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Isernhagen Anlieger wollen kein Schwimmbad im Jacobiwäldchen
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Anlieger wollen kein Schwimmbad im Jacobiwäldchen
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00:21 24.03.2018
Das Jacobiwäldchen dient als Puffer zwischen dem Gewerbegebiet um Hornbach (unten Mitte) und dem Wohngebiet jenseits der Kircher Straße (rechts oben). Im Nordwesten schließen sich Kleingärten und die Heinrich-Heller-Schule (oben links) an. Quelle: Google Earth
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Altwarmbüchen

Als Standort für den Neubau des Isernhagener Hallenbads ist neben der Seestraße und dem Kirchhorster See auch das Jacobiwäldchen in Altwarmbüchen im Gespräch. Gegen ein Bad am kleinen Waldstück machen Anlieger der Gleiwitzer Straße mobil: Im Falle einer Rodung für den Schwimmbadbau würde die Grünzone als Trennung zwischen Wohn- und Gewerbegebiet wegfallen, so ihre Befürchtung.

Im Isernhagener Rat, wo Anwohner Werner Zelt jetzt die Einwohnerfragestunde nutzte, um auf die Sorgen vor einem Hallenbad am Jacobiwäldchen aufmerksam zu machen, betonte Bürgermeister Arpad Bogya, dass man sich noch in einem ganz frühen Stadium befinde. Doch zur Beruhigung taugte das nicht.

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Die Grundstücke von Werner Zelt und seinen Nachbarn an der Gleiwitzer Straße enden mit der Gartenpforte an der Kircher Straße. In Zelts Fall schließt sich eine Lärmschutzwand aus dicken Bohlen an, die er dereinst selbst errichtet hatte, um den Verkehrslärm von der Kircher Straße und der parallel verlaufenden Stadtbahnlinie zum haus hin abzuschirmen. Dass Politiker nun neben der Fläche des ehemaligen Soccerparks an der Seestraße (wo aktuell eine Flüchtlingsunterkunft steht) und einem Areal am Kirchhorster See (wo sich zuletzt Pläne für ein Tagungshotel zerschlagen hatten) auch das Jacobiwäldchen ins Spiel gebracht haben, hat die Anwohner aufgeschreckt.

Adressat der Kritik geworden ist nun der CDU-Fraktionsvorsitzende im Isernhagener Rat, Helmut Lübeck. Er hatte das Waldstück in der HAZ als verkehrsgünstig zur Stadtbahn und zum künftigen Grundschul-Standort im Gebäude der heutigen Hauptschule gelobt. Zudem sei das Wäldchen „momentan wirklich kein Schmuckstück“.

In einem Schreiben an Lübeck, unterschrieben von 18 Anliegern der Gleiwitzer Straße, betont Zelt die wichtige Funktion, die das Jacobiwäldchen als optisch grüne Abgrenzung zum Gewerbegebiet und als Schutzgeber vor Immissionen habe. Dies sei einer der Hauptgründe gewesen, das Grundstück 1966 zu kaufen. Durch den Bau der Kircher Straße und der Stadtbahn sei ohnehin schon ein bis zu 20 Meter breiter Streifen abgeholzt worden, so Zelt. „Der ständig steigende Pkw- und Schwerlastverkehr führt zu einer weiteren Belastung durch Lärm, Abgase und Feinstaub.“ Der Garten könne nicht mehr naturnah genutzt , gesundheitliche Schäden könnten nicht mehr ausgeschlossen werden. „Bitte geben Sie den für uns unbegreiflichen Plan auf und schützen Sie uns vor einer weiteren Verschlechterung unserer Wohnlage.“

„Ich versichere Ihnen, dass wir keineswegs beabsichtigen, hier einfach so Tabularasa zu veranstalten“, versichert der CDU-Fraktionsvorsitzende Lübeck den Anliegern der Gleiwitzer Straße in seinem Antwortschreiben. Für das neue Hallenbad – sollte es denn überhaupt realisiert werden – spiele die Standortfrage jedoch eine wichtige Rolle: „Gilt es doch, eine möglichst optimale Anbindung an wesentliche Nutzergeruppen zu ermöglichen.“ Das Jacobiwäldchen liege in unmittelbarer Nähe zur neuen Grundschule und sei auch über die Hannoversche Straße gut zu erreichen. Zudem benötigte das neue Bad bei weitem nicht die gesamte Fläche des Wäldchens. So böte sich gleichzeitig die Chance, die verbleibende Anlage wieder in ein „grünes Schmuckstück“ zu verwandeln, dass es leider schon lange nicht mehr sei, so Lübeck.

Ob vom Jacobiwäldchen nach einem Hallenbad-Bau jedoch überhaupt etwas übrig bliebe, daran haben die Anlieger der Gleiwitzer Straße erhebliche Zweifel. Es sei doch offensichtlich, dass die angrenzende Firma Hornbach „nur auf eine solche  Gelegenheit wartet, um als Eigentümerin auf ein gleiches Recht für die Nutzung des restlichen Waldes zu bestehen“, schreiben Zelt und seine Nachbarn. Sie erinnern damit an jahrealte Erweiterungspläne für das Betriebsgelände des Heimwerkermarktes.

Dass die Erweiterungspläne tatsächlich immer noch bestehen, das bestätigte Hornbach-Sprecherin Anne Spieß jetzt auf Nachfrage. Allerdings: „Dafür brauchen wir nicht unbedingt das Jacobiwäldchen.“

Von Frank Walter