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Garbsen Trinkwasserpumpen laufen auf Maximum
Aus der Region Region Hannover Garbsen Trinkwasserpumpen laufen auf Maximum
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00:17 12.08.2018
Manfred Borsitz kann alle Anlagen vom Wasserwerk bei Dedensen aus steuern. Quelle: Markus Holz
Garbsen

3 Uhr nachts. Die Kurve fällt nicht mehr. Sie steht bei 140.000 Litern verbrauchten Trinkwassers pro Stunde. Normal sind zu dieser Zeit 40.000 Liter. Die Köpfe des Wasserverbandes Garbsen-Neustadt (WVGN) haben keine Erklärung, nur eine Vermutung: Rasensprenger und Gartenbewässerungen.

Wasserspeicher sind der Puffer für die Spitzenzeiten

Der ungewohnte nächtliche Wasserstrom hat Konsequenzen: Nachts füllen die Pumpen die vier Wasserspeicher in Dedensen, Garbsen, Horst und Hagen wieder auf. Dieses Speicherwasser –insgesamt rund 15,5 Millionen Liter – wird dringend gebraucht. Denn der derzeitige Spitzenverbrauch von 22 Millionen Litern pro Tag kann mit Grundwasser allein gar nicht gedeckt werden. Die Pumpen liefern Höchstleistung. Mehr können sie nicht fördern, mehr schaffen auch die Aufbereitungsanlagen nicht. Was die Pumpen tagsüber nicht schaffen, müssen die Speicher liefern. Sie sind der Puffer.

Marcus Möser, Chef der Wassergewinnung in den Werken Forst Esloh (Dedensen) und Hagen (Neustadt), vertieft sich an einem Monitor in die Werte von Juli: „Hier, am 10. Juli hat es heftig geregnet. Und da bricht der hohe Verbrauch nachts ab. Das hält sich so etwa 14 Tage, danach steigt der Nacht-Verbrauch wieder deutlich an.“ Sprich: Wenn der Garten feucht und die Regentonnen voll sind, lassen Gärtner den Wasserhahn zu. Noch ein Indiz für die Vermutung Gartenbewässerung.

Anfragen nach Nebenzählern für Gartenwasser steigen

„Wir verstehen, wenn jemand seine teuren Pflanzen nicht umkommen lassen will“, sagt WVGN-Geschäftsführer Stephan Schumüller. Trotzdem appelliert er an einen „verantwortungsvollen Umgang“ mit dem Lebensmittel. „Wasser sparen ist immer gut, jetzt um so mehr, vor allem nachts. Das würde die Lage bei uns sehr entspannen.“ Schumüller weiß, dass die programmierbaren Bewässerungsanlagen und die Perlschläuche für Hausgärten nicht mehr die Welt kosten. Er weiß auch, dass noch nie so viele Anfragen gekommen sind nach Nebenzählern für den Gartenanschluss. Wer einen Nebenzähler hat, kann einen Teil des Gartenwassers später von der Abwassergebühr abziehen. Bis Mai waren es dreimal so viele Anfragen wie sonst. „Und wir leben ja auch nicht in einer Zeit der Sparsamkeit. Das bisschen Wassergeld ist den Leuten ihr Garten wert“, sagt Möser.

Und jetzt bitte kein Pumpenausfall

Aber Geld ist nicht alles; dem Verband macht der Nachtverbrauch Kopfzerbrechen. Er muss alle Anlagen maximal arbeiten lassen. Techniker haben die Monitore in den Netzwarten viel intensiver im Blick. Laufen alle Pumpen? Arbeiten die Filter? Passt der Druck? Ist irgendwo ein Defekt erkennbar? Beim geringsten Anzeigen eines Problems wird die Situation angespannt. Das kann ein Geräteausfall sein, ein Rohrbruch oder ein Großfeuer, bei dem die Feuerwehren dem Netz in kurzer Zeit große Mengen entziehen. Dann würde das sensible System wanken. Bisher lief alles glatt, weil der Verband die wichtigsten Teile der Technik rechtzeitig modernisiert hat. „Die Maschinen sind auf dieses Maximum ausgelegt, und sie laufen. Aber es darf jetzt auch nichts passieren“, sagt Schumüller.

Elektronik ist sehr Hitze sensibel

Und wenn etwas passiert? „Dann kann der Druck im Netz sinken und die obersten Etagen in Garbsen oder Neustadt bekämen vielleicht ein, zwei Stunden kein Wasser“, sagt Schumüller. Eine Katastrophe wäre das nicht. Katastrophe wäre ein Ausfall der Elektronik in den Wasser- und Pumpwerken. Die sensiblen Platinen stecken gut gesichert hinter Stahlblechtüren. Ihr Problem ist die Hitze. Die Ventilatoren laufen zwar, „aber wenn alle Ventilatoren das Maximum liefern und es wird nicht mehr kühler in den Schränken, haben wir vielleicht ein Problem“, sagt Möser. Bis jetzt... teu teu teu. In jedem Schaltschrank steckt ein digitales Thermometer. Auch das haben Netzwarte wie Manfred Borsitz im Blick.

Wasser gibt es genug

Wassermangel wie am Rhein, in Thüringen oder Nordschaumburg? Das nicht. Der fehlende Regen ändert nichts am Pegelstand in 25 Metern (Dedensen) oder 60 Metern (Hagen) Tiefe. Die Wasserstände werden permanent überwacht, einmal im Monat erfolgt eine Meldung aus allen Brunnen an die Region Hannover. Bis Regenwasser dort unten ankommt, vergehen eh 25 bis 30 Jahre. „Ob es jetzt regnet oder nicht, ist für unsere Grundwasserspeicher unerheblich. Das ist anders als überall dort, wo Versorger auf Oberflächenwasser angewiesen sind wie in Barsinghausen, am Rhein oder im Harz“, sagt Schumüller. „Unsere Knackpunkte sind die Belastung der technischen Anlagen und der Wasserstand in den Speichern.“

Der Verband kann nur an seine Kunden appellieren. Für einen Notruf gibt es keinen Anlass. Nur vielleicht für einen Regen-Notruf gen Himmel. Denn Regen hilft dem Verband an einem Punkt sofort: Die Gärtner würden das nächtliche Wässern einstellen, die Speicher hätten wieder eine Chance, aufgetankt zu werden, und die Pumpen könnten zwei Gänge runterschalten.

Von Markus Holz

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