Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Hemmingen Rainer Dorau fährt mit dem Rad auf dem Jakobsweg
Aus der Region Region Hannover Hemmingen Rainer Dorau fährt mit dem Rad auf dem Jakobsweg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:03 09.08.2019
Radeln auf dem Jakobsweg: Adria Presas (links) und Rainer Dorau. Quelle: privat
Hemmingen

Der Hemminger Rainer Dorau war wieder unterwegs. Vor zwei Jahren ist der heute 64-Jährige auf seinem Fahrrad innerhalb von drei Wochen 1700 Kilometer von Düsseldorf über Paris und Lyon nach Barcelona gefahren. Dieses Jahr ging es im Juni von Barcelona aus auf den Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela. „Die Strecke war mehr als 1000 Kilometer lang und, was mich noch mehr beeindruckte, hatte mehr als 8000 Höhenmeter“, sagt Dorau. In seinen rund 30 Seiten langen Tagebuchaufzeichnungen berichtet Dorau von großer Hitze ebenso wie von sehr niedrigen Temperaturen, von sportlichen Herausforderungen und körperlichen Beschwerden und der Suche nach drei spanischen Schwestern, zu denen er zuletzt 1975 Kontakt hatte.

Mehr als 35 Grad

War auf Doraus großer Tour vor zwei Jahren über weite Strecken sein Schatten, dem er den Namen Carlos gab, der einzige Begleiter, wurde der Hemminger dieses Mal von einem Freund aus Barcelona begleitet. „Carlos war auch dieses Mal wieder mit dabei, aber nur fünf Tage. Solange hatten wir Sonnenschein“, sagt Dorau. An diesen ersten fünf Tagen der insgesamt elftägigen Tour fuhren Dorau und sein spanischer Begleiter Adria Presas von Barcelona bis Burgos bei Temperaturen von zum Teil mehr als 35 Grad. „Wir hangelten uns von Pause zu Pause und nutzten jeden Schatten als Erholung“, sagt Dorau.

Auf der Suche nach drei Schwestern

In Vorbereitung auf die Tour hatte Dorau unter anderem das Buch „Don Quijote“ des spanischen Autors Cervantes gelesen. Don Quijote nannte sein Pferd Rosinante. Dorau lieh sich diesen Namen für sein Vuelta-Rennrad, auf dem er seit 2005 unterwegs ist und das ihn seitdem noch nicht im Stich gelassen hat. „Immer wenn wir Pilger trafen, rief ich ihnen ,Adelante, Rosinante’, auf Deutsch ,Vorwärts, Rosinante’ zu“, sagt Dorau. Das Rad musste rund 100 Kilogramm Gewicht stemmen. Dorau wiegt rund 90 Kilo. Als Gepäck hatte er unter anderem Schlafsack, Isomatte, Winterkleidung und Reiseführer dabei, die insgesamt rund zehn Kilo wogen.

Auf der Etappe von Tudela nach Logrono trennten sich die Wege von Dorau und Presas kurzzeitig. Während der Spanier auf direktem Weg nach Logrono fuhr, machte Dorau einen Abstecher nach Pamplona. Hier lernte er im Jahr 1973 im Alter von 18 Jahren auf einer Reise mit Freunden eine Gruppe von Spanierinnen kennen. Besonders gut verstand er sich mit Menchu und ihren beiden Schwestern Juli und Loli. Bis 1975 hielt er mit Menchu Briefkontakt. „Wir verabredeten uns für den nächsten Sommer, also 1976“, sagt Dorau. Doch im folgenden Jahr lernte Dorau seine Frau kennen, und die Fahrt nach Pamplona fiel aus. Auch der Kontakt brach ab.

Doch Dorau behielt die Briefe und schrieb im Januar dieses Jahres in Vorbereitung auf seine Tour an die damalige Adresse. Eine Antwort erhielt er nicht. Dorau ging dann in Pamplona persönlich zu dem Haus, traf jedoch niemanden aus der Familie mehr an. Umso überraschter war er, als er eine Woche später eine Mail von Juli bekam. Sie wohnte mittlerweile nicht mehr in dem Haus, doch Doraus Brief war über Umwege bei ihr angekommen. Ihre Schwester Menchu ist bereits 1988 kurz nach der Geburt ihres Sohnes verstorben. Doch mit Juli hat sich Dorau jetzt für nächstes Jahr im Sommer in Pamplona verabredet.

Über Nacht wurde es kalt

Am fünften Tag ihrer Reise zog in Burgos über Nacht ein Sturm vom Atlantik mit starken Niederschlägen auf. Bei der Ankunft in Burgos zeigte das Thermometer am Abend noch 26 Grad, um 8 Uhr am nächsten Morgen nur noch acht Grad. Wegen des Sturms überbrückten die beiden Radfahrer zwei Tagesetappen zwischen Burgos und Leon mit dem Zug. Waren der Hemminger und sein Begleiter an den heißen Tagen immer so früh wie möglich gestartet, warteten sie jetzt ab, bis das Thermometer mindestens auf 6 Grad gestiegen war. „Mein spanischer Partner akzeptierte jetzt auch die lange Unterhose, die ich ihm großzügig überließ“, sagt Dorau augenzwinkernd. Kühl blieb es dann auch bis zum Ende der Tour. Mehr als 15 Grad wurden es nicht mehr.

Presas hatte selbst kaum Kleidung dabei. Dafür war er technisch gut ausgerüstet. Er hatte vorn am Lenker ein GPS-Gerät, hinten am Rad ein Handy und am Körper einen Pulsmesser. Irgendwo piepte es immer. „Mein Reisepartner fungierte praktisch als unser Bordingenieur und gab regelmäßig die wesentlichen Daten durch: Temperatur, Puls, Kalorienverbrauch“, sagt Dorau. Der Hemminger übernahm dafür überwiegend die Navigation, wobei er sich vorrangig an analogen Karten orientierte. Dorau lobt die Fahrradinfrastruktur in Spanien. Sowohl die großen wie auch die kleinen Städte hätten gut ausgebaute Radwege mit Fahrradstationen und Verleihsystemen.

Zeh hatte sich nach zwei Tagen wundgescheuert

Macht denn der Körper diese Art von Belastung anstandslos mit? „Irgendwo zwickte und zwackte es während der Fahrt immer“, sagt Dorau. Sein rechter großer Zeh hatte sich nach zwei Tagen wundgescheuert, sodass er für einen Tag eine Sandale tragen musste. Nach starken Steigungen machte sich zudem das rechte Knie bemerkbar. Dann nutzte Dorau eine Wundsalbe und legte die Belastung eher auf das linke Bein. Auf dem zweiten Teil der Tour wurden der Rücken und der Nacken durch die eiskalten Temperaturen verkühlt. „Es fühlte sich an, als hätte ich Zementsäcke geschleppt“, sagt der 64-Jährige.

Doch am Ende lohnte es sich. „Der Körper stellt sich nach wenigen Tagen auf die Reise ein und produziert Hormone ohne Ende, die diese Höchstleistungen ermöglichen“, sagt Dorau. Die im Ziel freigesetzten Glückshormone hätten sich wie ein Rausch angefühlt. Unbeschreiblich sei auch die Stimmung unter den Pilgernden gewesen, die ihre Urkunden in Empfang genommen haben. „Dabei trafen sich Pilger wieder, die ein Stück des Wegs zusammen zurückgelegt und sich dann wieder getrennt haben. Sie fielen sich in die Arme und freuten sich über das gemeinsam Geschaffte.“

Dorau hat seine ausführlichen Reiseberichte im Internet veröffentlicht: Von Düsseldorf nach Barcelona und von Barcelona nach Santiago de Compostela. 

Von Tobias Lehmann

Mitglieder der Ortsfeuerwehren Hemmingen-Westerfeld und Harkenbleck haben eine brennende Kopfweide an der K 222 zwischen Harkenbleck und Wilkenburg gelöscht. Ein Übergreifen der Flamme auf umstehende Bäume konnte verhindert werden.

08.08.2019

Die Planungen für die Neubauten der Feuerwehrgerätehäuser in Hemmingen-Westerfeld und Harkenbleck gehen voran. Der Entwurf für den Neubau in Harkenbleck soll im November präsentiert werden. Der Planungsauftrag für den Neubau in Hemmingen-Westerfeld wird im September vergeben.

07.08.2019

Die Feuerwehr hatte in der Nacht zu Mittwoch zwei Einsätze: In der Wohnung eines Hochhauses In Hemmingen-Westerfeld gab es einen Wasserschaden. Zudem glühten an der Grillhütte im Bürgerholz kleinere Äste.

07.08.2019