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Garbsen Stelinger fordern mehr Sicherheit auf den Straßen
Aus der Region Region Hannover Garbsen Stelinger fordern mehr Sicherheit auf den Straßen
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00:20 20.08.2018
An der Bushaltestelle für die Grundschule entstehen täglich brenzlige Situationen. Quelle: Linda Tonn
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Stelingen

Wie sehr der Verkehr die Stelinger umtreibt, wird am Donnerstagabend um kurz vor 19 Uhr deutlich: Im Saal der Sporthofs werden die Stühle knapp. Rund 130 Personen sind gekommen, um über Raser, Lärm, Lkw und Gefahren für Fußgänger zu sprechen. „Die Heitlinger Straße ist eine Rennstrecke“, sagt ein Anwohner. „Wenn man an der Engelbosteler Straße die Straßenseite wechseln will, muss man rennen“, schildert eine junge Mutter. Schon im vergangenen Jahr war der Verkehr das bestimmende Thema, als Bürgermeister Christian Grahl bei der Reihe „Bürgermeister vor Ort“ Station in Stelingen machte.

Sorge wegen Amazon

Viel sei seitdem nicht passiert, sagt Anwohnerin Jutta Grätz. Daher hat sie gemeinsam mit den Stelinger Nachbarn Marianne und Holger Jürries, Manuela und Thomas Wallat sowie Julia und Thorsten Matyssek zu der Versammlung eingeladen: „Wir wollen wissen, wo es aktuell hakt.“ Die Anwohner wollen brisante Situationen zusammentragen und für die Politik vor allem das Signal setzen: „Amazon betrifft auch uns im Osten von Garbsen.“ Die Ansiedlung des Sortierzentrums und die Aussicht auf täglich 300 bis 500 Lkw, die zusätzlich auf Garbsens Straßen rollen, bereitet nicht nur den Bürgern in Schloß Ricklingen und Altgarbsen, sondern auch den Stelingern große Sorge. Staut sich der Verkehr auf der A2, reihen sich schon jetzt auf der Engelbosteler Straße und der Leinestraße Lastwagen und Autos.

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"Wir wollen wissen, wo es hakt": Jutta Grätz (links) und Holger Jürries haben gemeinsam mit weiteren Anwohnern zu der Versammlung eingeladen. Quelle: Linda Tonn

Tempo 30 ausweiten

Nicht nur der Lärm sei problematisch. „Wir sorgen uns vor allem um die Sicherheit der Kinder“, sagt Grätz. Rund um die Grundschule sei es besonders gefährlich. Schon länger fordert die SPD eine Verlängerung der Tempo-30-Zone im Bereich der Schule. Statt auf 90 Metern sollen die Autofahrer auf 300 Metern vom Gas gehen. „Man könnte die Zone eigentlich auch auf die gesamte Durchfahrt von Stelingen ausweiten“, sagt SPD- Ratsherr Jens Göttner.

Grundsätzlich könne man Tempo-30-Zonen lediglich in reinen Anlieger- und Erschließungsstraßen einrichten, heißt es dazu in einer Antwort von der Stadt. Die Engelbosteler Straße sei aber eine Hauptverkehrs- und Vorfahrtsstraße. Im sensiblen Schulbereich werde die Verwaltung gemeinsam mit der Polizei und Schulleitung prüfen, ob die vorhandene Geschwindigkeitsbeschränkung entsprechend der Vorgaben der Straßenverkehrsordnung auf bis zu 300 Meter ausgeweitet werden kann.

Ortsräte suchen nach Lösungen

„Wir werden Ihre Anliegen mit in die Gremien nehmen“, versprach Volker Andermann (SPD), Mitglied des Ortsrats Berenbostel. Und auch Heinrich Dannenbrink, der Fraktionsvorsitzende der CDU/FDP-Gruppe im Rat, sicherte den rund 130 Stelingern zu, nicht untätig zu sein. Am Dienstag, 21. August, kommt der Ortsrat Berenbostel um 18 Uhr im Globotel in der Porschestraße 8 zusammen. Dann sollen auch die Ausweitung der Tempo-30-Zone in Stelingen und Lösungen für den Lückenschluss der L382 zwischen Berenbostel und Engelbostel diskutiert werden. „Wir hoffen, dass es uns mit unseren Anträgen gelingt, Teile der Verkehrs auf die B6 und aus den Dörfern heraus zu lenken“, sagte Ratsherr Jens Göttner. Bürger können an der öffentlichen Sitzung teilnehmen und ihre Fragen stellen. Das sei wichtig, mahnte auch Grünen-Politiker Dirk Grahn an: „Wir können uns die Finger wund schreiben und Anträge stellen. Letztlich geht es aber um die Bürger und ihre Interessen. Die sollten sie auch kommunizieren.“ ton

Geringe gesetzliche Spielräume

Viele Stelinger fordern zudem ein Durchfahrtverbot für Lkw. Auch die CDU/FDP-Gruppe im Rat hat die Verwaltung gebeten, zu prüfen, ob ein solches durch den Ort rechtlich möglich ist. Björn Giesler (CDU) dämpft die Erwartung: „Natürlich wollen wir alle eine Beruhigung der Straßen. Allerdings lassen uns viele gesetzliche Bestimmungen nur geringe Spielräume.“ Was auf Kreis- und Landesstraßen möglich sei, orientiere sich am Landes- oder Bundesrecht.

Dass sie die Politik weiter auf Probleme aufmerksam machen wollen, steht für die Stelinger fest. „Bevor wir eine Interessengemeinschaft gründen, warten wir die Sitzungen von Ortsrat, Umweltausschuss und Rat und die politischen Entwicklungen zur L382 ab“, sagt Grätz. Im November wolle man wieder zusammenkommen.

Von Linda Tonn