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Hemmingen Masterplan-Debatte: Autofreie Zone im Neubaugebiet Fläche 60?
Aus der Region Region Hannover Hemmingen Masterplan-Debatte: Autofreie Zone im Neubaugebiet Fläche 60?
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14:04 20.09.2019
Der Masterplan soll das Gelände beidseitig der B3 erfassen. Das Bild zeigt den Abschnitt zwischen der Weetzener Landstraße und der Gutenbergstraße. Die Baustelle dort dient der Vorbereitungen für die Stadtbahnverlängerung nach Hemmingen-Westerfeld. Quelle: Torsten Lippelt
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Hemmingen

Soll das Neubaugebiet Fläche 60 in Hemmingen-Westerfeld zur autofreien Zone werden? Die Bündnisgrünen befürworten dies als Ausdruck einer neuen Wohnqualität in Hemmingen, die Ratskoalition aus SPD und CDU sowie die Unabhängigen Hemminger (DUH) lehnen es ab.

Der Anlass für die Diskussion: Hemmingen soll, so fordern es die Grünen, einen Masterplan bekommen – nicht nur für das Neubaugebiet auf der sogenannten Fläche 60, sondern etwa einen Kilometer entlang an der Bundesstraße 3, also einschließlich des geplanten Dudler-Baus. Über den entsprechenden Antrag der Grünen wird im November in einer öffentlichen Sitzung des Fachausschusses diskutiert.

Die Fläche 60 befindet sich am Gartencenter Glende an der B3 in Hemmingen-Westerfeld. Das Gebäudeensemble mit vier Baukörpern nach den Plänen des Schweizer Architekten Max Dudler soll wenige hundert Meter weiter entstehen: an der B3/Ecke Weetzener Landstraße.

Ausschuss tagt im November

Der Rat hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend einstimmig beschlossen, den Antrag der Grünen in das Fachgremium zu verweisen – so wie es bei allen sogenannten Einbringungsanträgen in Hemmingen üblich ist. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt tagt am Donnerstag, 14. November, ab 19 Uhr öffentlich und voraussichtlich im Rathaus.

Im Rat wurde erneut deutlich, wie sehr die Fraktionen bei der Fläche 60 auseinander driften. Die Grünen fordern eine, wie sie es nennen, „angemessene Dichte“ vieler Häuser mit drei bis vier Stockwerken und untergeordnet auch Einfamilienhäuser, was die SPD/CDU-Ratskoalition und Die Unabhängigen Hemminger (DUH) ablehnen.

Autofreie Zone ist Streitpunkt

Strittig ist auch die autofreie Zone. Die Grünen argumentieren, die Bewohner könnten aufs Auto verzichten, weil direkt gegenüber die Stadtbahn-Endhaltestelle gebaut werde. „Doch autofrei scheint ein Kampfbegriff zu sein“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Joachim Steinmetz.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jens Beismann erwiderte, in einem interfraktionellen Gespräch habe er vergeblich versucht, den Grünen zu entlocken, was genau sie mit autofrei meinen. „Das ist ja nicht die Insel Juist, wo man mit dem Schiff ankommt und mit der Kutsche weiterfährt“, sagte Beismann im Rat. Doch die Grünen hätten deutlich gemacht, es gehe ihnen um „Schlagwortpolitik“. Beismann sagte: „Das können wir nicht gebrauchen.“

CDU: Fläche 60 ist sensibler Bereich

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulff Konze nannte die Fläche 60 einen sensiblen Bereich. „Es gibt die Sorge, dass mit einer starken Nachverdichtung was schiefgeht.“ Mit einer Mischung aus Sozialwohnungen sowie Einfamilien- und Reihenhäusern werde die Fläche 60 nicht zum sozialen Brennpunkt.

DUH-Fraktionschef Wolf Hatje machte deutlich: „Ich möchte nicht eine Situation vorfinden, wo ich nicht Auto fahren darf.“ So etwas müsse jeder für sich entscheiden. „Ich möchte bis zu meinem Lebensende meine Wasserkiste mit Glasflaschen bis an mein Haus fahren können.“ Hatje wohnt in Harkenbleck. Roman Binder (Grüne) forderte hingegen „inklusiv zu denken“. Die Grünen lehnen das Modell Einfamilienhaus und Doppelgarage ab.

Masterplan mit Dudler-Bau

Konze wies den Vorwurf der „Monokultur“, wie er es nannte, zurück: „Die Grünen suggerieren, hier sind die Modernen und dort jene, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben.“ Das Auto spiele und werde weiterhin eine große Rolle spielen. Es bedeute für viele nun mal auch Freiheit. Konze deutete an: „Im Fachausschuss ist zu beraten, ob es der richtige Zeitpunkt für einen Masterplan ist.“

Den sehen die Grünen gekommen, schon allein wegen des Dudler-Baus, wie Steinmetz betonte. In dem Gebäudeensemble sollen Hunderte neue Arbeitsplätze entstehen. Nach den zuletzt bekannt gewordenen Plänen wird der höchste Turm des Ensembles elf Stockwerke haben, also knapp 40 Meter hoch sein. Zur besseren Veranschaulichung für die Fläche 60 fordern die Grünen ein dreidimensionales Modell. „Das würde die Diskussion versachlichen“, sagte Steinmetz.

Klimaschutz auf der Fläche 60

Ein Mitglied der Fridays-for-Future-Ortsgruppe Hemmingen hatte sich in der Fragestunde der Zuhörer danach erkundigt, wie klimafreundlich die Fläche 60 sein werde. Bürgermeister Claus Schacht verwies darauf, dass es bisher nur „vage Entwürfe“ gebe, zumal das Gelände unterschiedlichen Eigentümern gehöre. „Ein zähes Geschäft“, sagte Schacht. Bis die Fläche bebaut sei, werden noch Jahre vergehen.

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Von Andreas Zimmer

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