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Garbsen Eine Stunde mit Jürgen und Heike vom Hof Hornbostel in Stelingen
Aus der Region Region Hannover Garbsen Eine Stunde mit Jürgen und Heike vom Hof Hornbostel in Stelingen
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18:26 12.07.2019
„Lange Urlaub machen können wir nicht“: Heike und Jürgen Hornbostel mit Hündin Holly vor ihrem Hofladen in Stelingen. Quelle: Linda Tonn
Stelingen

 Ein Schild weist den Weg zum Hof von Heike und Jürgen Hornbostel in Stelingen. Links um die Ecke geht es zum Hof mit Hofladen: „Frische direkt vom Bauern, geöffnet am Donnerstag, Freitag und Sonnabend“. Ein wenig weiter ragen schon die Sonnenblumen aus einem liebevoll angelegten bunten Blumenfeld zum Selbstschneiden – und dann ist da auch schon Holly, ein neunjähriger Schweizer Sennenhund. Zur Begrüßung stupst sie einem neugierig die nasse Schnauze in die Kniekehle. „Für Kinder, die in den Hofladen kommen, ist das immer besonders toll, wenn Holly angelaufen kommt“, sagt Heike Hornbostel. Es ist 9 Uhr morgens und sie gießt die Blumen. Dieses Jahr ist es wieder besonders trocken.

Für den Besucher ist der Hof am äußeren Rad von Stelingen mit seinen alten roten Backsteingebäuden, an denen Efeu emporklettert, mit den Pferdewiesen und jahrhundertealten Bäumen ein Landidyll – für die Hornbostels ist er Heimat und Arbeitsplatz. Jürgen Hornbostel ist auf dem Hof aufgewachsen, seine Frau Heike kam 1986 nach Garbsen. Mittlerweile sind die drei Kinder aus dem Haus, die Arbeit auf den Feldern, der Blumenwiese, an den Streuobstbäumen und im Hofladen erledigen die beiden weitestgehend allein.

An diesem Mittwoch ist es noch ruhig auf dem Hof: „Der Hofladen hat heute zu, dafür gibt es andere Dinge zu tun und vorzubereiten“, sagt Heike Hornbostel. Der kleine Laden hinter den schweren rot lackierten Hoftüren ist ihr Reich. Dreimal in der Woche steht sie hinter dem Tresen und verkauft das, was die Saison so hergibt. Gerade sind die Fächer für Gemüse und Obst leer, auch im Kühlregal liegt noch kein Fleisch. Dafür summt die große Kühltruhe, in der gefrorene Erdbeeren, ganze Hähnchen, Würstchen und Koteletts lagern.

Saisonales Sortiment

Die Erdbeermarmelade im Regal hat Heike Hornbostel selbst gemacht, in kleinen Mengen baut sie auch Gemüse an – vieles kommt vom Großmarkt oder aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Im Frühjahr und Herbst werden auf dem Hof rund 90 Hähnchen für den Verkauf großgezogen. „Ich verkaufe die Tiere komplett, nicht zerlegt“, sagt die Landwirtin. „Das mögen manche schwierig finden, aber für mich ist das ganze Tier gestorben.“ Hornbostel ist nicht nur Verkäuferin in dem Laden, sondern gibt auch Tipps für die Zubereitung. Ihr Sortiment ist regional und auch saisonal. Das sei eine bewusste Entscheidung, sagt die 54-Jährige. „Man muss sich mit dem Essen beschäftigen und akzeptieren, dass es nicht jedes Gemüse das ganze Jahr über gibt.“

Serie: „Eine Stunde mit ...“

Ob Eisverkäufer, Geflüchteter, Künstleragentin, Landwirt oder Pastorin: In unserer Sommerserie „Eine Stunde mit ...“ wollen wir die Garbsener zum Gespräch treffen, sie kennenlernen und ihre Geschichten erzählen. Wir treffen Menschen in ihrem beruflichen Umfeld und zu Hause, wollen herausfinden, wie sie leben, was sie machen und was sie an der Stadt mögen. Unsere Reporter sind den ganzen Sommer lang unterwegs, um eine interessante, aufschlussreiche und spannende Stunde mit Ihnen zu verbringen. ton

Viele Stammkunden finden den Weg zum Hofladen am Rand von Stelingen. Wie viele es genau sind, weiß Hornbostel nicht. „Wir sind ein kleiner Laden“, sagt sie. Manche würden hauptsächlich Eier und Kartoffeln kaufen. Unter die älteren Kunden, die schon viele Jahre kommen, mischen sich auch immer mehr jüngere Familien: „Das ist eine schöne Entwicklung“, findet Hornbostel. „Und die kaufen jetzt sogar wieder Dosenwurst. Die war lange echt verpönt.“

Redakteurin Linda Tonn (links) hat Heike Hornbostel auf ihrem Hof in Stelingen besucht und sich auch das Blumenfeld angeschaut. Quelle: Linda Tonn

Dass ihr der kleine Laden – genauso wie ihr buntes Blumenfeld – sehr am Herzen liegen, spürt man, wenn sie erzählt und durch die Räume geht. Doch in die Erzählungen der fröhlichen Stelingerin mischen sich auch immer wieder Unverständnis und ein wenig Frust – über die Menschen, die glauben, der Hof sei rund um die Uhr geöffnet, über die, die plötzlich mitten in ihrer Küche stehen, über die, die über Preise diskutieren und diejenigen, die Plastikscheiben statt Münzen in die Kasse des Blumenfeldes werfen. „Ich versuche, viel möglich zu machen, und komme den Menschen entgegen“, sagt Heike Hornbostel. Aber die Arbeit, die sie mache, habe ihren Preis.

Wenig Zeit für Urlaub

Lange Urlaub machen kann das Ehepaar Hornbostel nicht, gerade waren sie ein paar Tage wandern. „Ich habe zum ersten Mal überhaupt meinen Hofladen geschlossen, weil weder die Kinder noch eine Mitarbeiterin einspringen konnte“, sagt Hornbostel. Ausfallen kann auch Ehemann Jürgen derzeit nicht. Neben der Getreideernte macht ihm die erneute Trockenheit zu schaffen. „Das Korn wird in diesem Jahr sehr klein sein“, vermutet er. 50 Hektar Ackerland gehören zum Hof. „Manchen Feldern geht es aufgrund ihrer Lage und des Bodens besser“, sagt er. „Der Roggen steckt das Wetter ganz gut weg.“ Trotzdem wünsche man sich derzeit mehr Regen. Und dann muss er auch schon wieder los aufs Feld.

Zum Abschied vom Hof hoppelt ein Feldhase über den Weg. Und wieder trifft das Idyll auf die harte Realität. Denn nach einem kurzen Entzücken muss Heike Hornbostel einmal kräftig fluchen: Der Hase hat sich genüsslich über den frischen Mangold im Blumenfeld hergemacht.

„Mehr Verständnis für die Landwirte“

Wir leben in Garbsen seit ...

... Jürgen ist hier geboren, Heike ist 1968 hier hergezogen.

Wir mögen an Garbsen und an unserem Hof ...

... die Nähe zur Stadt Hannover, aber auch das enge Zusammensein mit den Menschen in Vereinen, wie dem Schützenverein. Kinder haben in Stelingen fast alles, was sie brauchen: Sie können zum Sportverein oder zur Musikschule gehen und den Wer zu Schule mit dem Fahrrad bewältigen.

Das könnte man verbessern ...

... es muss dringend eine Einigung für die Umgehungsstraße um Stelingen her, außerdem müssten Straßen wie die Berenbosteler Straße viel fahrradfreundlicher sein. Für uns Landwirte wünschen wir mehr Verständnis und ein besseres Miteinander. Ja, der Mähdrescher ist breit, laut und langsam auf der Straße. Aber wir brauchen ihn.

Von Linda Tonn

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