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Gehrden Für die Mühle gibt es zahlreiche Visionen
Aus der Region Region Hannover Gehrden Für die Mühle gibt es zahlreiche Visionen
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19:47 15.07.2019
„Struckmeyers Mühle" wurde 1878 auf dem Gehrdener Berg gebaut. Derzeit betreibt Norbert Gardlo das Gebäude als naturpädagogischen Bildungs- und Freizeitort Kindermühle. Quelle: Mario Moers
Gehrden

Auf dem Gehrdener Berg herrscht Aufbruchstimmung. Nachdem der Pächter der alten Mühle angekündigt hat, das Wahrzeichen 2020 vorzeitig an die Stadt zurückzugeben, stehen die Interessenten für eine Nachnutzung bereits in den Startlöchern. Zum Leidwesen des Mühlenvaters. Denn die Zukunft seines Lebenswerks könnte ganz anders aussehen, als ihm lieb ist.

Die Gerüchteküche brodelt

„Meinen Nachruf müssen sie noch verschieben, auch wenn alle darauf warten, dass ich umfalle“, sagt Norbert Gardlo. Er hat mitbekommen, dass bei Facebook bereits über das Ende seiner Kindermühle diskutiert wird. „Ich habe gehört, die Kindermühle schließt, weiß jemand mehr?“, ist dort in einer Nachbarschaftsgruppe zu lesen. Der 79-jährige Gardlo weiß, dass es in der Gehrdener Gerüchteküche brodelt, seit er mit der Stadt über die Rückgabe des historischen Gemäuers gesprochen hat.

1994 kaufte der ehemalige Lehrer die Struckmeyersche Mühle. Seitdem bietet er dort naturpädagogische Kurse, nicht nur für Kinder, an. „Vom Brot zum Korn“ heißt ein Dauerbrenner. Seit Gardlo die alte Mühle aufgemöbelt hat, erinnert der Ort an eine Mischung aus Waldorf-Schule und Peter-Lustig-Bauwagenplatz. Ein farbenfroher Ort mit einem besonderen Lernangebot. Der erste Stock wurde gerade erst zu einem Malatelier ausgebaut. Zwei Künstlerinnen bieten dort eigene Kreativkurse an. „Schreiben Sie: Der Gardlo macht weiter wie bisher. Wir sind bis zum Jahresende ausgebucht“, kommentiert Gardlo die Gerüchte.

Richtig sei allerdings auch, dass er das Gebäude im kommenden Jahr an die Stadt zurückgeben will. Ein Erbpachtvertrag hätte ihm die Nutzungsrechte noch über Jahre gesichert. „Es müssen Teile saniert werden“, sagt Gardlo. Für die Zukunft wünscht er sich ein Konzept, das an seine Kindermühle anknüpft.

Das 1889 errichtete Berggasthaus Niedersachsen lockte früher Ausflügler aus Hannover und der Region auf den Gehrdener Berg. Es wurde 1959 nach einem Wasserschaden weitgehend abgerissen. In den Resten befindet sich bis heute ein gleichnamiges Restaurant. Quelle: LKCZ

Vorbild Nordmannsturm

„Wir vermissen auf dem Gehrdener Berg eine Ausflugsgastronomie, die eine kleine, schnelle Küche anbietet“, sagt Holger Spohr. Der Fachdienstleiter Umwelt und Klima beschäftigt sich bei der Stadt Gehrden mit der Zukunft der Mühle. In der vorzeitigen Rückgabe sieht man eine einmalige Chance. „Es gibt seit Jahren den Wunsch, den Berg zu einem attraktiven Naherholungsziel weiterzuentwickeln“, sagt Spohr. Als ein mögliches Vorbild für die Neugestaltung der Mühle könne der Nordmannsturm im Deister dienen.

Den Wunsch des derzeitigen Pächters teilt die Stadt nur bedingt. „Wir wollen keine exklusive Nutzung durch einzelne Interessengruppen, sondern ein Konzept im Sinne der Öffentlichkeit“, sagt Spohr. Ein reiner Kinderort käme demnach genauso wenig infrage wie Büroräume oder Luxuswohnungen. Denn auch diese Begehrlichkeiten gibt es. Gewerbliche und private Interessenten haben sich bereits bei der Stadt gemeldet. „Allein baurechtlich wird so etwas nicht funktionieren“, erteilt Spohr solchen Ansinnen eine klare Absage.

Verwaltung hofft auf Unterstützung der Region

Bei der Entwicklung des Gehrdener Bergs hofft die Verwaltung auf die finanzielle Unterstützung der Region. In deren Strategiepapier zur regionalen Naherholung wird dem Gehrdener Berg ein „besonderes Potenzial für landschaftsgebundene Erholungsformen“ attestiert. Das „Regionale Naherholungsprogramm 2016“ hat den Berg als Leuchtturmprojekt ausgewiesen. Ziel sei die Stärkung des Ausflugsorts, etwa durch die Aufwertung bestehender Attraktionen. Der Gehrdener Berg soll perspektivisch den viel frequentierten Deister entlasten. „Wir sind interessiert daran, dass die Mühle so schnell wie möglich wieder an die Stadt geht“, sagt Spohr.

Mühlenvater Norbert Gardlo veranstaltete zum Jahresbeginn eine Ostereiersuche rund um seine Mühle. Quelle: Ingo Rodriguez

Die Mühle als Trauzimmer

Bereit in die Mühle zu investieren, ist auch ein Nachbar. Oliver Gerasch, seit vier Jahren Eigentümer des Berggasthaus Niedersachsen, hat bereits eine eigene Vision für das Gebäude unweit seines noblen Bergrestaurants. „Im Untergeschoss könnte das Standesamt ein Trauzimmer einrichten“, sagt er. Den Umbau und die dazugehörige Gastronomie würde er gegebenenfalls mittragen. Hochzeitsgesellschaften gehören ohnehin zu seinen Stammgästen. Es wäre das dritte Trauzimmer der Stadt. Geheiratet werden kann derzeit im Rathaus und der Dorfstube in Northen. Die historische Mühle wäre sicher für manches Brautpaar ein reizvolles Ambiente. Für ein reines Ausflugslokal, wie die Verwaltung angedacht hat, fehlt nach Einschätzung des Wirts Gerasch die wirtschaftliche Grundlage. „Dort kommen wochentags zehn bis 20 Wanderer vorbei, das geht rechnerisch nicht auf“, sagt er. Durch mehr Besucher sieht er außerdem den ruhigen Charakter des Ausflugsorts gefährdet.

Gespräche im Supermarkt

Wie stark die Gerüchteküche derzeit brodelt, hat auch ein anderer Veranstalter festgestellt. Malte Losert, der mit dem Verein Gehrden feiert Feste unter anderem die Fête de la Musique und das Stadtfest organisiert, wurde bereits im Supermarkt angesprochen – ob der Verein künftig im Burgbergturm einsteigen würde. „Ich weiß nicht, woher das kommt, aber wir werden weder am Turm noch in der Mühle aktiv“, sagt er.

Früher pilgerten Hunderte zum Berg

Der Gehrdener Berg war bis in die Fünfzigerjahre ein bevorzugtes Ausflugsziel für Besucher aus der Landeshauptstadt. Das imposante, 1889 errichtete Berggasthaus Niedersachsen hatte sogar einen eigenen Straßenbahnanschluss. Die heutige Linie 10 fuhr von 1889 bis 1917 direkt auf den Gehrdener Berg. Bis zu 5000 Besucher strömten an schönen Wochenenden auf den Berg. Der Biergarten des Gasthauses bot 2000 Plätze. Im Zweiten Weltkrieg diente der einst beliebte Erholungsort als Lazarett und später als Quartier der Alliierten. Nach dem Krieg wurde es renoviert und war wieder ein Gasthaus. Für Ausflügler hatte der Ort allerdings an Reiz verloren. Sie kommen seitdem in überschaubarer Zahl.

Von Mario Moers

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