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Garbsen Fachkräftemangel: Sind Migranten die Lösung für unsere Pflege?
Aus der Region Region Hannover Garbsen Fachkräftemangel: Sind Migranten die Lösung für unsere Pflege?
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15:11 13.09.2019
Über das Thema Pflege diskutieren beim Forum „ÜberMorgen“: Burkhardt Zieger (von links), Renate Kolb, Graziano Zampolin, Annegret Hesemann und Elena Reuschel. Rechts sitzt HAZ-Moderator Jan Sedelies. Quelle: Katrin Kutter
Auf der Horst

Der Mangel ist überall sichtbar: In Resse, wo der einzige Arzt im Dorf die Praxis schließt, im Krankenhaus, wo eine Pflegekraft mehr als zehn Patienten auf einmal versorgen muss. Doch was ist die Lösung für unser Gesundheitssystem – und das nicht nur heute, sondern auch morgen und übermorgen? Eine Antwort zu finden, das war am Donnerstag selbst mit Experten nicht leicht. Beim Forum der Reihe „ÜberMorgen“, veranstaltet von HAZ und Sparkasse Hannover, haben in der Aula am Planetenring fünf Vertreter aus den Bereichen Gesundheit und Pflege miteinander diskutiert.

Personal nicht aus dem Ausland abwerben

„Es gibt wohl keine Patentlösung“, sagt Graziano Zampolin, der als Mitbegründer des hannoverschen Vereins Klang und Leben Demenzkranken mit Musik wieder zu Erinnerung verhelfen will, nach rund 90 Minuten. Denn was nützen mehr Geld und Organisation, wenn Anerkennung und der Nachwuchs fehlen? Einfach schien in der teilweise sehr lebhaften Debatte nichts zu sein.

„Sollten Pflegekräfte aus dem Ausland rekrutiert werden?“, versucht Moderator Jan Sedelies eine Perspektive für den akuten Fachkräftemangel aufzuweisen. Annegret Hesemann, Pflegedirektorin im Kinderkrankenhaus Auf der Bult in Hannover, sieht das kritisch. „Wenn in anderen Ländern die Bedarfe an Pflegepersonal gedeckt wären, könnte man das versuchen. Aber wir dürfen das Personal nicht einfach abwerben.“

So war es beim Forum "ÜberMorgen" von der Sparkasse Hannover und der HAZ im Garbsen. Quelle: Katrin Kutter

Ähnlicher Meinung ist auch Burkhardt Zieger. Der Geschäftsführer des Regionalverbandes Nordwest des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe, sagt, man dürfe nicht in einem Mangel rekrutieren. „Wenn wir Menschen aus dem Ausland zu unseren Pflegekräften machen wollen, müssen wir sie hier in Deutschland ausbilden“, findet Renate Kolb, die bis 2008 als Hausärztin arbeitete und heute Auszubildende in der Altenpflege unterrichtet. Mit der Initiative „Resse sucht Arzt“ hat sie sich dafür eingesetzt, einen Allgemeinmediziner in den fast 2500 Einwohner großen Ort zu bringen. Mit Fachkräftemangel kennt sie sich aus.

Wie halten Sie sich künftig gesund? Das sagen die Besucher des „ÜberMorgen“-Forums von HAZ und Sparkasse Hannover in Garbsen.

„Anerkennung und Unterstützung sind wichtig“

Und dennoch: Der Beruf dürfe zum Beispiel nicht durch mangelnde Deutschkenntnisse abgewertet werden, sagt Kolb. „Wir können Menschen aus dem Ausland nicht einfach in unsere Krankenhäuser und Altenheime holen, ohne sie richtig zu integrieren.“ Ohnehin seien Anerkennung und Unterstützung derzeit wichtig wie nie, um überhaupt noch Menschen für den Beruf des Pflegers begeistern zu können. „Es liegt aber auch an uns, die Freude am Beruf weiterzugeben“, sagt Kolb. „Junge Menschen fragen dann trotzdem nach dem Gehalt und tun das zu Recht.“

Arbeitsbedingungen seien der Dreh- und Angelpunkt, sagt Fachkrankenpfleger Zieger. Dass wegen des Mangels derzeit Pfleger im Krankenhaus je nach Personallage ausgewechselt und sogar Menschen an ihren freien Tagen spontan eingesetzt würden, sei ein falsches Signal. „Wir vermitteln den Eindruck, dass Pflege eine beliebige Arbeit ist“, sagt er. Das sei falsch. „Was Pflegende leisten, ist bei Weitem nicht beliebig.“

Mehr Ausbildungsplätze gegen den Pflegenotstand

Für Hesemann sind Geld und mehr Ausbildungsplätze Möglichkeiten dem Mangel zu begegnen. „Ab dem kommenden Jahr bilden wir zweimal jährlich etwa 25 Bewerber zu Kinderkrankenpflegern aus“, sagt sie. Die Plätze seien gefragt. „Wenn ich dann zweimal im Jahr die Möglichkeit habe, Pfleger nach der abgeschlossenen Ausbildung zu übernehmen, ist das eine Investition in die Zukunft.“ Der Fachkräftemangel sei ihrer Meinung nach vorhersehbar gewesen. „Die Quittung, die wir jetzt bekommen, hat sich schon lange abgezeichnet.“

So war es beim Forum "ÜberMorgen" von der Sparkasse Hannover und der HAZ im Garbsen. Quelle: Katrin Kutter

Das Beispiel des Kinderkrankenhauses Auf der Bult zeigt allerdings auch, dass nicht überall ein Mangel an Bewerbern herrscht. „Gute Häuser kämpfen weniger mit offenen Stellen“, sagt Zampolin. Sie setzten sich aber auch für gute Arbeitsbedingungen ein. „Die Unternehmen, die sich etwas einfallen lassen, werden im Gesundheitssystem auch immer vorne sein.“

Kinder früh an Gesundheitsberufe heranführen

Ob man da schon in den Schulen anfangen müsse, fragt Sedelies. „Gesundheit ist in jedem Fall ein Querschnittsthema, dass in alle Bereiche einfließen muss“, findet Elena Reuschel. Sie ist Teil des Teams, das das Aktionsprogramm Bewegte, gesunde Schule koordiniert. Man könne Kinder schon früh an Gesundheitsberufe heranführen, sagt Reuschel, etwa durch Projektwochen oder eine regelmäßige Zusammenarbeit mit Pflegeheimen.

„Wir müssen viel vernetzter über das Thema diskutieren und nach Lösungen suchen“, fasst Kerstin Berghoff-Ising, Mitglied des Vorstands der Sparkasse Hannover, den Abend zusammen. Wenn das gelänge und wenn man Pflegenden die Wertschätzung gäbe, die sie verdienen, sei das Gesundheitssystem noch zu retten.

Auch das war „ÜberMorgen“ – in anderen Kommunen:

ÜberMorgen“ in Burgwedel: Debatte um Ärzteversorgung: Hängen wir zu sehr an kleinen Krankenhäusern?

ÜberMorgen“ in Hemmingen: Wie können Pflegeberufe attraktiver werden?

ÜberMorgen“ beim Turnklubb zu Hannover (TKH): Gesund bleiben – wie geht das?

ÜberMorgen“ im Clinical Research Center – Im Gesundheitssystem läuft nicht alles rund

Das ist das Projekt „ÜberMorgen“

Das Projekt „ÜberMorgen“ ist eine Ideen- und Diskussionsplattform von HAZ und Sparkasse Hannover. In der gedruckten HAZ, auf der Multimedia-Internetseite www.uebermorgen.haz.de und bei Veranstaltungen überall in der Region Hannover werden Informationen zu den wichtigsten Zukunftsfragen gesammelt. In diesem Jahr steht das Thema Gesundheit unter dem Aspekt Kosten im Fokus. Themenpartner ist erneut Hannoverimpuls. „Als Sparkasse sind wir seit fast 200 Jahren in der Region Hannover aktiv. Und genauso lange bewegen uns die Zukunftsfragen für das Umfeld, in dem wir arbeiten“, sagt Heinrich Jagau, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hannover. „Mit der Initiative ,ÜberMorgen‘ wollen wir helfen, gute Antworten in einer sehr komplex gewordenen Welt zu finden. Nicht irgendwo im Silicon Valley, sondern in unserer Region“, sagt Jagau.

Beim Forum der Reihe „ÜberMorgen“, veranstaltet von HAZ und Sparkasse Hannover, haben in der Aula am Planetenring in Garbsen Vertreter aus den Bereichen Gesundheit und Pflege miteinander diskutiert.

Von Linda Tonn

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