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Isernhagen Wie lassen sich die Tagesmütter halten?
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Wie lassen sich die Tagesmütter halten?
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00:15 29.05.2017
Insbesondere Eltern von jüngeren Kindern entscheiden sich in Isernhagen für eine Tagesmutter. Quelle: Symbolbild
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Isernhagen

Bisher muss jede Tagesmutter mindestens einen 160-Stunden-Kurs absolvieren, um die notwendige Pflegeerlaubnis vom Jugendamt zu bekommen. Mit ihr darf eine Tagesmutter maximal fünf Kinder gleichzeitig betreuen. Wer bereits fachlich ausgebildet ist – beispielsweise als Sozialassistent oder Erzieher – braucht den Kurs nicht zu absolvieren.

Das Land hat jetzt jedoch seine Förderrichtlinien geändert und stellt nun höhere Anforderungen an die Qualifikation der Tagesmütter – bis zu 560 Stunden seien das Ziel, so berichtete Sabine Müller, Leiterin des Kindertagespflege-Büros Isernhagen, im Jugendausschuss. Jeweils zum 1. März werde geprüft, welcher Ausbildungsstand bei den Tagesmüttern vorliegt – und danach der Zuschuss ermittelt.

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Kindertagespflege ist ganz bestimmt keine Notlösung“, betonte Müller im Ausschuss. Gerade bei jüngeren Kindern entschieden sich Eltern bewusst für eine Tagesmutter. Der familiäre Rahmen, die geringe Kinderzahl und die hohe Flexibilität bei den Betreuungszeiten würden als Vorteile geschätzt.

97 Kinder aus Isernhagen werden aktuell von einer Tagesmutter betreut – 43 davon in den drei Großtagespflegestellen, zu denen sich Tagesmütter zusammengeschlossen haben. 77 der betreuten Kinder sind jünger als drei Jahre. In allen Ortsteilen gibt es Tagesmütter, nur in F.B. nicht. „Wir müssen reagieren und die Tagesmütter motivieren, sich weiterzubilden“, betonte Müller. Eine Pflegeerlaubnis werde stets für fünf Jahre ausgestellt. Wie sich das Jugendamt der Region zu den neuen Förderrichtlinien verhalte, ob die Behörde auch weiterhin bei einer 160-Stunden-Ausbildung die Pflegeerlaubnis erteile, sei noch nicht klar. Die Gemeinde ist derweil auf die Betreuungsplätze bei den Tagesmüttern angewiesen – erfüllen diese doch auch den Rechtsanspruch der Eltern.

„Die Frage ist, wie wir unsere Tagesmütter halten können bei diesen steigenden Anforderungen“, erklärte Amtsleiterin Silvia Voltmer. Denn neben den neuen Förderrichtlinien, die bei geringeren Zuschüssen im Zweifelsfall auch höhere Kosten für die Gemeinde bedeuten könnten, sei ein großes Problem, dass es in der Kindertagespflege kein regionsweit einheitliches System gebe.

Eltern aus Isernhagen zahlen für eine Betreuungsstunde bei einer Tagesmutter aktuell 1,88 Euro – die Gemeinde stockt je nach Ausbildung der Betreuungsperson auf 4,20 Euro (bei Grundausbildung) oder 5 Euro (bei pädagogischer Ausbildung) auf. Allerdings: Die Stadt Hannover zahlt 30 Prozent mehr. „Und es gilt die Gebührensatzung, woher das Kind stammt“, erklärte Voltmer. Wird ein Kind aus Isernhagen also beispielsweise bei einer Tagesmutter in Thönse betreut, wird diese nach dem Isernhagener Satz von Eltern und Gemeinde bezahlt. Wird ein Kind aus Hannover in Isernhagen betreut, gilt der Gebührensatz der Stadt. „Das führt dazu, dass Isernhagener Tagesmütter gern Kinder aus Hannover nehmen“, sagte Müller. Bis zu 15 Plätze waren so schon extern vergeben. „Und wir können das nicht verbieten, sie sind selbstständig.“

Die Frage sei daher, ob und wie die Gemeinde ihre Satzung ändern muss, um Tagesmütter zu halten, bei Fortbildungen zu unterstützen und zu motivieren, Isernhagener Kinder zu betreuen.

Von Carina Bahl