Hochwasserschutz in Hemmingen: Deichbau findet keine Mehrheit
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Hemmingen Mobile Wände sollen Hemmingen vor Hochwasser schützen
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18:33 26.05.2020
Katastrophenschutz in Hemmingen: Helfer errichten an der KGS einen Schutzdamm. Das Bild entstand im Juli 2017. Quelle: Andreas Zimmer (Archiv)
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Hemmingen

In Hemmingen wird kein Deich gebaut. Zum Schutz vor Hochwasser sollen nach dem Willen der Politik unter anderem mobile Schutzwände ausreichen. Dieses Szenario zeichnete sich nach vertraulichen Beratungen im Verwaltungsausschuss vor der entscheidenden Ratssitzung am Donnerstag ab.

Keine der drei diskutierten Varianten für einen Deich findet eine Mehrheit, wie Bürgermeister Claus Schacht auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte:

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Die sogenannte HQ-100-Lösung: Sie bietet mit einer acht Kilometer langen Trasse Schutz vor einem Hochwasser, das statistisch alle 100 Jahre vorkommt. Das würde etwa 20 Millionen Euro kosten.

Die 90-Prozent-Variante mit HQ-70-Schutz: Sie bietet mit einer vier Kilometer langen Trasse Schutz vor einem Hochwasser, wie es statistisch alle 70 Jahre vorkommt. Das würde etwa 5,5 Millionen Euro kosten.

Das 70-Prozent-Modell mit einem HQ-30-Schutz: Es enthält eine 3,3 Kilometer lange Trasse und ein Freibord. Das Freibord ähnelt einer kleinen Mauer. Das würde rund 4,3 Millionen Euro kosten.

Deichbau in Hemmingen

Dass die Pläne für einen Deichbau vom Tisch sind, deutete sich bereits Mitte Mai in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt an. Innerhalb der Fraktionen von CDU und Grünen gibt es keine einheitliche Linie – in der Ratssitzung am Donnerstag stimmt nun jedes Mitglied dieser beiden Fraktionen für sich.

Die SPD hingegen will geschlossen für die HQ-100-Variante votieren. Sollte diese Variante keine Mehrheit finden, stimmt die SPD für den erweiterten Katastrophenschutz. Für Letzteren sind auch die Unabhängigen Hemminger (DUH). Bürgermeister Claus Schacht ist für die 70-Prozent-Lösung mit Freibord. Dieses sei die Variante, die „förderfähig und genehmigungsfähig“ und in einem überschaubaren Zeitraum zu verwirklichen sei.

Kritik der Hemminger FDP wies Schacht am Dienstag zurück. Die Liberalen – nicht im Rat vertreten – fordern einen Stopp der Ausgaben und haben errechnet, dass die bisherige Planung für den Hochwasserschutz eine Million Euro „verschlungen“ habe.

Schacht entgegnete, dies sei „gut angelegtes Geld“. Denn sowohl für die geplante Erweiterung der KGS an der Hohen Bünte, als auch den geplante Neubau des Feuerwehrgerätehauses an der Weetzener Landstraße und auch private Bauvorhaben gelte: „Wenn baulich etwas geändert wird, brauchen wir die Daten für die Hochwasserstände und Fließpfade.“

Schutz vor Hochwasser

Unabhängig davon würden die gewonnenen Daten auch für den erweiterten Katastrophenschutz benötigt, schließlich könnten die mobilen Schutzelemente nicht einfach irgendwo hingestellt werden. Während die Ausgaben für die genannten Varianten feststehen, sind die Kosten für den erweiterten Katastrophenschutz weiter unklar. „Das ist aufwendig zu recherchieren“, erklärte Schacht. Der Verwaltungschef sagte, er schließe nicht aus, dass der nächste Rat nach der Kommunalwahl im kommenden Jahr auf das Hochwasserdatenpaket zurückgreife und die Situation dann ganz anders bewerte.

Die Ratssitzung am Donnerstag, 28. Mai, ist öffentlich und beginnt um 19 Uhr nicht wie sonst im Rathaus, sondern wegen der Corona-Pandemie aus Platzgründen im KGS-Forum. Dort ist die Zahl der Zuhörer auf 15 Plätze begrenzt. Wer zuerst da ist, kommt rein. Der Hochwasserschutz steht weit hinten auf der Tagesordnung: unter Punkt 19.

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Von Andreas Zimmer