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Gehrden Ärger in Gehrdener Neubaugebiet: Käufer klagen über mehr als 400 Baumängel
Aus der Region Region Hannover Gehrden Ärger in Gehrdener Neubaugebiet: Käufer klagen über mehr als 400 Baumängel
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11:03 12.10.2019
Auf der Dachterrasse von Reiner Albers staut sich das Wasser, weil unter den Steinfliesen kein ausreichendes Gefälle angelegt wurde. Quelle: Ingo Rodriguez
Gehrden

Leben auf einer Baustelle: Im neuen Kirchhofquartier haben sich zwölf Käufer von Eigentumswohnungen zusammengeschlossen und lassen sich nun von einem Rechtsanwalt beraten. Die neuen Anwohner klagen über erhebliche Mängel an ihren erworbenen Immobilien und an den Gemeinschaftsanlagen des Quartiers. Außerdem wollen sie nicht länger den Lärm und Schmutz der weiterhin andauernden Bauarbeiten hinnehmen. „Wir wohnen auf einer Baustelle“, sagt Heinrich Abelmann, der im vergangenen Mai gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter eine Eigentumswohnung bezogen hat. Gemeinsam mit elf weiteren Käufern fordert er vom Bauherren, der Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG), Teile des Kaufpreises zu erstatten oder die baulichen Mängel, Fehler und Schäden zu beseitigen.

Auf der Dachterrasse von Reiner Albers staut sich das Wasser, weil unter den Steinfliesen kein ausreichendes Gefälle angelegt wurde. Quelle: Ingo Rodriguez

Ausfahrt der Tiefgarage ist nicht unfallfrei zu benutzen

Abelmanns Bericht offenbart selbst im Schnelldurchlauf massive Unzulänglichkeiten: „Die Tiefgaragenausfahrt ist im Kurvenbereich viel zu eng und lässt sich nur von Kleinwagen unfallfrei benutzen. Meine Wohnung entspricht nicht dem vertraglich zugesichertem Standard: Stellenweise ist sie nicht barrierefrei. Und ich habe auch keine dezentrale Lüftungsanlage“, zählt Abelmann einige Mängel auf. Fast alle Bewohner mit Tiefgaragenstellplatz benutzen nach seinen Angaben inzwischen die Einfahrt in beide Richtungen. Weil die Baufirma die Ausfahrt im Kurvenbereich viel zu eng angelegt habe, seien schon vier Autos beim Herausfahren beschädigt worden. Verärgert ist Abelmann auch darüber, dass sein Balkon nicht barrierefrei zu erreichen ist. „Es wurden falsche Elemente eingebaut. Dabei habe ich mir wegen fortschreitenden Rheumas sicherheitshalber als Alterssitz eine barrierefreie Eigentumswohnung gekauft“, sagt er.

Renate Neumann (von links), Heinrich Abelmann, Marion und Reiner Albers begutachten die schon mehrfach angefahrene Wand der viel zu engen Tiefgaragenausfahrt. Quelle: Ingo Rodriguez

Schon mehrfach Beschwerden über den Bauherren

Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich Eigentümer der neuen Wohnungen im Kirchhofquartier über Bauverzögerungen und nicht eingehaltene Inhalte in den Kaufverträgen beschweren. Mehr als zweieinhalb Jahre ist es nun schon her, dass auf dem Grundstück eines früheren Supermarkts der Bau des neuen Quartiers begonnen hatte. Die HRG gründete zusammen mit der Neustädter Firma Sänger Bau & Immobilien eine Projektgesellschaft, um in bester Innenstadtlage insgesamt 35 Eigentumswohnungen mit Parkplätzen in einer Tiefgarage zu errichten. Die Baufirma hatte den endgültigen Abschluss aller Arbeiten ursprünglich für Ende 2018 angekündigt. Wegen etlicher Bauverzögerungen waren aber mehrere Termine für Wohnungsübergaben an Käufer geplatzt. Weil die erworbenen Immobilien nicht bezugsfertig waren, standen plötzlich mehrere Käufer auf der Straße. Weil sie ihre bisherigen Wohnungen oder Häuser bereits gekündigt oder verkauft hatten, mussten sie sich vorübergehend Notunterkünfte anmieten und ihre Möbel einlagern.

Auch mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Beginn der Bauarbeiten leben die bereits eingezogenen Käufer der Eigentumswohnungen immer noch auf einer Baustelle. Quelle: Ingo Rodriguez

HRG sagt Erstattung von Zwischenmieten zu

Das blieb Abelmann und seiner Familie erspart, obwohl auch ihre Eigentumswohnung im Oktober 2018 nicht rechtzeitig fertig war. Sein Haus in Lenthe hatte Abelmann zwar bereits Anfang 2018 verkauft. Weil vertraglich eine Option vereinbart worden sei, die Räume als zeitlichen Puffer noch für vier Monate zu mieten, habe die Familie aber in kein Hotel ziehen müssen. Immerhin: „Die HRG hat zugesagt, die vier Monatsmieten für die Unterbringung in unserem alten Haus zu erstatten. Das Geld haben wir aber noch nicht“, sagt er.

Immer noch keine Terrasse: Auch mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Beginn der Bauarbeiten leben die bereits eingezogenen Käufer der Eigentumswohnungen noch auf einer Baustelle. Quelle: Ingo Rodriguez

In der neuen Wohnung fehlen Türen

Fast beiläufig berichtet Abelmann von den ersten Tagen in der neuen Eigentumswohnung. „Es fehlten Türen, zerkratzte Fenster mussten ausgetauscht werden, der Balkon war nicht fertig.“ Weil sich der Bauträger aber nicht darum gekümmert habe, habe er die Mängelbeseitigung persönlich mit den Handwerkern auf der Baustelle organisieren müssen. Was ihn und seine Familie auch fünf Monate nach dem Einzug noch stört: „Ständiger Baulärm im Hinterhof. In den unfertigen Wohnungen wird gebohrt und gehämmert.“

Ein bestellter Gutachter habe kürzlich mehr als 400 Baumängel im Kirchhofquartier aufgelistet. „Isolierungen von Warmwasserrohren auf dem Dach wurden von Vögeln weggepickt. In den Treppenhäusern wurde nicht richtig gestrichen und gereinigt“, nennt Abelmann Beispiele. Auf der Dachterrasse von Reiner Albers fließt das Regenwasser nicht ab, weil unter den Steinplatten kein ausreichendes Gefälle angelegt wurde. Albers wohnt zurzeit übergangsweise mit seiner Frau in einer Ferienwohnung in Hannover. „Wir haben Mängel angezeigt und Geld einbehalten, deshalb können wir noch nicht in unsere neue Eigentumswohnung“, sagt der Mann.

Auch mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Beginn der Bauarbeiten leben die bereits eingezogenen Käufer der Eigentumswohnungen immer noch auf einer Baustelle. Quelle: Ingo Rodriguez

Im Kirchhofquartier sind inzwischen nach Angaben von Abelmann auch erst zehn der insgesamt 35 Eigentumswohnungen bezogen. Wegen der bekannten Mängel sei es dem Bauherren nicht gelungen, alle zu verkaufen. Die unverkauften Wohnungen seien offenbar in eine eigene Nebengesellschaft überführt worden. Auch ein zweites Käufer-Ehepaar wohne seines Wissens seit einem Jahr in einer möblierten Wohnung in Hannover. „Sie haben Mängel geltend gemacht und Zahlungen zurückgehalten, deshalb wurde ihnen die Wohnungsübergabe verweigert“, sagt Abelmann. Er und die weiteren Wohnungseigentümer pochen auf die Einhaltung ihrer in den Kaufverträgen vereinbarten Leistungen. „Sonst fordern wir eine Erstattung von Teilen des Kaufpreises als finanziellen Ausgleich“, sagt er.

HRG: „Im Rahmen des Üblichen“

Auf Nachfrage teilt HRG-Geschäftsführer Harald Siemens mit, dass die Qualität der Bauleistungen im Rahmen von Begutachtungen durch die Dekra festgestellt worden sei – „Anzahl und Qualität der festgestellten Baumängel sind nach Bewertung der Dekra im Rahmen des absolut Üblichen“. Und: „Die Projektgesellschaft hat bereits die überwiegende Zahl der zu den Abnahmen festgestellten Mängel beseitigt und wird auch selbstverständlich die weiteren Mängel im Rahmen der vertraglichen Verpflichtungen beseitigen.“

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Kirchhofquartier: Bauverzögerungen bringen Käufer in Notlagen

Von Ingo Rodriguez

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