Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Garbsen Südlink: Landwirte sorgen sich um Böden
Aus der Region Region Hannover Garbsen Südlink: Landwirte sorgen sich um Böden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 04.03.2019
Westlich von Horst: Wo Joachim Wieding sitzt, soll nach aktuellem Stand das Erdkabel verlegt werden. Quelle: Archiv (Carola Faber)
Garbsen

 Thomas Balke aus Horst ist Vollerwerbslandwirt. Sein Heiligtum ist die Ackerscholle. 320 Hektar bewirtschaftet er zwischen Otternhagen und Schloß Ricklingen, 30 Hektar gehören ihm selbst. „Der Südlink wird dieses Heiligtum auf Jahre nachhaltig beschädigen“, sagt er. Wie er, denken etwa 15 bis 20 Landwirte entlang des Westkorridors für die Erdkabeltrasse. Balke kennt sie alle, er ist als Bezirkslandwirt ihr Interessenvertreter.

Das Kabel ist nicht mehr zu verhindern

Wer dieses „nachhaltig beschädigen“ verstehen will, muss mit Joachim Wieding den Blick in den Ackerboden werfen bis in etwa zwei Meter Tiefe. Der Bioland-Landwirt aus Horst befasst sich seit Jahren mit Südlink. Er ist nicht so naiv zu glauben, dass sich die Trasse – egal ob Ost oder West – verhindern lässt. „Wichtig ist jetzt, dass der Ausbau fachgerecht und möglichst schonend passiert“, sagt Wieding, „ich hoffe, es sind kundige Ingenieure auf den Baustellen.“

Ackerboden ist wie Küchenkrepp

Ackerboden ist wie Küchenkrepp: Hält man den Rand des Papiers in Wasser, steigt das Wasser in feinen Kanälen nach oben. Tropft man Wasser oben auf den Rand, sickert es langsam nach unten. Kapillarwirkung heißt das physikalisch. Genauso funktioniert Ackerboden. Feine Kanäle ziehen sich bis in tiefe Schichten. Sie sorgen dafür, dass der Acker nach Regenfällen nicht vernässt und die Pflanzen absterben. Sie sorgen bei Trockenheit dafür, dass Wasser aus tieferen Schichten nach oben steigt und die Pflanzen versorgt.

Wieding: „Da wächst nichts mehr“

Das Erdkabel wird in etwa zwei Metern Tiefe auf ein Fundament gelegt. Der Unterboden wird festgerüttelt und mit einem Mineralgemisch abgedeckt, damit die Rohre stabil liegen. „Diese Schicht unterbricht die Kanäle im Boden. Bei trockenen Sommern wie 2018 werden wir über dem Kabel auf 20, 30 Meter Breite eine Wüste haben“, sagt Wieding, „da wächst nichts mehr, und der Boden erholt sich davon nie wieder.“ Die Folgen für die Landwirtschaft sind klar: Die Erträge werden sinken. Wie sich Wärme aus dem Kabel auf den Boden auswirkt, wird sich vermutlich erst in der Praxis zeigen. „Wenn die Böden über dem Kabel frostfrei bleiben, verhindert das bestimmte Prozesse, die der Boden braucht“, sagt Balke. „Und es verhindert, dass (Un-)Kräuter im Winter durch Frost dezimiert werden“, sagt Wieding.

Bezirkslandwirt Thomas Balke aus Horst. Quelle: Archiv (Markus Holz)

„Dass wir für diesen Eingriff entschädigt werden, ist unstrittig“, sagt Thomas Balke, „es ist nur nicht klar, ob mit einer Einmalzahlung oder dauerhaft.“ Sein Verband fordert einen kontinuierlichen Ausgleich pro Jahr je nach Ernteausfall. „Das ist ja kein Projekt für nur zehn Jahre. Die Kabel werden da bleiben, die Schäden auch. Was nützt uns eine Einmalzahlung? Und an wen geht sie? An die Eigentümer der Flächen? Davon hat derjenige nichts, der die Böden bewirtschaftet“, sagt Balke.

Landwirte dokumentieren jetzt jede Fläche

Landwirte wie er machen jetzt Bestandsaufnahme. Der Netzbetreiber Tennet wird seinen Korridorvorschlag Ende März bei der Bundesnetzagentur einreichen. Danach haben Betroffene Gelegenheit, alle Aspekte ins Feld zu führen. „Dann folgt in der Netzagentur die genaue Betrachtung der Trasse – ich werde jetzt jeden Meter Drainage, jeden Graben, Wirtschaftsweg und Stall dokumentieren.“ Ebenso wie Wieding hat er Bauchschmerzen vor den Bauarbeiten. „Schwere Baufahrzeuge würden unsere Wirtschaftswege in Mitleidenschaft ziehen und den Boden verdichten, das muss alles wieder hergerichtet werden“, sagt Balke.

Er, Wieding und andere Landwirte gehen deshalb aber nicht mehr in die Fundamentalopposition. „Wir können uns dem Projekt nicht verschließen. Die Notwendigkeit ist erkannt. Wir sind also nicht dagegen, so lange man sich auf ein vernünftiges Entschädigungsmodell einigt“, sagt Balke.

Wo kann man die Trassenführung einsehen?

Mehr Informationen zum weiteren Verlauf des Verfahrens lesen Sie hier.

Wo der Korridor westlich von Hannover durch die Region laufen soll, hat Tennet in der Karte „TKS_058“ dokumentiert. Sie steht hier.

Von Markus Holz

Der Weg ums DRK-Seniorenheim Garbsener Schweiz ist so uneben, dass die Bewohner ihn mit Rollator oder Rollstuhl nicht befahren können. Die Stadt sieht vorerst keinen Grund für eine Befestigung.

04.03.2019

Zu Fasching haben Eltern den Jungen und Mädchen im Emmaus-Kindergarten eine große Freude auf. Sie führten das Märchen „Schneewittchen“ auf – allerdings fehlten zwei der sieben Zwerge.

04.03.2019

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium öffnet am Freitag, 1. März, von 15.30 bis 18 Uhr seine Türen für interessierte Viertklässler und ihre Eltern. Außerdem wird am 19. März ein Schnupperunterricht angeboten.

01.03.2019