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Isernhagen Prozess: Mann bleibt Unterhalt für seinen Sohn schuldig
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Prozess: Mann bleibt Unterhalt für seinen Sohn schuldig
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00:16 09.06.2019
Das Amtsgericht verhandelte jetzt gegen einen Vater, der seinen Unterhaltspflichten nicht nachgekommen war. Quelle: Symbolbild (Arne Dedert/dpa)
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Isernhagen/Lehrte

Ärger mit der Justiz hat sich ein Maurer aus Lehrte eingehandelt. Weil er für seinen in Isernhagen lebenden Sohn jahrelang zu wenig Unterhalt gezahlt hatte, fand er sich nun auf der Anklagebank des Amtsgerichts Burgwedel wieder. Wie sich herausstellte, hatte er schlichtweg nicht verstanden, was ihm verschiedene Behörden geschrieben hatten.

Jugendamt muss beim Unterhalt einspringen

Angeklagt war der 50-Jährige, weil er sich der gesetzlichen Unterhaltspflicht entzogen hatte. Er hätte für seinen Sohn monatlich rund 360 Euro zahlen müssen. Doch so viel Geld floss nicht, weswegen das Jugendamt der Region einspringen musste. Die Schulden des Angeklagten bei der Region summierten sich mittlerweile auf knapp 2000 Euro.

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Die Anklage sei für seinen Mandanten völlig überraschend gekommen, betonte dessen Strafverteidiger. Er stellte den 50-Jährigen als eher schlichtes Gemüt dar: „Er ist nur Maurer.“ Schriftstücke gebe er grundsätzlich seiner Lebensgefährtin zur Erledigung.

Chef sollte Unterhalt überweisen

Den Schriftverkehr zum Strafbefehl, den der Lehrter ebenfalls wegen Unterhaltsverletzungen 2017 vom Amtsgericht Burgwedel kassiert hatte, hatte der Mann allerdings an seinen Chef weitergereicht. Dieser sollte jeden Monat einen Teil des Lohns einbehalten und der Region überweisen. „Mein Mandant war fest davon überzeugt, dass das lief“, so sein Verteidiger.

So leicht wollte Richter Michael Siebrecht den Angeklagten nicht aus der Verantwortung entlassen. Warum er nicht vehementer nachgefasst habe bei seinem Chef, wollte er vom Angeklagten wissen. „Vielleicht hat Ihr Chef das Geld ja unterschlagen?“ Seinen Chef unter Druck setzen, das könne sein Mandant schon aus seiner Persönlichkeit heraus nicht, so der Strafverteidiger. Zudem herrsche in der Baubranche ein rauer Ton und ein starkes Über- und Unterordnungsverhältnis.

Geflossen war nur ein Teil des Geldes

Licht ins Dunkel brachte erst die Zeugenaussage einer Jugendamtsmitarbeiterin: Der Chef hatte das Geld keineswegs unterschlagen, allmonatlich waren Zahlungen an die Region geflossen – allerdings nicht die geforderten 360 Euro Unterhalt, sondern lediglich 200 Euro.

Wie sich herausstellte, hatte der Maurer bei den Behördenschreiben offenbar die Übersicht verloren. Die monatlich 200 Euro resultierten aus dem Strafbefehl von 2017. Richter Siebrecht hatte damals eine Verwarnung mit Strafvorbehalt ausgesprochen: Der Maurer, dessen Einkommen stark schwankte, sollte für sein Kind monatlich mindestens 200 Euro überweisen. Andernfalls wäre eine zur Bewährung ausgesetzte Geldstrafe zum Tragen gekommen. Der Maurer hatte dieses Schreiben allerdings offenkundig so verstanden, dass er fortan statt 360 nur 200 Euro überweisen müsse.

Prozess endet mit Einstellung unter Vorbehalt

Im Beschluss kam der Maurer mit einem blauen Auge davon. Sollte er wie zugesichert seine Schulden bei der Region schnell bezahlen, wird das Verfahren eingestellt. Unbenommen davon bleibt, dass er monatlich rund 360 Euro für seinen Sohn überweisen muss. „Maurer hin oder her, dafür sind Sie verantwortlich. Ihr Sohn braucht das Geld“, gab der Richter ihm mit auf den Weg.

Von Frank Walter