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Garbsen Tag der Nachbarn: Familien aus Berenbostel organisieren ein Fest
Aus der Region Region Hannover Garbsen Tag der Nachbarn: Familien aus Berenbostel organisieren ein Fest
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20:00 23.05.2019
„Eine ganz besondere Gemeinschaft“: Günther Glaß und Marion Stiel feiern gemeinsam mit ihren Nachbarn ein Straßenfest. Quelle: Linda Tonn
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Berenbostel

Wenn Günther Glaß von seinen Nachbarn erzählt, passiert es ihm oft, dass die Gesprächspartner ungläubig den Kopf schütteln. „Viele können nicht glauben, dass es so etwas noch gibt“, sagt der 71-Jährige. Seit mehr als 30 Jahren bewohnt er gemeinsam mit seiner Frau ein Reihenhaus in der Rehbockstraße in Berenbostel. In zwei Reihen mit jeweils vier Häusern leben die Menschen Wand an Wand, sie teilen den Weg zur Haustür, die Gärten grenzen aneinander. „Die Gemeinschaft ist hier einfach besonders“, sagt Glaß’ Ehefrau Marion Stiel. „Man muss noch nicht einmal etwas sagen und bekommt direkt Hilfe angeboten.“ Der Tag der Nachbarn am 24. Mai scheint wie gemacht für die rund 20 Berenbosteler. In diesem Jahr stellen sie zum ersten Mal ein Straßenfest auf die Beine – um das gute Zusammenleben zu feiern. Vor knapp drei Wochen haben sich die acht Parteien zusammengesetzt und das Fest geplant. Am Freitagnachmittag wollen sie gemeinsam grillen – es werden Zelt und Biertische aufgebaut, Marion Stiel macht Zaziki, die Nachbarin von Gegenüber Nudelsalat. „Und der jüngste und kräftigste Mann muss das Bier besorgen“, sagt Glaß.

Nachbarn sind ein Geschenk

Der jährlich stattfindende europäische Nachbarschaftstag ist eine Initiative zur Förderung von Solidarität und einem besseren Zusammenleben in den Städten. Auch in der Region Hannover werden in vielen Stadtteilen und Nachbarschaften Veranstaltungen angeboten, auf Plattformen im Internet können sich Nachbarn zu kleinen privaten Parties verabreden. Für das Berenbosteler Ehepaar sind die Menschen, mit denen sie Tür an Tür wohnen, ein großes Geschenk. Sie waren da, als der 71-jährige Glaß nach Herz-OP und Problemen mit der Bandscheibe die Getränkekästen nicht mehr tragen konnte. „Meldet euch zu jeder Zeit“ – das haben sie gesagt. In den acht Reihenhäusern lebt die Großfamilie neben der alleinerziehenden Mutter, dem Witwer und der alleinstehenden Rentnerin. Es sind Menschen aus Jordanien, mit russischem Hintergrund und Deutsche. Die Altersspanne reicht von eins bis 98. „Wir sind ganz gemischt, aber es funktioniert“, sagt Stiel.

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Wie lebt es sich in Ihrer Nachbarschaft?

Nachbar ist nicht immer gleich Nachbar. Es gibt die Menschen, die auf Ruhezeiten pochen, Falschparker ermahnen und die Länge des Rasens kritisieren. Aber es gibt auch die, die im Urlaub die Blumen gießen, an Weihnachten Plätzchen vor die Haustür legen und im Sommer zum Grillen einladen. Wie lebt es sich in Ihrer Nachbarschaft? Erzählen Sie uns von den Menschen, mit denen Sie Tür an Tür oder Garten an Garten wohnen. Wir suchen die Geschichten aus den Stadtteilen. Melden Sie sich in der Redaktion unter Telefon (0 51 31) 46 72 18, per E-Mail an garbsen@haz.de, oder schreiben Sie uns auf Facebook an HAZ Garbsen.

20 Personen feiern zusammen

Statt 30 Euro für ein Taxi zum Flughafen zahlen zu müssen, gebe es immer jemanden, der eine Fahrt anbiete, sagt Glaß. Als sein Auto einmal kaputt war, habe er vom Nachbarn, der im Autohaus arbeitet, Rat, Reparatur und einen Ersatzwagen bekommen. Streit ums Kehren oder Schneeschippen, gebe es nicht. Das sei nicht selbstverständlich, meint er. „Wir schauen einander aber nicht permanent in den Kochtopf“, betont Marion Stiel. Es gebe auch Zeiten, in denen sich die Nachbarn nur alle paar Wochen sähen – aber auch das sei in Ordnung. Doch gerade im Sommer seien viele draußen im Garten, dann treffe man sich auf ein Bier oder ein Gespräch. Oft riefen dann die Nachbarskinder: „Günther, darf ich dich besuchen?“ und klettern über den Zaun hinweg in den Garten. „Das ist auch immer schön für uns“, meint die 74-Jährige, die selbst drei Enkel hat. Sie hofft, dass für das Fest am Freitag das Wetter hält. Rund 20 Personen werden zusammenkommen und feiern, eine Nachbarin habe extra für das Fest einen Lehrgang verschoben, berichtet Glaß. „Weil sie unbedingt dabei sein wollte.“

Von Linda Tonn