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Hemmingen Neujahrsempfang: Bürgermeister verurteilt rechte Gesinnung
Aus der Region Region Hannover Hemmingen Neujahrsempfang: Bürgermeister verurteilt rechte Gesinnung
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15:54 12.01.2020
Bürgermeister Claus Schacht (von links) verleiht die Ehrennadel der Stadt Hemmingen an Roland Frey und Ralf Brinkmann. Quelle: Tobias Lehmann
Hemmingen

Knapp 400 Gäste haben den Neujahrsempfang der Stadt Hemmingen am Freitagabend im Forum der Carl-Friedrich-Gauß-Schule besucht. Bürgermeister Claus Schacht begann seine Rede mit der Erinnerung an ein trauriges Ereignis: den antisemitischen Anschlag auf das Haus eines jüdischen Ehepaares im Mai in Hemmingen. „Die Betroffenheit in der Stadt war sehr groß, und die Ängste und Sorgen, die das bei den Opfern ausgelöst hat, umso mehr. Die große Solidarität, die dann in Folge zu erfahren war, hat aber gezeigt, dass Hemmingen kein Eldorado rechter Gesinnung sein will und auch nicht ist“, betonte Schacht.

Der Bürgermeister sagte zudem, dass auch Kommunalpolitiker, Landtagsabgeordnete sowie Vertreter des Bundestages immer größere Risiken eingehen, wenn sie sich offen gegen rechtes Gedankengut und Gewalt aus allen Lagern wenden. „Ich tue das, auch wenn dies mehr und mehr mit einem mulmigen Gefühl geschieht“, sagte Schacht.

Für die musikalische Unterhaltung beim Neujahrsempfang in Hemmingen sorgt die Schülerband Like „A“.

Erstmals mehr Kitaplätze als nötig

Der dienstälteste Bürgermeister der Region Hannover hatte aber auch erfreuliche Nachrichten mitgebracht. Schacht teilte mit, dass es erstmals nach dem Bau neuer Kindertagesstätten in den vergangenen Jahren mehr Kitaplätze gibt als zurzeit benötigt werden. „Ein Großteil unseres Haushalts fließt in diesen Sektor, allein an Personalkosten sind es rund 6,6, Millionen Euro. Das ist gut angelegtes Geld“, sagte Schacht.

Mehrere Millionen Euro werden in den nächsten Jahren unter anderem in die Erweiterung des Gebäudes der Kooperativen Gesamtschule Hemmingen (KGS) sowie aller drei Grundschulen fließen. „Die Stadt leistet damit einen elementaren Beitrag zur Qualität des Bildungsstandorts“, sagte Schacht. Ein weiterer finanzieller Schwerpunkt werde für die Stadt der Um- und Neubau von Feuerwehrgerätehäusern sowie der Kauf von Einsatzfahrzeugen. „Wenn wir funktionierende Wehren haben wollen, brauchen wir auch gute Rahmenbedingungen und motivierte Feuerwehrmitglieder, die alle ehrenamtlich tätig sind“, sagte der Bürgermeister.

Der Wohnungsmarkt bereitet Sorgen

Sorgen bereite die Situation auf dem Hemminger Wohnungsmarkt. „Bei einem aktuellen Bedarf von rund 400 weiteren Wohnungen ist der Wohnungsmarkt quasi ruhend“, sagte Schacht. Vor allem mangele es an bezahlbarem Wohnraum. Nicht zufrieden ist Schacht mit der bisherigen Diskussion über das Römerlager in Wilkenburg. Sollte der Bereich jahrelang für den Abbau von Kies freigegeben werden, bedeute dies eine erhebliche Belastung für die Bevölkerung. Dieser Aspekt sei bisher zu wenig gewürdigt worden.

Abschließend lobte Schacht das Engagement der lokalen Friday-for-Future-Gruppe. „Es sollte unser gemeinsames Ziel sein, Hemmingen als kinderfreundliche und klimafreundliche Stadt zu positionieren“, sagte er.

Ehrennadeln für Roland Frey und Ralf Brinkmann

Zu den weiteren Höhepunkte der Veranstaltung zählte die Verleihung der Ehrennadeln der Stadt Hemmingen an Roland Frey und Ralf Brinkmann. Frey wurde zwei Monate nach Schachts Amtsantritt als Bürgermeister in Hemmingen 1998 zum Stadtbrandmeister gewählt und hat 2019 nicht erneut kandidiert. Brinkmann war seit 2001 sein Stellvertreter und hat ebenfalls 2019 auf eine weitere Kandidatur verzichtet.

Schacht sagte, dass dieser ehrenamtliche Einsatz nicht hoch genug geschätzt werden könne. „Wer sich komplett der Feuerwehr verschreibt, muss familiär und beruflich manchmal einen Schritt zurücktreten“, sagte er. Der Bürgermeister lobte auch die hohe Professionalität der Feuerwehr. „Als ich beim großen Hochwasser 2015 aufgeregt hin- und herlief, blieben Frey und Brinkmann ganz ruhig und koordinierten den Einsatz“, sagte Schacht. Damals hatte es mehr als 300 Einsätze in einer Nacht gegeben. Der Rat habe aufgrund „des nachhaltigen Engagements über so einen langen Zeitraum“ beschlossen, Frey und Brinkmann die Ehrennadeln der Stadt Hemmingen zu verleihen. Die Gäste erhoben sich zum Applaus für die beiden sichtliche gerührten Feuerwehrmitglieder.

Abwenden werden sich Frey und Brinkmann von der Freiwilligen Feuerwehr jetzt aber nicht. „Wir freuen uns darauf, an den kommenden Jahresversammlungen als Gast teilzunehmen. Die erste Reihe gehört jetzt anderen, und das ist gut so“, sagte Frey. Gemeinsam mit Brinkmann bedankte er sich für die gute Zusammenarbeit mit allen Hemminger Ortswehren.

Sportler und Mannschaften des Jahres werden ausgezeichnet

Einen großen Stellenwert in Hemmingen hat auch der Sport. Rund 6000 Hemminger sind in Sportvereinen engagiert, sagte der Vorsitzende des Sportrings, Harald Gries. „Die großen Vereine haben im vergangenen Jahr mehr als 300.000 Stunden für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen ehrenamtlich angeboten“, sagte er. Gries freute sich deshalb, dass beim Neujahrsempfang die Einzelsportler sowie die Mannschaften des Jahres geehrt wurden.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Linkhof zeichnete Katrin Rosendahl aus dem SC Hemmingen-Westerfeld als Sportlerin des Jahres aus. Rosendahl ist im Rhönrad-Turnen aktiv, hat nach 21-jähriger Turnpause 2017 wieder damit begonnen und seitdem bereits mehrere Wettkämpfe gewonnen. Als Sportler des Jahres wurde Pavel Jakunin von dem stellvertretenden Bürgermeister Kurt Pages ausgezeichnet. Jakunin hat bereits als Sechsjähriger in seiner Heimat Minsk Tennis gespielt. Seit 2014 schlägt er für den SV Arnum auf und hat ebenfalls viele Erfolge vorzuweisen.

„Um die Mannschaft des Jahres wurde heiß diskutiert“, sagte Schacht. Deshalb habe er beschlossen, dieses Jahr einfach zwei Mannschaften auszuzeichnen: die Volleyball-Damenmannschaft des SC Hemmingen-Westerfeld und die Tischtennis-Damenmannschaft des SV Wilkenburg. Die Volleyballmannschaft ist in der Saison 2017/2018 erstmals in die Landesliga aufgestiegen und befindet sich dort zurzeit auf Platz drei. Die Tischtennisspielerinnen haben dreimal in Folge den Regionspokal gewonnen und würden deshalb intern als „das Real Madrid des Tischtennis“ bezeichnet, sagte Schacht.

Bürgermeister von Hemmingen in Baden-Württemberg richtet Grüße aus

Zu den besonderen Gästen der Veranstaltung zählte Thomas Schäfer, Bürgermeister der Gemeinde Hemmingen in Baden-Württemberg. „Zwischen uns ist über die Jahre eine Freundschaft entstanden. Herr Schäfer ist in der CDU und ich in der SPD, doch uns eint die Leidenschaft für den Fußball“, sagte Schacht. Er ist Fan von Hannover 96 und Schäfer vom VfB Stuttgart. Beide Mannschaften teilen das Schicksal, dass sie immer wieder mal zwischen der ersten und der zweiten Liga wechseln.

Schäfer sagte, dass beide Städte sich immer wieder Anträge zusenden, die ihnen fälschlicherweise zugestellt wurden. „Heute habe ich einen Antrag auf das Vorkaufsrecht nach dem niedersächsischen Wassergesetz mitgebracht, der bei uns im Rathaus gelandet ist“, sagte er augenzwinkernd. Anschließend stellte er kurz seine Kommune mit 8100 Einwohnern vor. Dort hatte er 2017 die Wahl zum Bürgermeister gegen zwei weitere Kandidaten mit 96,2 Prozent gewonnen.

Das Schlusswort sprach Pastorin Christine Behler aus Arnum. Sie lobte die gute Zusammenarbeit der Stadt mit den Kirchengemeinden. „Hemmingen steht dafür, Menschen mit verschiedenen Religionen und vielfältigen Ideen zu vereinen“, sagte sie. Anschließend spielte die Schülerband Like „A“ das Lied „We Are the Champions“ und eröffnete damit das Büfett.

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Von Tobias Lehmann

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