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Gehrden Konfirmanden pflegen den jüdischen Friedhof
Aus der Region Region Hannover Gehrden Konfirmanden pflegen den jüdischen Friedhof
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13:13 10.11.2019
Marei (13, von links), Juna (13) und Lana (13) befreien das Gelände von Laub. Quelle: Stephan Hartung
Gehrden

Es war ein Konfirmandenunterricht der etwas anderen Art: Drei Jugendgruppen der Margarethen-Gemeinde haben das Gelände des jüdischen Friedhofs am Gehrdener Berg von Laub befreit. Die zwei Dutzend Jugendlichen, die im April 2020 ihre Konfirmation feiern werden, waren emsig bei der Sache und bereits nach 45 Minuten fertig – kurz vor Einbruch der Dunkelheit.

1752 fand auf dem Friedhof am Gehrdener Berg die erste Grablegung statt, 1935 die letzte. „Viele Menschen aus Gehrden, die hier begraben sind, wurden umgebracht. Wir wollen mit dieser Aktion zeigen, dass wir den Friedhof in Schuss halten und damit zugleich der Verstorbenen gedenken“, sagt Wichard von Heyden, Pastor der Margarethen-Gemeinde. Bereits seit einigen Jahren organisiert die Kirchengemeinde diesen Einsatz der Konfirmanden.

Andacht nach getaner Arbeit

Und wie haben es die Konfirmanden empfunden? „Erst war es ein komisches Gefühl, auf einem Friedhof zwischen den Grabsteinen Laub zu fegen. Aber dann hat es Spaß gemacht“, sagt Juna, die gemeinsam mit Lana und Marei (alle 13) zu Besen und Rechen greift. Lana war durch ihren Bruder vorbereitet. „Er war im Vorjahr in der Konfirmandengruppe und hat das auch schon gemacht. War alles cool, ist mal was anderes“, meint sie. Während die drei rund um ein Grab fegen, kümmern sich ein paar Meter weiter Bjarne und Niklas um den Gehweg. Der ist vor lauter Laub nicht mehr zu erkennen. „Das ist hier nicht so wie zu Hause im Garten“, sagt Bjarne und lacht, während Niklas die einsetzende Dämmerung anspricht: „Wenn es richtig dunkel ist, wäre es schon gruselig.“

Damit es etwas heller wird, haben von Heyden und Diakonin Anja Marquardt ein paar Teelichter mitgebracht, die sie im Kreis aufstellen. Nach getaner Arbeit versammeln sich die Konfirmanden an den Lichtern, der Pastor hält eine Andacht.

Der jüdische Friedhof ist ein geschütztes Kulturdenkmal. Die letzten Menschen, die hier ihre Ruhestätte fanden, waren das Geschwisterpaar Heinemann und Johanna Goldschmidt. Insgesamt befinden sich auf dem Friedhof rund 80 Gräber. Viele davon liegen am Ende eines Weges, der von den umliegenden Bäumen jeden Herbst stark mit Laub bedeckt wird.

Erlebnisse im Gottesdienst erzählen

Der herbstliche Arbeitsdienst auf dem Friedhof ist Teil eines Projekts. Unter dem Motto „Jüdischer Glauben und jüdisches Leben in Deutschland“ beschäftigen sich die Konfirmanden in den nächsten Wochen noch eingehender mit dem Judentum und der Verfolgung. Am kommenden Sonnabend steht eine Fahrt zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers in Bergen-Belsen auf dem Programm, im November besuchen die Gruppen auch noch die Synagoge in Hannover-Stöcken. Im Gottesdienst der Margarethen-Gemeinde am zweiten Adventssonntag werden die Jungen und Mädchen davon berichten.

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Von Stephan Hartung

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