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Garbsen So war die Nacht des Maschinenbaus in Garbsen
Aus der Region Region Hannover Garbsen So war die Nacht des Maschinenbaus in Garbsen
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10:30 13.10.2019
Für die Nacht des Maschinenbaus ist der Campus illuminiert. Quelle: Ann-Christin Weber
Garbsen-Mitte

Gegen 19.30 Uhr bildet sich auf der Plaza des Campus Maschinenbau Garbsen (CMG) eine große Menschentraube. Zuschauer umringen eine kleine Rennstrecke. Das ist die Spielwiese des Teams Horsepower – Studenten, die jedes Jahr einen neuen Elektro-Rennwagen bauen und gegen internationale Konkurrenz antreten. Der Fahrer beschleunigt in etwas mehr als zwei Sekunden von Null auf 100 Stundenkilometer. Mit quietschenden Reifen legt sich der Wagen in die Kurve. Bei Start/Ziel stehen die Studenten Jakob Voigt und Jonas Heida. Sie erklären Besuchern die Technik ihres Formula-Student-Renners. Staunen.

Hubschrauber bauen in zwölf Minuten

Wenige Tage nach der Eröffnung des insgesamt 19 Hektar großen Campus hat die Fakultät Maschinenbau am Freitag Besucher hinter die Kulissen schauen lassen. Zur Nacht des Maschinenbaus kamen rund 3000 Gäste, sie informierten sich an 50 Ständen, Installationen und bei Experimenten. Den neunjährigen Timon zum Beispiel hat es ins Produktionstechnische Zentrum (PZH) verschlagen, wo alle Experimente aufgebaut sind. Er wagt sich – so wie viele andere Kinder – im Institut für Fabrikanlagen und Logistik (IFA) an die Hubschrauber-Challenge.

„Indem die Kinder Schritt für Schritt und nach Zeit einen Hubschrauber zusammensetzen, können sie spielerisch ein Gefühl dafür bekommen, wie wir Produktionsabläufe praktisch umsetzen und optimieren“, erklärt Sebastian Schneider vom IFA. Timon ist bei Schritt fünf angekommen. Nur noch die Propeller anschrauben, dann ist er fertig. „Zwölf Minuten ist meine Zeit“, sagt der Neunjährige stolz, „aber schade, dass ich den Hubschrauber nicht mitnehmen kann.“

Flaschenöffner mit Gravur

Wenige Meter weiter beim Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) stehen besonders viele Studenten Schlange. Vom 3D-Modell bis zum letzten Feinschliff kann hier beobachtet werden, wie ein Flaschenöffner produziert wird. Ein Laser graviert den Namen des Besuchers – und fertig ist das Souvenir.

Besucher dürfen das Modell einer Turbine steuern. Quelle: Ann-Christin Weber

Unter die Besucher mischen sich viele Garbsener, die die Nacht des Maschinenbaus nutzen, um einen ersten Blick in den neuen Campus zu werfen. „Meine Frau und ich haben die Bauzeit mitverfolgt und finden das alles sehr positiv. Der Campus macht einen sehr schönen Eindruck“, sagt Karsten Raffert aus Garbsen-Mitte. Betreten kann das Paar allerdings nur das Hörsaalgebäude, die Mensa und das Untergeschoss im Haus der Studierenden. Da elf Institute noch aus der Nordstadt umziehen müssen, ist ihr neues Territorium bisher leer und für die Nacht des Maschinenbaus geschlossen.

„Wir mussten auf blankem Holz sitzen“

Besucher nehmen das teils enttäuscht, teils sportlich auf. „Dann habe ich etwas, auf das ich mich im nächsten Jahr freuen kann“, sagt Erika Mehler. Der Baustil passe jedenfalls zum Maschinenbau. Besonders der Hörsaal hat es der Frielingerin angetan. „Die Studenten haben hier sogar gepolsterte Sitze. Wir mussten damals auf blankem Holz sitzen“, sagt sie lachend. Ebenso begeistert ist auch Gisela Soffner. „Ich hoffe einfach, dass sich die Studenten bei uns in Garbsen gut einleben“, sagt die 75-Jährige.

Genau das hat sich die Stadt Garbsen für die Wissenschaftsnacht zur Aufgabe gemacht. Beim Stand der Stadt heißt Sprecherin Christina Lange Studenten mit einem Jutebeutel voller Gutscheine für Unternehmungen in ganz Garbsen willkommen. Bereits gegen 22 Uhr haben die vielen studentischen Besucher den Jutebeutel mit dem Garbsen-Logo über der Schulter hängen. Das „Willkommen“ kommt an.

Mit dem ADFC für den Radschnellweg

Neben der Stadt präsentieren sich Garbsener Vereine und tauschen sich auf dem Campus-Gelände mit den Studenten aus. Am Stand des ADFC Garbsen/Seelze erfahren die Studenten mehr über das Lastenfahrrad „Hannah“, unterhalten sich mit dem stellvertretenden Sprecher Karl-Heinz Giese über die Idee von Semesterstart-Fahrradtouren und über den geplanten Radschnellweg zwischen Garbsen und Hannover. „Studenten fahren gerne Fahrrad, doch noch müssen sie nach Garbsen Bahn und Bus fahren. Wir hoffen, dass einige sich uns anschließen und wir gemeinsam den Radschnellweg auf den Weg bringen“, sagt Werner Meyer, Sprecher des ADFC.

Einen Stand weiter bei SV Wacker Osterwald testen Besucher ihr Geschick: Mit einem Tennisschläger balancieren sie einen Ball über knifflige Hindernisse. „Vielleicht bleiben einige Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter in Garbsen, werden sogar sesshaft und treten bei Wacker ein“, sagt Trainer Thorsten Lange. Um Mitglieder wirbt auch die Freiwillige Feuerwehr. „Es sieht gut aus! Wir haben heute schon einige Anmeldungen erhalten“, sagt Thorsten Ochmann, stellvertretender Ortsbrandmeister.

Stelzen, Turbos, Jazz und Flammkuchen: So vielfältig war die erste Nacht des Maschinenbaus in Garbsen.

„Ich hätte gerne auf dem neuen Campus studiert“

Bei den Studenten kommt das Konzept aus Wissenschaft und Willkommen an. Joel Schwerdtner möchte bald Maschinenbau studieren und kann sich das nach der Nacht des Maschinenbaus gut auf dem neuen Campus in Garbsen vorstellen. „Ich liebe große Maschinen wie hier. Der Campus an sich könnte zwar grüner sein, aber das kann ja noch kommen“, so der frisch gebackene Abiturabsolvent. Kevin Eberling hat vergangenes Semester seinen Masterstudiengang an der Universität in Hannover schon abgeschlossen. Den neuen Campus in Garbsen wird er daher nicht mehr erleben. „Ich muss sagen, ich hätte auf dem neuen Campus echt gerne studiert“, so der Hannoveraner.

Betreten verboten? Ja und nein

Campus betreten verboten? Ja und nein. Das Gelände wird mit Kameras überwacht. Bewegen sich außerhalb solcher Veranstaltungen wie am Freitag Spaziergänger im Campus, schickte das Wachpersonal sie bisher weg. „Wir befinden uns im Moment in einer Übergangsphase von Baustelle zu öffentlichem Gelände“, sagt Sarah Engelmann, Geschäftsführerin der Fakultät Maschinenbau. Darum gelten Einschränkungen.

Betreten verboten gilt nach Engelsmann Angaben für alle Bereiche, in denen noch Container stehen, Baumaterialien gelagert sind oder wo noch gearbeitet wird. Von 7 bis 19 Uhr darf das Gelände nur von der Straße An der Universität betreten werden. Die Plaza, das Gebiet um das Hörsaalgebäude herum bis hin zur Mensa und dem Haus der Studierenden soll für Besucher zugänglich sein. / acw

Umfrage: Und wie ist Ihr Eindruck?

„Ich finde es toll, dass Garbsen den Maschinenbau-Campus bekommen hat. Und ich bin wirklich überrascht, wie schön es geworden ist. Es ist zum Glück nicht so pompös." Ursula Hübner, Berenbostel. Quelle: Ann-Christin Weber
„Meine Frau und ich haben die Bauzeit mitverfolgt. Der Campus macht einen schönen Eindruck. Ich hoffe, dass das Studentenleben hier aufblüht und damit auch die Gastronomie in Garbsen wächst." Karsten Raffert, Garbsen-Mitte. Quelle: Ann-Christin Weber
„Mein Mann und ich wohnen in der Nähe und haben den Bau mit Spannung verfolgt. Für mich ist das Resultat eine Mischung aus Bauhaus-Stil und Plattenbau und passt mit seiner kühlen Art zum Technischen des Maschinenbaus." Erika Mehler, Frielingen. Quelle: Ann-Christin Weber
„Ich bin als Garbsenerin ziemlich stolz darauf, dass wir nun Universitätsstadt sind. Ich hoffe einfach, dass sich die Studenten bei uns gut einleben und dass in Garbsen noch einiges für die Studenten gemacht wird, damit sie hier auch ihre Freizeit verbringen können." Gisela Soffner, Garbsen-Mitte. Quelle: Ann-Christin Weber

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