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Garbsen Der Horster Pastor Wolfgang Dressel geht in den Ruhestand
Aus der Region Region Hannover Garbsen Der Horster Pastor Wolfgang Dressel geht in den Ruhestand
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16:09 09.10.2019
Wolfgang Dressel ist seit fast 30 Jahren Pastor der Kirchengemeinde Frielingen-Horst-Meyenfeld. Ende November geht der 68-Jährige in den Ruhestand. Quelle: Jutta Grätz
Horst

Wolfgang Dressel blättert im Buch „Schreib das auf“ des Evangelischen Flüchtlingsnetzwerks „Willkommen“. Ehrenamtliche, die Flüchtlingen begleiten, haben hier ihre Geschichten aufgeschrieben. „Von diesen Texten sollen bei meinen nächsten Atempausen-Gottesdienst einige zu hören sein“, wünscht sich Dressel und nippt an seinem Kaffee. Der Gottesdienst am Sonntag, 27. Oktober, wird der letzte der „Atempausen“ sein, die der Pastor der Kirchengemeinde Frielingen-Horst-Meyenfeld gestaltet, diesmal mit Flüchtlingskoordinatorin Rebekka Hinze. Der 68-Jährige geht Ende November in den Ruhestand. Seit 1990 und damit fast 30 Jahre lang war Dressel das Gesicht der Gemeinde.

„Die Menschen sollen fröhlicher nach Hause gehen“

Dieser letzte Atempausen-Gottesdienst solle aber keine Lesung sein, betont der Pastor, sondern ein Gottesdienst, bei dem auch die Musik eine wichtige Rolle spielt. „Musik im Gottesdienst macht so viel“, meint Dressel. Mit den „Atempausen“ hat er Akzente gesetzt: mit moderner Musik in den Gottesdiensten, gespielt von der Band Delight oder gesungen vom 1997 gegründeten Gospelchor Swinging Church. „Die Menschen sollen fröhlicher nach Hause gehen, als sie zum Gottesdienst gekommen sind“, sagt der Pastor, der selbst Gitarre und Klavier spielt. Wichtig sind ihm auch Predigten in verständlicher Sprache.

Fast 30 Jahre lang war Wolfgang Dressel Pastor der Kirchengemeinde Frielingen-Horst-Meyenfeld. Ende November geht der 68-Jährige in den Ruhestand. Wir haben Impressionen aus dieser zeit gesammelt.

Hoyaer Modell für den Konfirmandenunterricht

Neues zu gestalten, zieht sich wie ein roter Faden durch Dressels Arbeit: Bereits 1992 hat die Kirchengemeinde das sogenannte Hoyaer Modell für den Konfirmandenunterricht eingeführt. Den gestalten in Horst die Eltern. Alle paar Wochen treffen sie sich mit Dressel, um den Unterricht vorzubereiten. In kleinen Gruppen von fünf bis acht Kindern sprechen sie über biblische Geschichten, lernen Gebote und probieren unterschiedliche Gebetsformen. „Ich finde es toll, wenn Eltern sich so engagieren“, sagt er. Und die Kinder seien in diesem Alter so leicht zu begeistern – und sehr neugierig. „Wir besichtigen mit ihnen auch die Gruft und den Kirchturm“, berichtet Dressel.

Die Beteiligung von Eltern ist Dressel ebenso wichtig wie die Einbindung von Ehrenamtlichen. „Ich bin ein Teamplayer“, sagt er. „Die Gemeinde besteht nicht aus dem Pastor.“ Kirche, das sei Gemeinschaft. Daher hat Dressel auch nicht, wie viele seiner Kollegen, den Vorsitz im Kirchenvorstand inne, sondern Angelika Schiegel. Und auch die Gemeinde mit ihren aktuell mehr als 3000 Mitgliedern sei offen für neue Impulse. „So wie bei der Aktion der Glaubenslandschaften, bei der wir den Teppich vor dem Altar wegnahmen und stattdessen Sand davor aufschütteten“, erinnert er sich. „Ich wusste schnell, in dieser Gemeinde ist Neues möglich“, so Dressel. „Und die Gemeinde hat mich immer getragen.“

Zur Person

Wolfgang Dressel wurde 1951 im ostfriesischen Leer geboren. Nach seinem Studium des Bauingenieurwesens in Hannover arbeitete er eineinhalb Jahre am Institut für Wasserwirtschaft in der Landeshauptstadt. Im Alter von 28 Jahren begann er das Studium der Theologie an der Universität Göttingen. Sein Vikariat absolvierte er 1983 bis 1985 an der Friedenskirche in Hannover. Anschließend war er in seiner erste Pfarrstelle bis 1990 in den Gemeinden Woltorf und Schmedenstdt bei Peine tätig.

Seit August 1990 ist er Pastor der Garbsener Kirchengemeinde Frielingen-Horst-Meyenfeld. Berufsbegleitend hat er sich zum Gemeindeberater ausbilden lassen und begleitet seit 2005 Kirchengemeinden in Entwicklungsprozessen. Während seiner Zeit in Horst war er Mentor für elf Vikare. Seit 2017 hat er zu 50 Prozent übergemeindlich in Ronnenberg gearbeitet – als Vertretung und auf Weisung der Landeskirche. Dressel ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt auch nach seiner Entpflichtung in Horst. jgz

Neues wagen, Altes bewahren

Möglich wurden in seiner Amtszeit auch Konfirmandenfahrten nach Spiekeroog und der Mega-Mittagstisch freitags, zudem eine gut aufgestellte kirchliche Stiftung. Außerden ist die Horster Kirchengemeinde ein Nukleus der Garbsener Flüchtlingsarbeit. Dressel hat auch den Männerkreis gegründet. Inbesondere die jährlichen Segelfreizeiten seien ein besonderes Erlebnis, sagt Dressel. Seine brauen Augen leuchten. „Es sind der enge Raum des Schiffes, eine bescheidene Lebensweise, das gemeinsame Kochen, Reden, an den Seilen ziehen, die so beeindrucken – und vor allem die Stille und das Wasser.“

Neues wagen, aber auch Altes bewahren – auch dafür steht Dressels Tätigkeit. Zu seinen Lieblingsplätzen gehört der 42 Meter hohe Kirchturm, Garbsens höchstes Bauwerk. Er und seine Kollegin – und Nachfolgerin – Meret Köhne müssen die 148 Stufen über die schmale Stahlwendeltreppe regelmäßig erklimmen – wenn sie die weiß-lilafarbene christliche Fahne, die festliche Anlässe wie Hochzeiten und Konfirmationen ankündigt, durch das Eulenfenster in der Turmspitze stecken.

Der Lack ist ab: Die Horste Kirche muss innen renoviert werden, bevor die Orgel überholt werden kann. Pastor Wolfgang Dressel suchte "Herzen für die Kirche" . Holz Quelle: Markus Holz

Und damit auch die Öffentlichkeit den Blick – bei gutem Wetter bis zum Brocken – genießen kann, hat die Kirchengemeinde 1999 die Stahltreppe einbauen lassen. „Kauf einer Treppenstufe“ hieß die Initiative, bei der am Ende 80.000 D-Mark zusammen kamen. Untrennbar mit seinem Namen verknüpft sind auch ungewöhnliche Initiativen: So warben Dressel und Kirchenvorsteherin Schiegel an Heiligabend für den Wiedereintritt Ausgetretener – ein Aufruf zum Nachdenken. Nicht so erfolgreich wie erhofft sei indes die Aktion „Ein Herz für die Kirche“ für die Renovierung des Innenraums der Kirche gelaufen, so Dressel.

Dem Männerkreis bleibt er treu

Rund 1300 Beerdigungen, Hunderte Trauungen und Taufen, Openair-Gottesdienste – auch in Meyenfeld und Frielingen – liegen nun hinter Dressel. Und auch herausfordernde „Einsätze“ als Notfallseelsorger, etwa beim Busbrand auf der A2 mit 20 Toten. Vor ihm liegen einige Pläne. Dem Männerkreis bleibt er auch nach seinem Ruhestand treu. „Die Reise für 2020 ist schon geplant.“ Engagieren will er sich noch stärker im Verein für Erziehungs- und Lebensfragen und im Lions-Club Garbsen.

Ein wenig schwer werde ihm der Abschied schon fallen, sagt Dressel. „Es hat mir immer Spaß gemacht, sonst wäre ich nicht so lange geblieben.“ Die Gemeinde, werde sich daran gewöhnen müssen, dass er nicht mehr „der Pastor“ sei, sagt er lächelnd. „Und ich auch.“

Offizielle Entpflichtung am 1. Dezember

Dressels offizielle Entpflichtung wird am Sonntag, 1. Dezember, im Beisein von Superintendent Karl Ludwig Schmidt gefeiert. Beginn ist um 10 Uhr. Am Sonnabend, 7. Dezember, 14 Uhr, verabschiedet sich die Kirchengemeinde von ihren langjährigen Pastor mit einem Fest. Der letzte Gottesdienst in der Reihe Atempause am Sonntag, 27. Oktober, beginnt um 18 Uhr. jgz

Von Jutta Grätz

Er ist seit 1990 das Gesicht der Kirchengemeinde Frielingen-Horst-Meyenfeld: Wolfgang Dressel ist seit 30 Jahren Pastor in Garbsen-Horst. Ende November geht er in den Ruhestand. Ein Rück- und Ausblick.

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