem ist die Sammlung der Fundsachen beeindruckend. An einem Brett hängen Unmengen von Schlüsseln, darunter auch einige Autoschlüssel. Und die Auswahl von Jacken, Rucksäcken, Schuhen und Fahrradhelmen in einem Regal würde man so wohl eher in einem gut sortierten Se­cond­hand­la­den erwarten. „Ungefähr zweimal pro Jahr packen wir alles, was nicht abgeholt wurde, in Säcke und bringen es in den Altkleider-Container“, sagt Baer, der bereits seit 2004 an der Schule tätig ist.

Serie: „Eine Stunde mit ...“

Ob Eisverkäufer, Flüchtlinge, Künstleragentin, Landwirt oder Pastorin: In unserer Sommerserie „Eine Stunde mit ...“ wollen wir die Garbsener zum Gespräch treffen, sie kennenlernen und ihre Geschichten erzählen. Wir treffen Menschen in ihrem beruflichen Umfeld und zu Hause, wollen herausfinden, wie sie leben, was sie machen und was sie an der Stadt mögen. Unsere Reporter sind den ganzen Sommer lang unterwegs, um eine interessante, aufschlussreiche und spannende Stunde mit ihnen zu verbringen.

Bis dahin war das Leben des heute 46-Jährigen schon ziemlich aufregend verlaufen. In den Neunzigerjahren kam Baer mit seinen Eltern als Spätaussiedler aus Kasachstan nach Deutschland. Mit 17 Jahren musste er noch einmal eine neue Sprache lernen. Das gelang erstaunlich schnell und half ihm dabei, eine Ausbildung als Elektriker beim Unternehmen Röder in Havelse zu finden. Dessen damaliger Chef unterstützte Baer, vor allem als er mit gerade 20 Jahren Vater eines Sohnes wurde.

Als Elektriker fing alles an

Die Arbeit machte Baer Spaß, noch heute erinnert er sich gern an kuriose Aufträge: „Einmal musste ich das Gebiss einer Seniorin retten, das ihr in die Waschmaschine gefallen war.“ Vor 15 Jahren unterschrieb er dann seinen zweiten Arbeitsvertrag – den an der IGS, der bis heute Bestand hat.

Sein Arbeitstag beginnt früh. Bereits um 6.45 Uhr schließt er das Gebäude auf, weil kurz danach die Betreuungszeit des Horts beginnt. Immerhin: Der Weg zur Arbeit könnte nicht kürzer sein. „Ich wohne mit meiner Frau in einem Haus auf dem Schulgelände“, sagt Baer.

„Am liebsten gehe ich am Schwarzen See spazieren“

Ich lebe in Garbsen seit ...

... 2006. Mittlerweile wohne ich in einem Haus auf dem Schulgelände.

Mir gefällt an Garbsen ...

... die Nähe zur Stadt Hannover. Und gleichzeitig habe ich hier meine Ruhe. Am liebsten gehe ich mit meinem Hund um den Schwarzen See spazieren oder sammle im Wald mit meiner Frau Pilze.

Das könnte man verbessern ...

... bei meinen Spaziergängen sehe ich oft Müll in der Natur herumliegen. Vielleicht könnte die Polizei öfter kontrollieren, damit das nicht passiert.

Bevor die Schüler das Gebäude stürmen, hat Baer schon die ersten Pflichtaufgaben erledigt. „Jeden Morgen fülle ich das Klopapier und die Papierhandtücher in den Toiletten auf“, sagt er. Danach arbeitet er ab, was gerade anfällt. Heute wartet vor dem Büro schon ein Vertreter, der der IGS neue Schließfächer seines Unternehmens anpreisen will. Aber vorher muss ein Schrank in der Grundschule Garbsen-Mitte verrückt werden, die auch zum Einsatzgebiet der Hausmeister gehört. Dafür holt Baer seinen Kollegen Michael Klug zur Hilfe. Karsten Haase komplettiert das Hausmeister-Trio. „Im Team zu arbeiten macht mir am meisten Spaß in dem Job“, sagt Baer und lobt seine Kollegen.

Hausmeister Andrej Baer und sein Kollege Michael Klug bringen einen aussortierten Schrank in den Abstellraum. Quelle: Gerko Naumann

Er bevorzugt einen Neubau

Die Hausmeister übernehmen auch viele kleinere Reparaturen in den Gebäuden – da gibt es bekanntlich viel Bedarf. Die Politik in Garbsen diskutiert seit Monaten darüber, ob die rund 50 Jahre alte Schule saniert werden kann oder ob ein Millionen-Neubau notwendig ist. Baer ist froh, dass er die Entscheidung nicht fällen muss. Eine Meinung hat er natürlich trotzdem: „Ich kenne das Gebäude sehr gut“, sagt er. Und fügt nach kurzem Nachdenken hinzu: „Und ich denke, dass ein Neubau das beste wäre.“

Aber egal in welchem Gebäude: Baer kann sich vorstellen, den Hausmeister-Job bis zur Rente zu machen. Wäre er in Kasachstan geblieben, hätte er vielleicht studiert, sagt er. Aber es ist eben anders gekommen. Und heute sei er mit dem Verlauf der Dinge glücklich, sagt der 46-Jährige. „Wenn die Lehrer und Schüler zufrieden sind, dann haben wir unseren Job gut gemacht. Das ist wie Balsam für die Seele.“

Alle Teile der Serie lesen Sie hier:

Eine Stunde mit Jürgen und Heike vom Hof Hornbostel in Stelingen

Eine Stunde mit Künstleragentin Mone Werner aus Altgarbsen

Eine Stunde mit Friedhofsgärtner Stefan Wassmann

Eine Stunde mit Eisproduzent Giorgio Capalbo aus Stelingen

Eine Stunde mit Imbissbetreiber Rudi Schubert in Altgarbsen

Eine Stunde mit der Badeaufsicht Sahin Canbolat am Blauen See

Eine Stunde mit Pflegekraft Angelique Kummer

Eine Stunde mit Aktivistin und Oma gegen Rechts Monika Stiel

Eine Stunde mit dem Kontaktbeamten der Polizei, Guido Parbs

Eine Stunde mit Erzieherin Sherin Hussein, die aus Syrien nach Garbsen kam

Drei Hausmeister arbeiten an Garbsens größter der Schule, der IGS Garbsen. Wir haben Andrej Baer eine Stunde lang begleitet und erfahren, wie abwechslungsreich der Beruf ist.

Von Gerko Naumann

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