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Gehrden Cooles Schauspiel im Klassenzimmer
Aus der Region Region Hannover Gehrden Cooles Schauspiel im Klassenzimmer
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19:54 12.02.2015
Von Dirk Wirausky
Maurizio Micksch (links) und Jan Kittmann machen das Klassenzimmer zur Bühne.
Maurizio Micksch (links) und Jan Kittmann machen das Klassenzimmer zur Bühne. Quelle: Wirausky
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Gehrden

Atticus und Adam Brown sind zwölf Jahre alt und Zwillinge, aber ähnlich sind sie sich kein bisschen. Adam, gespielt vom Berliner Schauspieler Jan Kittmann, ist zwar nur zwei Minuten vor Atticus (Maurizio Micksch) geboren, doch beide trennen Jahrhunderte. Adam kam eine Minute vor der Jahrtausendwende zur Welt, Atticus eine Minute danach. Und er möchte sein wie sein cooler und beliebter Bruder, dessen langer Schatten ihn erdrückt. Es entwickelt sich in der Folge ein tragikkomisches Schauspiel.

Das Duo des Jungen Schauspiels Hannover gastierte am Donnerstagvormittag an der Oberschule und führte den Schülern des fünften Jahrgangs das Stück „Der Junge mit dem längsten Schatten“ vor. Geschrieben hat es der Australier Finegan Kruckemeyer, inszeniert wurde es von Anne-Stine Peters, die bereits das erfolgreiche Jugendbuch „Tschick“ auf die Bühne gebracht hat. Das Besondere: Die Handlung spielt im Klassenzimmer, in dem auch die Kinder sitzen. Und so hüpft Adams Basketball durch die Stuhlreihen, springt Atticus auf das Lehrerpult und zerreißt aus Wut darüber, dass es ihm nicht gelingt, cool zu sein, zur Verblüffung der Jungen und Mädchen die Schulbücher.

Mittendrin sind die Fünftklässler. Sie sind nicht nur Zuschauer, sondern Teil der rasanten Geschichte. Sie erleben hautnah Atticus’ Versuch, eine andere Identität zu finden („Ich hasse es, ich selbst zu sein“). An einem Tag imitiert Atticus seinen Zwillingsbruder, am nächsten will er seine Mitschüler als Multimusikus beeindrucken und dann verwandelt er sich in einen schlimmen Mobber. Am Ende scheitert das Bemühen von Atticus, seinen coolen Bruder zu kopieren. Die simple Botschaft: Bleib so wie du bist.

Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt - auch für manchen Schüler. „Einige identifizieren sich stark mit den Schauspielern“, beobachtet Lehrerin Ute Maibaum. Realität und Theater verschwimmen. Ein Kompliment für die beiden Darsteller Micksch und Kittmann - das junge Publikum nimmt ihnen die Rolle ab. Und wer von beiden cooler ist? Egal! „Das Stück ist cool“, sagt der zehnjährige Danilo.

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