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Gehrden Stadt legt neues Gutachten für Marktplatz vor - und möchte Bäume fällen
Aus der Region Region Hannover Gehrden Stadt legt neues Gutachten für Marktplatz vor - und möchte Bäume fällen
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10:59 30.08.2019
Die gut 13 Meter hohe Rosskastanie drückt an den Ratskeller. Die Stadt würde sie gerne beseitigen und einen neuen Baum versetzt neu anpflanzen. Quelle: Dirk Wirausky
Gehrden

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Spieker war einigermaßen überrascht. Völlig unerwartet hatte die Stadt in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Energie ein neues Baumgutachten für den Marktplatz vorgelegt.

Die Quintessenz des Berichts: Sowohl die beiden Kastanienbäume am Ratskeller als auch die etwa 30 Jahre alte Platane sind zwar geschädigt, werden aber von einer Expertin als erhaltenswert eingestuft. Dennoch: Geht es nach der Stadt, dann sollen sie beseitigt werden. Die Bäume haben nach Einschätzung der Verwaltung schlechte Entwicklungsmöglichkeiten, und der Erhalt der Bäume sei aufwendig und kostspielig.

Bürgermeister gab Baumbericht in Auftrag

Das Papier war auf Initiative von Bürgermeister Cord Mittendorf in Auftrag gegeben worden. Er reagierte damit auch auf die jüngste öffentliche Diskussion, in der zahlreiche Bürger den Erhalt der Bäume im Stadtzentrum gefordert haben. „Wir wollen Klarheit schaffen“, sagte er. Und er gab zu: „Das sind auch neue Erkenntnisse für uns.“ Warum nicht bereits im Vorfeld der Planung eine entsprechende Expertise erstellt wurde, blieb allerdings offen. Möglicherweise war das öffentliche Interesse an dem Baumbestand unterschätzt worden.

Bisher galt eine Untersuchung vom Juni 2015 als Grundlage. Damals war der Baumbestand nach der Vitalität eingestuft worden. Anhand dessen wurde später ein Baumkonzept von den Landschaftsarchitekten erstellt.

Seit etwa 30 Jahren steht eine Platane auf dem Marktplatz. Sie steht inzwischen schief. Ihr Erhalt würde laut Verwaltung die Neugestaltung und Nutzung des Platzes einschränken. Quelle: Dirk Wirausky

Eine planerische Herausforderung

Blieben die Bäume stehen, würden sie die geplante Umgestaltung des Marktplatzes, die im Frühjahr 2020 beginnen soll, einschränken. „Es ist eine planerische Herausforderung“, sagte der zuständige Landschaftsarchitekt Thomas Ostermeyer vom Büro Freiraumplanung. Er betonte, dass die Baumarten nicht mehr zeitgemäß seien.

„Falsche Bäume am falschen Standort“

„Es sind damals die falschen Bäume am falschen Standort gepflanzt worden“, sagte er. Heute würde man das nicht mehr machen. „Wir müssen nun die Perspektiven nach vorne richten – mit neuen Bäumen“, sagte Ostermeyer. Und die städtische Projektleiterin Christina Unselt fügte hinzu, dass die neuen Bäume so groß wie möglich gepflanzt werden sollen. Außerdem seien fünf Neuanpflanzungen geplant.

Die Politiker haben unterschiedliche Vorstellungen. „Durch das Gutachten ergibt sich für uns eine völlig neue Bewertungsgrundlage“, sagte Spieker. Diese Informationen hätte er sich deutlich früher gewünscht. „Wir sind in den vergangenen Monaten von anderen Voraussetzungen ausgegangen“, meinte er. Die CDU hatte erst vor wenigen Tagen entschieden, dass die zwei Kastanien vor dem Ratskeller erhalten bleiben sollen, die Platane dagegen soll beseitigt werden. „Grundsätzlich halten wir daran fest“, betonte Spieker.

Grüne: Andere Städte beneiden Gehrden um die prächtigen Bäume

Holger Struß (SPD) votiert zwar dafür, dass alle Bäume entfernt werden. „Das ist aber meine persönliche Meinung“, betonte er. Eva Kiene-Stengel (Bündnis 90/Die Grünen) will den Baumbestand am Markt dagegen nicht verändern. „Andere Städte beneiden Gehrden um solche prächtigen Bäume in der Innenstadt“, meinte sie. Ein anwesender Bürger sprach davon, dass ein Postkartenmotiv verloren gehe, wenn die Bäume weg seien. Für die Bündnisgrüne Gisela Wicke sind die Kastanien und die Platane ökologisch wertvoll. Auch der Klimaaspekt dürfe nicht vernachlässigt werden.

Kirche will eigenes Gutachten vorlegen

Derweil hat die Margarethengemeinde betont, dass es keinen Beschluss des Kirchenvorstandes gebe, Bäume auf dem Kirchengelände fällen zu lassen. „Wir sind im Gespräch über den Zustand der Bäume mit der Stadt, deren Gutachten für einen Baum ungünstig ist“, sagte Pastor Wichard von Heyden. Die Kirche wolle nun mit dem Naturschutzbund sprechen und ein eigenes Gutachten vorlegen. Eine große Linde neben der Margarethenkirche soll stark beschädigt sein.

Von Dirk Wirausky

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