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Garbsen Hunderte feiern bei Iftar-Empfang das Fastenbrechen
Aus der Region Region Hannover Garbsen Hunderte feiern bei Iftar-Empfang das Fastenbrechen
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00:18 28.05.2019
Hunderte Garbsener kommen zum Iftar-Empfang in die Aula des Schulzentrums am Planetenring. Quelle: Jutta Grätz
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Auf der Horst

 Ramadan – das ist für rund eine Milliarde Muslime weltweit die Zeit der Entsagung und Besinnung. Für rund vier Wochen verzichten sie von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang auf Nahrung, Wasser und Genussmittel. Erst beim abendlichen Mahl des Iftar gilt es, das Fasten zu brechen. Mehr als 500 Garbsener Muslime und ihre Gäste haben beim Empfang am Freitagabend das Ritual gemeinsam zelebriert – und damit in der Aula des Schulzentrums am Planetenring ein eindrucksvolles Zeichen für ein friedliches Miteinander der Kulturen gesetzt. Zu dem festlichen Programm unter dem Motto „Iftar unter Nachbarn“ hatten die Islamische Gemeinschaft Milli Görüş Garbsen (IGMG) und die Stadt Garbsen bereits zum fünften Mal gemeinsam eingeladen.

Mehr als 500 Gäste – damit hatten die Organisatoren nicht gerechnet, denn erstmals seit 2015 fehlten Mitglieder der zweiten islamischen Gemeinde in Garbsen, der Ditib – wegen organisatorischer Gründe, wie es bei den Veranstaltern hieß. Die Helfer schleppten Stuhl um Stuhl in die Aula, als der Vorsitzende der IGMG in Garbsen, Veysel Yilmaz Ekinci, die Besucher begrüßte. „Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz“, sagte Ekinci vor den Flaggen der Stadt, der IGMG, der Türkei und Deutschlands. Die IGMG Garbsen zählt rund 250 Mitglieder.

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Raum für Begegnung

Der Iftar-Empfang bot viel Raum für Begegnung, denn unter den Gäste waren auch Vertreter der christlichen Gemeinden in Garbsen, des Integrationsbeirates, der Stadtverwaltung und Ratsmitglieder. Für den Vorsitzenden der Italienischen Gemeinde, Guiliano Micheli, war das Fastenbrechen ebenso eine Premiere wie für den Schloß Ricklinger Franz Wollny. „So kann man die muslimische Kultur besser kennen lernen und verstehen“, sagte Micheli. Wollny, mit 86 Jahren kürzlich zum Vorsitzenden der Turngemeinschaft Schloß Ricklingen gewählt, saß neben Spartenleiter Fitness Kamil Yerlikaya. „Er hat uns eingeladen“, sagte Wollny. „Klar, dass ich zugesagt habe.“

Das Fasten sei eine Art des Gottesdienstes, erklärte die IGMG. Es sei eine der fünf Säulen des Islam, zu denen auch die täglichen fünf Gebete und die Wallfahrt nach Mekka gehören. „Es geht um Selbstbeherrschung und Verzicht, das Fasten schafft Platz für Reflexion und neue Vorsätze“, sagt er. „Und sensibilisiert für die Barmherzigkeit gegenüber Bedürftigen und Schwachen.“ Zuletzt um drei Uhr nachts hatten die Muslime gegessen. Und zum Sonnenuntergang um genau 21.23 Uhr wurde ihnen das Menü serviert: mit fein pürierter Linsensuppe, Salat, Rindergulasch mit Reis und vorweg einer Dattel – dem Symbol für das Fastenbrechen.

Wichtiger Beitrag zur Verständigung

„Begegnungen wie diese sind überaus wichtig“, betonte Davut Toglu, Vorsitzender des IGMG-Regionalverbands. „Nur so können gegenseitige Ängste und Vorurteile abgebaut werden.“ Für Garbsens Bürgermeister Christian Grahl ist der Dialog der Kulturen und Religionen in Garbsen beispielhaft. „Wir können weltweite Konflikte aus einem falsch verstandenen Religionsverständnis nicht lösen“, sagte er . „Aber wir leisten hier einen wichtigen Beitrag zur Verständigung.“

Von Jutta Grätz