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Garbsen Unbekannte beschädigen Fledermaus-Quartier in Garbsener Schweiz
Aus der Region Region Hannover Garbsen Unbekannte beschädigen Fledermaus-Quartier in Garbsener Schweiz
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14:11 19.11.2019
Setzen das beschädigte Fledermausquartier wieder instand: Dagmar Strube (rechts) und Eckhard Albrecht vom Garbsener Nabu. Quelle: Jutta Grätz
Altgarbsen

Das Vorhängeschloss ist aufgebrochen, der schwere Steindeckel entfernt, leere Bierflaschen und Glasscherben liegen achtlos herum: Unbekannte haben das Fledermaus-Winterquartier im Naherholungsgebiet Garbsener Schweiz beschädigt. Der steinerne Bau, Teil einer ehemaligen Kläranlage, dient seit 2013 als Unterschlupf für die unter Naturschutz stehenden Tiere.

„Das ist der mittlerweile vierte Fall von Vandalismus an diesem Quartier in diesem Jahr“, berichtet Dagmar Strube, ehrenamtliche Fledermausbetreuerin des Garbsener Naturschutzbundes (Nabu). Eine Spaziergängerin hatte das beschädigte Winterquartier vor Kurzem entdeckt und umgehend den Nabu informiert. „Die Beschädigung ist keine Bagatelle – das ist ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz“, betont Strube.

Weil sowohl die Tiere als auch ihre Schlafplätze geschützt sind, kann das Vernichten von Fledermausquartieren Angaben der Kreisgeschäftsstelle Region Hannover des BUND zufolge Bußgelder von bis zu 50.000 Euro nach sich ziehen.

Tiere können überwintern

Die nachtaktiven Tiere halten von November bis März ihren Winterschlaf. Das Quartier biete den Tieren optimale Bedingungen zu überwintern, sagt Strube: Der Steinbau sei zur Hälfte in die Erde gebaut, mit Temperaturen von null bis zehn Grad Celsius frostfrei und weise eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 90 Prozent auf. Zudem seien die Tiere dort ungestört. Lärm könne die fliegenden Säuger stören und vertreiben, sagt Strube.

Diesmal hatten die Unbekannten unter anderem den Deckel des Winterquartiers ins Gebüsch geworfen. „Dadurch konnte sehr kalte Luft in den Raum eindringen – und im schlimmsten Fall sterben die Fledermäuse“, so Strube. Bislang konnten die Naturschützer allerdings keine toten Tiere finden.

Das heutige Winterquartier für Fledermäuse ist teil einer ehemaligen Kläranlage. Im Inneren ist die Fledermausart Braunes Langohr nachgewiesen. Quelle: Jutta Grätz

Regelmäßig kontrollieren Strube und ihre Mitstreiter vom Nabu die Quartiere im Stadtgebiet, darunter den Ringofen im Stadtpark und die Gruft an der Horster Kirche. Im Winterquartier in der Garbsener Schweiz haben sie Exemplare der Art „Braunes Langohr“ gesichtet.

Helfer leisten hunderte Arbeitsstunden

Der Nabu hat 2013 die Ruine in der Nähe des Blauen See als Quartier für die Fledermäuse hergerichtet. Einige hundert Stunden Arbeit haben die Mitglieder investiert, denn der Bau glich einer kleinen Müllkippe. „Wir haben nicht nur Flaschen und Essensreste aus dem kleinen Raum entsorgt, sondern auch Autoreifen“, berichtet Eckhard Albrecht vom Fledermausschutz des Garbsener Nabu.

Die Helfer haben nach der Entrümpelung Einflugschlitze angelegt und sogenannte Hohlblocksteine angebracht, in denen die Tiere überwintern können. Auch Jugendliche aus Garbsen hatten dafür mit angepackt.

Nabu bittet um Hinweise von Zeugen

Bereits nach den Vandalismus-Fällen im Sommer hatten die Ehrenamtlichen das Quartier wiederholt instandgesetzt. „Unsere Geduld ist jetzt zu Ende“, sagt Strube. „Wir gehen jetzt erstmals mit unseren Informationen an die Öffentlichkeit, beim nächsten Mal erstatten wir Anzeige.“

Zudem will der Nabu eine Wildkamera installieren lassen. „Wir sind froh, dass die Fledermäuse den Raum als Winterquartier akzeptiert haben“, sagt Strube. Fledermausschutz in Garbsen sei nicht einfach: „Wir haben keine Höhlen oder Bergwerksstollen.“ Deshalb müssten künstliche Quartiere aufwendig angelegt werden. Und der Bau diene auch Amphibien und anderen schützenswerten Tieren als Rückzugsraum und Winterquartier.

Der Garbsener Nabu bittet mögliche Zeugen der Beschädigung um Hinweise. Informationen nimmt Strube unter Telefon (05131) 92750 entgegen.

Unbekannte haben das Fledermausquartier in der Garbsener Schweiz beschädigt. Sie haben unter anderem den Deckel zu dem Steinbau aufgebrochen, in dem die nachtaktiven Tiere überwintern.

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Von Jutta Grätz

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