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Garbsen So lief Kauroffs erstes Jahr im Landtag
Aus der Region Region Hannover Garbsen So lief Kauroffs erstes Jahr im Landtag
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15:11 19.11.2018
Er kämpft gegen den Fachkräftemangel und für das Ehrenamt: Seit einem Jahr sitzt Rüdiger Kauroff für die SPD im Landtag. Quelle: Gerko Naumann
Garbsen/Hannover

 Auf dem Weg durch den Landtag in den Plenarsaal muss Rüdiger Kauroff viele Hände schütteln. Quasi im Vorbeigehen beantwortet er hier eine Frage und gibt da einem Mitarbeiter eine freundliche Anweisung. Schnell fällt auf: Der Mann ist angekommen. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Kauroff das Direktmandat in seinem Wahlkreis – zu dem neben Garbsen auch die Wedemark gehört – etwas überraschend gegen seine CDU-Konkurrentin Editha Westmann gewonnen. Seitdem hat sich das Leben des damals 61-Jährigen noch einmal komplett geändert.

Mit 61 in den Landtag

„Ich habe 44 Jahre lang bei der Post gearbeitet. Dort saß ich jeden Tag acht bis zwölf Stunden lang am Schreibtisch“, erinnert sich der Sozialdemokrat. Jetzt sei sein Rhythmus völlig anders. Seine Zeit kann sich Kauroff viel freier einteilen, wenn nicht gerade Landtagsdebatten oder Fraktionssitzungen im Terminkalender stehen. Das nutzt er unter anderem für Gespräche mit Bürgern – zuletzt auch vermehrt auf Marktplätzen. „Einige haben mich schon verwundert gefragt, ob denn schon wieder Wahlkampf sei“, sagt Kauroff und lacht.

"Die große Koalition funktioniert geräuschlos": Seit einem Jahr sitzt Rüdiger Kauroff für die SPD im Landtag. Quelle: Gerko Naumann

Dabei hat der möglichst enge Kontakt zu den Bürgern durchaus einen ernsten Hintergrund. Kauroff will verhindern, dass die Politik an den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen vorbeiregiert. Einen Kritikpunkt an der SPD hört der Abgeordnete bei den Gesprächen immer wieder: „Viele Menschen nehmen uns die Einführung von Hartz IV noch übel.“ Kauroff selbst findet, dass die Gesetze längst hätten angepasst werden müssen, er versucht zu vermitteln. Vor allem aber hört er zu.

Auch auf diese Weise gerät er an Themen, für die er sich dann innerhalb der großen Fraktion einsetzt. Derzeit beschäftigt er sich mit der Förderung für junge Menschen, die eine Meisterprüfung im Handwerk ablegen wollen. Dafür ist im Haushalt des Landes noch kein Geld vorgesehen, das will der 62-Jährige ändern. „Wir brauchen jetzt ein Signal, dass die jungen Menschen auf die Mittel des Landes zählen können“, fordert Kauroff. Das sei ein wichtiger Schritt, um gegen den ohnehin schon gravierenden Fachkräftemangel anzugehen.

Mehr Rente fürs Ehrenamt?

Ein anderes Thema, das Kauroff sehr am Herzen liegt, sind die freiwilligen Feuerwehren im Land. Der 62-Jährige war selbst 18 Jahre lang Ortsbrandmeister der Feuerwehr Garbsen und ist nun feuerwehrpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag. Er kennt die von Politikern häufig benutzte Floskel, sie wollten „das Ehrenamt stärken“. Diesen Worten will Kauroff nun Taten folgen lassen. Seine Idee beschreibt er so: „Wenn sich jemand 30 Jahre ehrenamtlich für das Wohl anderer engagiert hat, soll sich das in der Rente niederschlagen.“ Kauroff kann sich vorstellen, dass das langjährige Ehrenamt mit einem halben oder ganzen Rentenpunkt belohnt wird – ähnlich wie bei Müttern, die Kinder groß gezogen haben.

Und wann will Kauroff selbst in Rente gehen? Wird er bei der nächsten Landtagswahl 2022 noch einmal antreten? Für eine Antwort ist es viel zu früh, findet der 62-Jährige. Ausschließen will er eine Kandidatur aber auch nicht: „Wenn die Gesundheit noch mitspielt und die Partei keinen Jüngeren aufstellen will, kann ich mir das schon vorstellen.“

Hass-Mail landet bei der Polizei

Als Landtagsabgeordneter steht Rüdiger Kauroff deutlich mehr in der Öffentlichkeit als früher. „Ich werde jetzt bei jedem Anlass persönlich begrüßt, die Ratspolitiker nur als Gruppe“, sagt er. Diese Aufmerksamkeit kann für einen Politiker durchaus von Vorteil sein. Schließlich sollen die Menschen aus seinem Wahlkreis wissen, an wen sie sich wenden können. Es gibt aber auch negative Seiten, weil einige offenbar ihren ganzen Frust an einer Person auslassen müssen.

Das hat Kauroff kürzlich zu spüren bekommen, als er ein Hass-Schreiben in seinem Mail-Ordner fand. Der Absender wirft ihm erst vor, nichts in seinem Wahlkreis zu bewirken. Später wird er eindeutig beleidigend, spricht von „korruptem Handeln“, bezeichnet Politiker als „verlogenes Gesocks“ und „Spinner“. Kauroff hat auf die E-Mail nicht geantwortet und stattdessen Anzeige bei der Polizei erstattet, die nun wegen Beleidigung und Übler Nachrede ermittelt.

Dabei geht es dem 62-Jährigen nicht nur um seinen konkreten Fall. Er hat festgestellt, dass der Umgangston in vielen Bereichen deutlich härter geworden ist. „Auch Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter im Einsatz haben damit zu kämpfen. Und auch Journalisten“, sagt der Sozialdemokrat. Sein Mittel dagegen: Er will auch mit unzufriedenen Menschen das Gespräch suchen – zumindest „solange das noch auf einer sachlichen Ebene möglich ist“.

Von Gerko Naumann

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