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Garbsen Wohnanlage für Flüchtlinge Im Hespe geplant
Aus der Region Region Hannover Garbsen Wohnanlage für Flüchtlinge Im Hespe geplant
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00:17 31.07.2017
So sollen die Wohncontainer an der Straße Im Hespe aussehen. Quelle: privat
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Berenbostel

Die Modulbauten sind für Menschen gedacht, die derzeit bereits im Quartier Berenbostel-Kronsberg leben. Die Wohnungen dort sind aber teilweise deutlich zu eng für die Großfamilien. In den drei Wohncontainern der geplanten Anlage sollen bis zu zwölf Familien Platz finden - und damit bis zu 70 Erwachsene und Kinder. Der Innenhof soll als Treffpunkt und Spielplatz für die Kinder dienen.

Der Betreiber der Wohnanlage steht nach Angaben der Verwaltung ebenfalls fest. Es wird das Unternehmen European Homecare sein, das bereits für andere Gemeinschaftsunterkünfte in Garbsen verantwortlich ist. "Die Mitarbeiter sind seit Mitte 2016 in Garbsen präsent und dementsprechend vernetzt", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Beim Umzug in die neue Unterkunft sollen den Bewohnern Ehrenamtliche vom Garbsener Netzwerk Wilkommen behilflich sein, ebenso wie Integrationslotsen und Sozialarbeiter.

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Die Fläche hat die Stadt für sieben Jahre gepachtet. Bürgermeister Christian Grahl betont, dass dort "keine dauerhafte Wohnbebauung geplant" sei. Damit reagiert er auf Forderungen der SPD, die in der Vergangenheit immer wieder darauf gedrängt hatte, die "grüne Lunge" Berenbostels als Parkanlage zu erhalten. Die Containermodule gibt es bereits. Die Stadt hat sie zu Zeiten angeschafft, als noch nicht absehbar war, wie viele Flüchtlinge kommen würden. "Für einen siebenstelligen Betrag", wie Grahl sagt. Die Kosten sollen dadurch wieder hereinkommen, dass es Tagessätze pro Mensch und Wohnplatz gibt, die vom Land und vom Bund übernommen werden.

Der Standort an der Straße Im Hespe sei für ein solches Projekt der "einzig geeignete", teilt die Verwaltung mit. Die Vorteile gegenüber den anderen 44 geprüften Stellen im Stadtgebiet sind nach Angaben der Stadt vor allem die gute Anbindung und die Infrastruktur. Außerdem müssten sich die Familien nicht umgewöhnen, da sie bereits in Berenbostel leben und die Kinder die Kindertagesstätten und Grundschulen im Stadtteil besuchen.

Die Nachbarn sollen bei einer Einwohnerversammlung ausführlich über die Pläne informiert werden. Einen Termin dafür gibt es noch nicht, er wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Das sagt die Politik zu den Plänen

Aus Sicht der SPD hat Bürgermeister Christian Grahl die Entscheidung für den Standort an der Straße im Hespe "ohne Beteiligung der Politik" gefällt. Dabei haben sich die Sozialdemokraten seit Jahren dafür eingesetzt, die Fläche als Stadtteilpark herzurichten, sagt Vogel. Allerdings sehe es auch seine Fraktion so, dass der Bereich für die vorübergehende Unterbringung der Familien geeignet sei. Das dürfe jedoch nicht der Grundstein für eine dauerhafte Wohnbebauung sein. "Wir werden den Bürgermeister nach Ablauf des Pachtvertrages an sein Versprechen erinnern", kündigt Vogel an.

Aufseiten der CDU hält man den Standort dagegen für den "idealen Platz", sagt der Fraktionsvorsitzende Heinrich Dannenbrink. Es sei kein tragbarer Zustand, dass am Kronsberg bis zu acht Menschen in einer Drei-Zimmer-Wohnung untergebracht sind.

Das sieht Darius Pilarski von den Grünen ähnlich. Er findet es gut, dass das Quartier am Kronsberg "entlastet wird". Auch den Standort für die Wohnanlage findet er geeignet, obwohl er ahnt, dass "es immer Bedenken geben wird".

Manfred Kammler von der AfD sieht die Anschaffung der Container grundsätzlich kritisch. Für die Anschaffung, die Pacht und die Erschließung des Gebiets Im Hespe entstehen der Stadt nach seiner Rechnung Kosten von mehr als 5 Millionen Euro. "Für das Geld hätten wir auch solide Wohnungen bauen können", meint der AfD-Politiker.

Die Fraktion Unabhängige/Linke hatte sich schon länger für den Standort eingesetzt, sagt Der Vorsitzende Günther Petrak. Er findet es vor allem gut, dass die teuer gekauften Container dort endlich zum Einsatz kommen.

Auf dieser Grünfläche sollen die Module errichtet werden. Quelle: Benjamin Behrens

Von Gerko Naumann