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Gehrden Insektenrückgang: Für Klee-Anbau sind Blühstreifen unverzichtbar
Aus der Region Region Hannover Gehrden Insektenrückgang: Für Klee-Anbau sind Blühstreifen unverzichtbar
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18:06 11.07.2019
Bio-Landwirt Jens Grastorf (rechts) erläutert den Teilnehmern einer Exkursion die zunehmende Bedeutung von Blühstreifen. Quelle: Ingo Rodriguez
Ditterke

Für den Bio-Landwirt Jens Grastorf aus Ditterke hat der Anbau von Klee einen hohen Stellenwert: Der Diplom-Agraringenieur verkauft den Samen als Saatgut und das Gewächs als Viehfutter. Gleichzeitig sorgt der Anbau auf den Feldern seines Bio-Betriebes aber auch für wichtigen Stickstoff im Boden – anstatt des Einsatzes von Dünger. Nur: „Um genügend Insekten anzulocken, die den Klee bestäuben, muss ich etwa ein Jahr vorher Blühstreifen anlegen“, sagt Grastorf.

Anlässlich einer Exkursion des Naturschutzbundes Gehrden/Benthe sowie des Naturschutzvereins Ditterke ist er mit den Teilnehmern auf eines seiner Gerstenfelder am Ortsausgang in Richtung Kirchwehren gegangen. Dort will er im nächsten Jahr Klee anbauen. Deshalb berichtet der Landwirt über die Auswirkungen des spürbaren Rückgangs von Insekten.

Rückgang der Insekten ist deutlich zu bemerken

Dass die Anzahl etlicher Insektenarten deutlich zurückgegangen ist, erläutert Grastorf an einem Beispiel. „Wenn man mit dem Auto fährt, muss man doch längst nicht mehr so häufig wie früher die Windschutzscheibe von Fliegen und Mücken befreien“, sagt Grasdorf. Auch abends sei der zunehmend sinkende Bestand spürbar. „Inzwischen kann man auch bei Licht das Fenster auflassen, ohne dass Mückenschwärme ins Zimmer kommen.“ Für Grastorf ist das Phänomen jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden. „Ohne Blühstreifen ist für mich Klee-Anbau kaum möglich“, sagt er.

Blühstreifen locken Hummeln und Nachtfalter an

Dabei ist dem Landwirt eine andere Art von Naturschutzmaßnahmen für das Ansiedeln von Insekten viel lieber. „Besser finde ich es, wenn zwischen den Anbaukulturen Lücken für Unkräuter bleiben“, sagt Grastorf. „Aber für den Klee-Anbau brauche ich mit einem Jahr Vorlauf Blühstreifen“, sagt der Landwirt. Nur Bienen könne er nicht damit anlocken. Mit dem Anpflanzen von Phacelia, Senf, Sonnenblumen und Leinenfasern lassen sich in Blühstreifen laut Grastorf aber Hummeln und Nachtfalter ansiedeln. So muss Grastorf das Verhalten vieler konventionell wirtschaftender Landwirte ausgleichen. „Der Insektenrückgang ist von den Menschen verursacht, weil in den Anbaukulturen heutzutage nichts mehr außer den Kulturpflanzen Platz findet“, sagt der Agraringenieur.

Die Teilnehmer der Exkursion begutachten die Weihnachtsbäume in der Plantage von Bio-Landwirt Jens Grastorf aus Ditterke. Quelle: Ingo Rodriguez

Viel Platz nehmen in seinem Betrieb auch seine Weihnachtsbaumplantagen ein. Rund zweieinhalb Hektar seiner Felder nutzt Grastorf dafür. Etwa 12.000 Exemplare wachsen dort. Pro Jahr verkauft der Bio-Landwirt mehrere hundert Exemplare – Nordmannstannen, Blau- und Rotfichten. „Im vergangenen Jahr hätte ich noch mehr verkaufen können, aber ich hatte nicht mehr Bäume, weil ich vorher etwa ein Drittel der Jungpflanzen wegen der Trockenheit verloren hatte“, sagt Grastorf.

Weihnachtsbaumplantagen machen ganzjährig viel Arbeit

Ihm machen die Weihnachtsbäume nicht nur vor den Festtagen viel Arbeit. „Die Bäume brauchen etwa zehn Jahre, bis sie fertig sind“, betont er. Einfach nur in den Wald gehen, Bäume fällen und verkaufen? So einfach sei das nicht. „Pflanzen, beschneiden, die Plantagen mähen, die Reste der gefällten Bäume beseitigen, roden: Das erfordert viel Aufwand, deshalb sind die Preise gerechtfertigt“, sagt der Landwirt. Für ihn ist es deshalb unerlässlich, seine eingezäunten Plantagen abzuschließen. „Damit keine Bäume gestohlen oder von Tieren beschädigt werden“, sagt Grastorf. Reinhard Runge aus Ditterke ist zur Exkursion mit seinem achtjährigen Enkelkind Julian gekommen, um solche Dinge zu erfahren. „Es ist erstaunlich, wie viel Mühe es bereitet, bis ein Weihnachtsbaum verkauft werden kann.“

Von Ingo Rodriguez

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