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Gehrden US-Soziologe probiert sich als Ökogärtner
Aus der Region Region Hannover Gehrden US-Soziologe probiert sich als Ökogärtner
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15:29 08.08.2018
Raphael Smith (von links) schleppt mit Ove (rechts, 13) und Cerstin Bär Gemüsekisten zum Lieferfahrzeug, damit Arne Wessel (Zweiter von links) die Ernte für die Anteilseigner der Gemeinschaftsgärtnerei in Abhollager transportieren kann. Quelle: Ingo Rodriguez
Leveste

Schnecken einsammeln und Unkraut jäten in Leveste – anstatt Literaturrecherche oder Bevölkerungsstudie in den USA oder in der Schweiz: Der 28-jährige Raphael Smith ist ein studierter Soziologe und Anthropologe, kommt aus dem US-Bundesstaat New Jersey und wohnt nach seinem Studium weiterhin in der Schweiz. Doch es ist ausgerechnet das kleine Dorf Leveste, wo sich der Jungakademiker mit Schweizer Pass nach seinem Master-Abschluss in einer völlig anderen Fachrichtung ausprobiert: als Ökogärtner, ehrenamtlich, vier Monate lang und schweißtreibend.

„Ich interessiere mich als Soziologe für Kulturen und Menschen, aber Kochen und Ernährung gehören auch zu meinen Leidenschaften“, sagt der freundliche US-Schweizer in einer sympathischen Mischung aus Deutsch und Englisch. Seit Mitte April schon packt Smith täglich in der Levester Gemeinschaftsgärtnerei Wildwuchs kräftig mit an. Dass er sich ausgerechnet diesen bio-veganen Gemeinschaftsbetrieb ausgesucht hat, um einmal eine nachhaltige und umweltschonende landwirtschaftliche Produktion in der Praxis kennen zu lernen, hat einen besonderen Grund. „Sein Stiefvater und mein Vater sind beste Freunde“, sagt Arne Wessel. Er ist der Inhaber der Gemeinschaftsgärtnerei, die nach dem Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft mit etwa 200 Anteilseignern gemeinsam regionales und saisonales Obst und Gemüse anbaut und erntet. In der Verbraucher-Erzeugergemeinschaft hilft Smith freiwillig mit. „Ich stelle ihm Unterkunft und Verpflegung“, sagt Wessel.

Raphael Smith Quelle: Ingo Rodriguez

Für seinen weltgewandten Gast ist die viermonatige Erfahrung aber nicht bloß eine fixe Idee gewesen, um sich einmal richtig auszutoben. Während seines Studiums in der Schweiz habe er die Bewegung Slow Food kennen gelernt. Die gleichnamige Organisation setzt sich für bewusstes und regionales Essen mit heimischen Produkten ein – als Gegenbewegung zum globalisierten Fastfood. Die Auseinandersetzung mit diesen Ideen habe bei ihm zu einem Umdenken geführt. „Ich will mich in Zukunft als Restaurantberater für gesunde und nachhaltige Produkte und Ernährung einzusetzen“, sagt Smith. Es habe nahe gelegen, die besondere Form der Produktion bei Wessel in Leveste auszuprobieren.

Welche Eindrücke er denn gewonnen habe? Ökologische Landwirtschaft sei hart und anstrengend. Aber der Respekt der beteiligten Menschen vor der Natur sei dafür sehr groß, sagt Smith. Das findet auch Cerstin Bär aus Schleswig-Holstein. Sie probiert sich ebenfalls in den Sommerferien für zwei Wochen mit ihrem 13-jährigen Sohn Ove in Leveste gegen Unterkunft und Verpflegung als Ökogärtnerin aus. Bär hat über das Netzwerk WWOOF (World-Wide Opportunities on Organic Farms) Kontakt zu Wessel aufgenommen. Die Frau aus dem kleinen Ort in Norddeutschland und der weltgewandte Jungakademiker haben ein gemeinsames Ziel. „Ich mache eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin“, sagt Bör und grinst dem US-Schweizer zu.

Raphael Smith (von links) schleppt mit Ove (13) und Cerstin Bär Gemüsekisten zum Lieferfahrzeug, damit Arne Wessel die Ernte für die Anteilseigner der Gemeinschaftsgärtnerei in Abhollager transportieren kann. Quelle: Ingo Rodriguez

Von Ingo Rodriguez

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