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Garbsen „Illegaler Bau“: Seniorenpaar aus Garbsen muss „Lieblingsort“ abreißen
Aus der Region Region Hannover Garbsen „Illegaler Bau“: Seniorenpaar aus Garbsen muss „Lieblingsort“ abreißen
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12:58 06.12.2019
"Das ist unser Lieblingsort": Ute und Wilhelm Sievert sitzen in dem Unterstand, den die Stadt als "illegalen Bau" einstuft. Quelle: Gerko Naumann
Altgarbsen

Ute Sievert (65) und ihr Mann Wilhelm (91) sind verzweifelt. Seit fast einem Jahr schreiben sich das Paar und die Stadtverwaltung Briefe, die mittlerweile einen ganzen Ordner füllen. Dabei geht es um einen Schuppen im Garten ihres Hauses in Altgarbsen. Der ist nämlich zu lang, und er steht zu nah am Nachbargrundstück. Oder wie es im blitzsauberen Verwaltungsdeutsch heißt: Es liegt eine „erhebliche Überschreitung der zulässigen Grenzbebauung“ vor.

Dieses Foto von 1963 zeigt: Der Anbau - im Bild rechts - stand damals schon. Quelle: Gerko Naumann

Deshalb droht dem Paar jetzt die Abrissverfügung. „Die ganze Geschichte ist doch lachhaft“, sagt Wilhelm Sievert und schüttelt mit dem Kopf. Schließlich habe er das Haus schon 1962 gebaut und genauso lange gibt es auch den Anbau schon. Ein Schwarz-Weiß-Foto aus dem frühen Sechzigerjahren beweist das. Aber zum Lachen ist vor allem seiner Frau schon lange nicht mehr: „Ich habe fast nur noch schlaflose Nächte“, sagt Ute Sievert. Das Paar habe sogar schon darüber nachgedacht, das ganze Grundstück zu verkaufen und aus Garbsen wegzuziehen. Papiere darüber, ob der Anbau damals genehmigt worden ist, hat sie nicht mehr gefunden.

Abriss nach fast 60 Jahren?

Und so hat die Stadt dem Ehepaar im bislang letzten Brief mitgeteilt, dass der Schuppen „zurückgebaut“ werden muss. Zu Deutsch: Familie Sievert muss den Bau nach fast 60 Jahren auf eigene Kosten abreißen lassen. Eine Vorstellung, die Ute Sievert kaum ertragen kann: „Es ist unser Lieblingsort. Im Sommer sitzen wir den ganzen Tag draußen und genießen unsere Ruhe“, sagt sie. „Wenn wir den Anbau abreißen müssten, wäre das ganz furchtbar für uns.“

Der Anbau ist der Lieblingsort des Ehepaares. Quelle: Gerko Naumann

Verhindern könnte das wohl nur noch die direkte Nachbarin. Die Frau, eine ältere Dame, hat zwar mitgeteilt, dass sie sich durch den Anbau in keiner Weise gestört fühlt. Aber ein schriftliches Einverständnis wolle sie nicht geben. „Und das reicht der Stadt nicht“, sagt Ute Sievert.

Stadt: „Nicht genehmigt“

Aus Sicht der Stadtverwaltung ist der Fall ohnehin eindeutig: „Es handelt sich um einen nicht genehmigten Bau“, sagt Garbsens Stadtsprecher Benjamin Irvin. Das haben Mitarbeiter der Bauverwaltung vor etwa einem Jahr auf Plänen entdeckt, als sie einen Bauantrag für ein Nachbargrundstück bearbeitet haben. „Die Bauverwaltung war in diesem Fall gesetzlich verpflichtet, tätig zu werden“, sagt Irvin.

Denn: Das Gesetz regele eindeutig, wie weit solche Anbauten von der Grenze zum Nachbargrundstück entfernt sein dürfen. Diese Entfernung sei im Fall des Schuppens nicht nur unerheblich, sondern deutlich um drei Meter unterschritten worden. Sinn der Regelung sei der Schutz der Interessen der jeweiligen Nachbarn. „Jeder Grundstückseigentümer muss sich daran halten“, sagt der Stadtsprecher.

So sieht der Anbau aus, der demnächst eventuell abgerissen wird. Quelle: Gerko Naumann

Keine Rücksicht auf das Alter

Vor dem Gesetz spiele es dabei keine Rolle, wie lange der nicht genehmigte Bau schon steht. So etwas wie Bestandsschutz gibt es nicht, sagt Irvin. Auch das Alter der Eheleute hat keinen Einfluss auf die Entscheidung: „Leider nimmt das öffentliche Baurecht keine Rücksicht auf den Gesundheitszustand oder das Alter von Bauherren.“ Bereits im April habe es ein ausführliches Beratungsgespräch zwischen Bauherren und der Bauverwaltung gegeben – bei dem auch eine Schwiegertochter der Betroffenen anwesend war.

Die einzige Möglichkeit, den Anbau im Nachhinein zu „legalisieren“, wäre die Eintragung einer sogenannten Baulast durch die direkten Nachbarn, erklärt Irvin. Dadurch erkläre sich der Nachbar mit dem Bauvorhaben einverstanden. Dies sichere die Rechte des Eigentümers. Eine solche Erklärung liege jedoch seit fast einem Jahr nicht vor. Die Konsequenz heißt jetzt: „Der Bau muss auf die genehmigte Länge zurückgebaut werden“, so Irvin.

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Von Gerko Naumann

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