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Hemmingen Flüchtlinge haben es schwer, geeignete Wohnungen zu finden
Aus der Region Region Hannover Hemmingen Flüchtlinge haben es schwer, geeignete Wohnungen zu finden
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20:00 08.09.2019
Hermann Heldermann (links) berichtet den rund 40 Besuchern über die Aktivitäten des Hemminger Netzwerks für Flüchtlinge. Quelle: Tobias Lehmann
Hemmingen

Wie hat sich die Arbeit mit Geflüchteten seit dem Jahr des großen Zuzugs 2015 verändert? Darüber haben Mitglieder des bereits 2013 gegründeten Hemminger Netzwerks für Flüchtlinge vor rund 40 Gästen am Donnerstagabend im Ratssaal des Rathauses berichtet. Flüchtlingskoordinator Hermann Heldermann sagte, dass die Herausforderung aktuell darin bestehe, bezahlbaren Wohnraum zu finden. In Hemmingen leben zurzeit 319 Flüchtlinge, davon sind 224 bereits in dezentralen Wohnungen untergebracht und 95 wohnen noch in der Gemeinschaftsunterkunft an der Heinrich-Hertz-Straße.

In Hemmingen stehen wenig kleine Wohnungen zur Verfügung

Betroffen von der Wohnungsnot seien vor allem alleinstehende, junge Männer. „In der Gemeinschaftsunterkunft in Hemmingen leben viele junge Männer, die bereits eine Arbeit haben und sich kleine Wohnungen mit ein oder zwei Zimmern leisten könnten“, betonte Heldermann. Doch genau davon gebe es kaum welche in der Stadt. Unter den in Hemmingen lebenden Flüchtlingen sind 182 männlich und 137 weiblich. Die meisten leben in Arnum und Hemmingen-Westerfeld. In Harkenbleck und Wilkenburg sind zurzeit keine Flüchtlinge mehr untergebracht.

Die städtische Sozialarbeiterin Juliane Meyer betreut die Flüchtlinge seit 2016. Sie zeigte in einer Statistik den Zuzug nach Hemmingen seit dem Jahr 2015. Demnach kamen 2015 insgesamt 169 Flüchtlinge in die Stadt und im Folgejahr waren es mit 167 ähnlich viele. 2017 hingegen waren es nur vier. 2018 stieg die Zahl auf 64 und seit Januar diesen Jahres kamen 38 Flüchtlinge nach Hemmingen.

442 Flüchtlinge kamen und 265 gingen

Längst nicht alle Flüchtlinge bleiben in Hemmingen: 2015 verließen 31 von ihnen die Stadt, im Jahr darauf waren es 108. Der Fortzug aus unterschiedlichen Gründen setzte sich auch 2017 fort, als 44 Flüchtlinge Hemmingen verließen. Im vergangenen Jahr gingen 49 Flüchtlinge weg aus Hemmingen, und in diesem Jahr waren es schon 33. Dem Zuzug von 442 Flüchtlingen seit dem Jahr 2015 bis jetzt steht damit ein Fortzug von 265 gegenüber.

Analphabeten und Hochschulabsolventen in den Sprachkursen

Dietrich Westerkamp arbeitet in den Sprachkursen mit, die das Netzwerk für Flüchtlinge bereits seit Ende 2014 anbietet. Auch er kann aus seiner Erfahrung bestätigen, dass die Zahl der Flüchtlinge abgenommen hat.„In Arnum sind die Sprachkurse bereits ausgelaufen, in Hemmingen-Westerfeld bieten wir noch einen an.“ Die Kursteilnehmer seien sehr unterschiedlich. „Wir hatten Analphabeten wie auch Flüchtlinge mit abgeschlossenem Hochschulstudium“, sagte er. Für die Helfer des Netzwerks sei es ein großer Erfolg und auch eine persönliche Freude zu sehen, wie Menschen, die zuvor weder lesen noch schreiben konnten, sich jetzt in deutscher Sprache mündlich und schriftlich ausdrücken könnten, sagte Westerkamp.

Interkulturelle Frauengruppe mit Kochen, Musik und Tanz

Diana Wordel-Gries initiierte vor einigen Jahren die interkulturelle Frauengruppe in Hemmingen. „Zunächst ging es auch dort darum, die deutsche Sprache zu lernen. Doch dann haben wir das Projekt erweitert“, erläuterte die Deutschlehrerin. Sie habe begonnen, mit den Frauen zu malen, um den persönlichen Zugang untereinander auf eine andere Ebene zu heben. Als Dank begannen die weiblichen Flüchtlinge dann von sich aus, regelmäßig selbst gekochte Gerichte zu den Treffen mitzubringen. „Irgendwann haben wir dann begonnen, das Kochen und das Malen zu verbinden“, sagte Wordel-Gries. ““Jeweils eine Vertreterin eines Landes hat ein typisches Gericht ihrer Nation gemeinsam mit uns gekocht.“

Rund 30 Frauen sollen regelmäßig an dem im Mai ausgelaufenen Projekt teilgenommen haben. Wordel-Gries hat jedoch bei der Region Hannover bereits um Zuschüsse für die nächste Aktion gebeten. Dabei soll das Kochen mit Musik und Tanz verbunden werden.

Paten unterstützen im Alltag

Hans-Dieter Reinecke stellte schließlich noch das Projekt der Flüchtlingspaten vor. „Wir unterstützen die Flüchtlinge im Alltag, helfen zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen und dem Schreiben von Bewerbungen“, sagte er. Zudem beantworten die Paten häufige Fragen etwa nach den Rechten und Pflichten eines Bürgers in diesem Land, oder etwa dem Standort von Rathaus, Polizei und Supermarkt. „Bei Behördenbesuchen hilft ein Begleiter auch enorm“, sagte Reinecke. .“Die deutsche Bürokratie kann schon einschüchternd wirken.“ Er berichtete von Flüchtlingen, denen er 2015 und 2016 zur Seite stand und die heute einen Beruf haben und eigenständig im Leben stehen. „Von denen kommt jetzt ab und zu mal eine SMS mit der Frage, wie es mir geht“, sagte Reinecke.

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Von Tobias Lehmann

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