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Hemmingen Hiddestorfer legen Pläne für Dorfküche vor
Aus der Region Region Hannover Hemmingen Hiddestorfer legen Pläne für Dorfküche vor
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18:10 23.11.2018
Setzen sich gemeinsam für eine Dorfküche in Hiddestorf ein: Antje Frenz (von links), Inga Köllner, Martha Reich und Inge Schäkel. Quelle: Tobias Lehmann
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Hiddestorf

Eine Dorfküche könnte ein neuer sozialer Mittelpunkt in Hiddestorf werden. Rund 20 Eltern sowie Vertreter aus Vereinen und Verbänden arbeiten bereits seit mehr als einem Jahr an der Umsetzung. „Wir haben viel Zeit und Herzblut investiert. Die Stadtverwaltung hatte uns 2017 auch dazu ermutigt“, sagt Martha Reich, Mitglied des Gremiums Dorfküche. Doch ob sich das Engagement gelohnt hat, steht noch nicht fest. Der Hemminger Stadtrat wird die Entscheidung am Donnerstag, 29. November, fällen.

In der Ausschusssitzung zu Beginn des Monats zeigten sich die Vertreter von SPD, CDU und DUH noch skeptisch. Lediglich die Bündnisgrünen kündigten bereits die Unterstützung des Projekts an. Die Dorfküche soll in der Mehrzweckhalle untergebracht werden, die im nächsten Jahr für 3,1 Millionen Euro saniert und erweitert werden soll. Diese Planung sieht jedoch nur eine Aufwärmküche vor. Eine Küche, in der frisch gekocht werden kann, wird nach Angaben des zuständigen Architekten noch einmal 240.000 Euro mehr kosten. Dass in der Küche die Kinder der anliegenden Grundschule und der Kindertagesstätte verpflegt werden, steht bereits fest. „Doch eine Dorfküche für alle Bürger wird es nur, wenn dort frisch gekocht und nicht aufgewärmt wird“, sagt die diplomierte Pädagogin Inge Schäkel.

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Antje Frenz, pädagogische Mitarbeiterin der Grundschule, ergänzt, dass eine Frischkochküche auch Vorteile für die Schüler habe. „Die Kinder bekommen einen besseren Bezug zum Essen, was der Grundstein für das spätere Ernährungsverhalten sein kann“, sagt sie. Das Gremium hat bereits eine Satzung zur Gründung des Vereins Dorfküche vorbereitet und dem Finanzamt vorgelegt. „Sollte der Stadtrat einer Frischkochküche zustimmen, könnte der Verein zur Unterstützung des Projekts sofort gegründet werden“, sagt Gremiumsmitglied Inga Köllner.

Die Hiddestorfer haben der Politik jetzt ein Konzept vorgelegt, in dem noch offene Fragen beantwortet werden. Teil des Konzepts ist auch eine Kalkulation über die Kosten.

Wer betreibt die Küche?

Das Gremium schlägt zwei Alternativen vor. Die Küche könnte von einem Caterer betrieben werden, der vor Ort frisch kocht. Das Gremium hat bereits mit verschiedenen Caterern in der Region gesprochen, die diese Leistung auch anbieten. Die Vergabe müsste allerdings öffentlich ausgeschrieben werden. Den Vertrag mit dem Caterer könne nur die Stadt als Träger abschließen. Der Verein würde sonst seine Gemeinnützigkeit verlieren. Diese Variante wird von den Mitgliedern des Gremiums bevorzugt. Denkbar wäre allerdings auch, dass der Verein die Dorfküche betreibt und die Verantwortung für die Einstellung des Personals und den gesamten Ablauf übernimmt. Die Hiddestorfer schlagen die Einstellung eines Kochs mit einer vollen sowie zwei Küchenhilfen mit je einer halben Stelle vor. Die Mitarbeit von Mitgliedern des Vereins sei nicht vorgesehen. Allerdings soll eine sogenannte Feuerwehrliste erstellt werden. Dort melden sich Hiddestorfer an, die für kurzfristige Hilfseinsätze in der Küche zur Verfügung stehen.

Gibt es in Hiddestorf überhaupt Interesse an einer Dorfküche?

Der Verein hat aktuell eine Umfrage im Dorf selbst organisiert. Von 86 befragten Eltern von Kindern in der Grundschule haben 60 geantwortet. Davon sprachen sich 54 Eltern, was 90 Prozent entspricht, für eine Dorfküche aus. 49 Eltern gaben an, dass sie zur besseren Planbarkeit auch bereit wären, ihre Kinder ein halbes Jahr im Voraus verbindlich für die Verpflegung in der Dorfküche anzumelden. Zudem sprachen sich 51 Eltern von Kindern in der Tagesstätte für eine Frischkochküche aus. Befragt wurden auch 17 Senioren im Ort. Diese gaben mehrheitlich an, dass sie für ein frisch gekochtes Essen bis zu 7 Euro zahlen würden. Der Verein hat kalkuliert, dass der Betrieb der Küche mit 4 Euro pro Essen inklusive Salat und Nachtisch betrieben werden kann. Als Grundlage für die Kalkulation wurde die Ausgabe von mindestens 150 Essen pro Tag zugrunde gelegt. Der aktuelle Caterer liefert zurzeit täglich rund 170 Gerichte für die Kinder in der Grundschule und der Kindertagesstätte.

Die Verwaltung hat sich in einer Vorlage bereits für die Umsetzung der Frischkochküche ausgesprochen. „Diese Empfehlung gilt grundsätzlich auch immer noch“, sagte Bürgermeister Claus Schacht auf Anfrage. Dennoch will er sich noch nicht zu hundert Prozent festlegen, wie er in der kommenden Woche abstimmen wird. Die Verwaltung hat bereits eine Förderung der Projekts auf Bundesebene beantragt. Die Zusage liegt jedoch noch nicht vor. Sollte die Förderung bewilligt werden, gebe es aus Sicht von Schacht keinen Grund, die Dorfküche abzulehnen. „Sollten wir die Zusage nicht bekommen, müssen wir uns die Kalkulation des Vereins allerdings genau anschauen. Wir können der Ausgabe von 240.000 Euro Steuergeld nicht zustimmen, wenn die Umsetzung des Projekts nicht wirklich wasserdicht ist“, sagt er.

Von Tobias Lehmann

22.11.2018
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