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Hemmingen Dieser Hemminger versorgt die Promis mit Luxusautos
Aus der Region Region Hannover Hemmingen Dieser Hemminger versorgt die Promis mit Luxusautos
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00:18 07.01.2019
Matthias Uelschen. Quelle: Oliver Farys
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Matthias Uelschen hat einen besonderen Beruf: Er versorgt Prominente mit Autos, vor allem Profisportler. Jetzt hat er seinen 1000. BMW übergeben: einen X3 an die Doppel-Olympiasiegerin Heike Kemmer (Gold 2004 und 2008 im Dressurreiten).

Nach dem Abitur auf der Humboldtschule Hannover und nach einer Banklehre hat sich Uelschen 1994 selbstständig gemacht. 2001 erschien das Buch „Ausgesorgt“, 2007 „Hannovers kleines Sommermärchen“ und 2011 „Finanzplanung für Fußballprofis“. Von 2007 bis 2016 war er Geschäftsführer der Per-Mertesacker-Stiftung. Der 51-jährige Uelschen hat das Interview in seinem heimischen Wohnzimmer bei Kaffee mit Ziegenmilch und im Stehen gegeben. Die Lebenspartnerin und die Katze waren außer Haus, die beiden Kinder in der Universität beziehungsweise in der Schule, und der Königspyhton schlief im Terrarium.

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Bei Ihnen gehen also die Promis ein und aus. Wer denn?

Ich bitte um Verständnis, dass ich da keine Namen nennen kann. Bei Oliver Pocher und ganz wenigen Anderen darf ich das. Der Schauspieler und Moderator war mein erster Kunde und hat das erlaubt.

Matthias Uelschen (Mitte) mit Per Mertesacker (links) und Oliver Pocher bei einem Benefizspiel. Quelle: privat

Kommen die Promis mit Begleitung oder ohne?

Mal allein, aber auch mal auf dem Weg in den Urlaub mit der gesamten Familie an Bord.

Wie lange bleiben sie denn?

Manche nur auf einen Kaffee und nach fünf Minuten sind sie wieder weg. Es sind auch ein paar bekannte Comedians in meiner Flotte. Da ist es ein Genuss, wenn wieder Autowechsel ist. Diese Menschen sind ja von Haus aus unterhaltsam. Profisportler mögen es eher unkompliziert und zügig. Dafür haben manche aber ihre Beachvolleyball-Klamotten dabei.

Wieso?

Ich bin leidenschaftlicher Beachvolleyballer und habe ein Beachvolleyball-Feld mit Quarzsand auf dem Grundstück.

Schöne Sache für den Sommer. Aber im Winter…

...spielen wir natürlich auch. Neopren-Beachsocken an, Skiunterwäsche und los geht‘s. Es darf nur nicht regnen.

Bringen Sie auch Autos zu Ihren Auftraggebern?

Ja, aber das macht nur etwa zehn Prozent aus.

Warum soll ich denn ausgerechnet bei Ihnen ein Auto bestellen?

Wenn Sie VIP sind und innerhalb von 24 Stunden ein Fahrzeug benötigen, dann kann ich das organisieren. Versuchen Sie das mal in einem Autohaus. Im Rekordjahr 2015 verzeichnete meine Firma 72 VIP-Kunden bei 8,65 Millionen Euro Jahresumsatz.

Wie oft werden die Autos gewechselt?

Nach einem halben Jahr geht das Auto zurück, also ca. 120 bis 150 Autowechsel pro Jahr.

Oh, praktisch. Statt Winterreifen aufziehen zu lassen wechselt man einfach das ganze Auto. Haben die alle ein Hannover-Kennzeichen?

Ja, und die Fahrer mögen das. In Ihrer Heimatstadt vermutet sie niemand darin. Mit Hannover-Kennzeichen in Köln oder München hat man erhöhte Narrenfreiheit.

Gibt es ausgefallene Wünsche?

Kommt vor. Der Fußballspieler Daniel Van Buyten, das darf ich sagen, nimmt kein Auto unter 500 PS.

Was fahren Sie?

Einen BMW X4.

Und Ihr erstes Auto?

Ein Gebrauchtwagen mit 18 Jahren: ein roter Peugeot 205.

Das alles ist…

...Leidenschaft.

Dann sind Sie noch als Finanzplaner tätig und haben ein Reisebüro für Profisportler. Ging es in Ihrem Leben immer bergauf?

Ich kann mich nicht beschweren und habe das Glück gehabt, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Dafür habe ich aber auch hart gearbeitet. Ich habe dabei immer wieder Neues ausprobiert nach dem Motto Try und Error .

Was war denn Error?

Ein Geldroman, den ich als Hörspiel gemacht und persönlich zwei Tage lang in einem Studio von Pro7 in München gesprochen habe. Es war brüllend schlecht. Und eine Multimedia-Box mit Finanzcoach-Tipps auf 8 CDs habe ich in der Schweiz produzieren lassen, die allerdings keinen Absatz fand. Da sind etwa fünf Kubikmeter unverkaufte Ware in einem Container entsorgt worden.

Ihre Eltern arbeiten weiterhin. Ist das für Sie auch später eine Option?

Meine Eltern sind die besten Beispiele. Mein Vater Klaus ist 77 und in meiner Firma seit dem ersten Tag für die Bereiche Buchhaltung, Zahlungsverkehr und Zulassungswesen zuständig. Und meine als kaufmännische Mitarbeiterin angestellte Mutter Ute, sie ist 79, hilft fleißig bei der Überstellung von VIP-Neufahrzeugen von der Expo-Filiale in Hannover zur Kundenauslieferung nach Hemmingen mit. Aber es muss auch die richtige Work-Life-Balance geben. Und man darf sich selbst nicht so wichtig nehmen. Ich möchte mehr Zeit verbringen mit Dingen, die mich glücklich machen.

Eine neue Erkenntnis?

Nein, 2014 ist ein guter Freund von mir verstorben. Das hat mich nachdenklich gemacht. Und einiges ist mir zum 50. bewusster geworden.

Sind Sie ein religiöser Mensch?

Ja, das bin ich, ohne in der Kirche zu sein. Ich glaube an ein Karma und ein Leben nach dem Tod. Und dass man sich für andere Menschen engagieren sollte, die eher auf der Schattenseite stehen.

Sind Ihre Kinder autobegeistert?

Mein Sohn hat auch Benzin im Blut. Meine Tochter mag nur die Pferdestärken mit einem Sattel drauf.

Und die hören ständig Geldtipps von Ihnen? Welche?

Nein, nein, ich behellige niemanden. Aber es gibt eine einfache Regel: Weniger ausgeben als einnehmen.

Haben Sie auch einen guten Tipp für unsere Leser?

Edelmetalle kaufen, also zum Beispiel physisches Silber in Barrenform. Das kann man ab zirka 50 Euro bei einem zertifizierten Edelmetallhändler machen – bloß nicht im Internet ordern.

Gibt es etwas, wozu Sie sich aufraffen müssen, weil Sie es ungern machen?

Müll rausbringen, 200 Winterräder stapeln und Gerätetraining im Fitnessstudio.

Wo können Sie am besten entspannen?

Im Sporturlaub.

Lassen Sie mich raten: Beim Beachvolleyball?

Gern auch Tennis, Skaten, Mountainbiken, Wandern oder Skilaufen. Aber am liebsten im Sand. Ja, ein Beachvolleyballfeld sollte da sein. Ich gebe übrigens als Trainer Wochenkurse im Beachvolleyball im Wellnessclub Aspria am Maschsee in Hannover. Und 2020 möchte ich gern an den Deutschen Seniorenmeisterschaften im Beachvolleyball teilnehmen.

Matthias Uelschen bei seinem Lieblingssport Beachvolleyball. Quelle: privat

Ist ihre Partnerin auch so sportbegeistert?

Ja, sie liebt Sport wie ich.

Können Sie sich vorstellen woanders zu wohnen? Das Beachvolleyballfeld zieht natürlich mit.

Das ganze erste Quartal eines jeden Jahres im Süden. Vielleicht später einmal. Aber ansonsten bin ich Hemminger durch und durch. Ich habe als Kind auf dem Rathausplatz gespielt. Mein Großvater hat den Tennisverein mit gegründet. In Hemmingen sind meine Wurzeln, hier fühle ich ich wohl. Ah, ich sehe aus dem Fenster und die Post kommen. Wahrscheinlich wieder ein paar Strafzettel dabei.

Strafzettel?

Ja, die VIP-Autos sind doch auf mich zugelassen. Ich habe aber einen Deal mit den Fahrern. Sie müssen das Ticket zahlen und zusätzlich fünf Euro. Letzteres geht dann an einen guten Zweck. 175 Tickets waren es im letzten Quartal. Da gingen 875 Euro Spende an Adservior Hannover, eine gemeinnützige Einrichtung in Sachen „Schmetterlingskrankheit“.

Wer hat die meisten Strafzettel?

Da sind wir wieder am Anfang des Gesprächs: Diskretion. Aber Sie kennen ihn…

Von Andreas Zimmer