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Isernhagen Hopfenfest: Vereinsgründung überrascht Vereine
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Hopfenfest: Vereinsgründung überrascht Vereine
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00:20 02.02.2019
Im Schatten des Kirchturmes hatten 2018 über den Tag verteilt geschätzt rund 1000 Besucher zur Premiere des Hopfenfestes nach Isernhagen K.B. gefunden. Quelle: Archiv (Sandra Köhler)
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Isernhagen K.B

Die Vorbereitungen für die Neuauflage des Hopfenfestes in K.B. stehen unter keinem guten Zeichen. Ein Vorbereitungstreffen der Vereine und des Ortsrates endete jetzt im Streit. Ob alle bei der Premiere 2018 Beteiligten auch in diesem Jahr dabei sein werden, bleibt abzuwarten.

Anfang Juni 2018 hatten geschätzt 1000 Besucher den Weg zur St.-Marien-Kirche angetreten und sich Streetfood und Craft-Bier schmecken lassen. Schnell stand fest, dass Ortsrat, Kirche, Bürgerstiftung, Lions, Schützen und Feuerwehr eine Wiederholung des Hopfenfestes anstreben.

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Vereinsvertreter sprechen von „Vertrauensbruch“

So gut die Laune der Organisatoren beim Fest und danach auch war, so getrübt ist die Stimmung nun nach einem Vorbereitungstreffen in der vergangenen Woche. Je nach Naturell werden die Vereinsvertreter in ihrer Wortwahl mehr oder weniger deutlich. Von „Entsetzen“ und einem „Vertrauensbruch“ ist da die Rede, von „Unehrlichkeit“ und einer „bösen Überraschung“, davon, dass „die K.Ber das allein können und keinen von außen brauchen“ und sich die Vereine aus der Planung zurückziehen könnten. Andere Gesprächsteilnehmer formulieren moderater, aber in der Sache ähnlich.

Ziel der Kritik ist K.B.s Ortsbürgermeister Matthias Kenzler (FDP). Dieser hatte nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Teilnehmer bei dem Treffen für diese völlig überraschend erklärt, gemeinsam mit zwei Ortsratskollegen und einigen Außenstehenden – darunter auch Personen aus anderen Ortsteilen – zwei Tage zuvor einen neuen Verein beim Amtsgericht angemeldet zu haben: den Hopfenfest e.V. (in Gründung). Bei den Vereinsvertretern kam das denkbar schlecht an. Sie fühlen sich einerseits hintergangen und fürchten andererseits um ihr Mitspracherecht beim doch eigentlich gemeinsamen Hopfenfest. Entweder müsse der neue Verein sofort wieder liquidiert werden oder aber der Gründungsvorstand zurücktreten und so Platz auch für Abgesandte der traditionellen Vereine machen, so die Forderung.

Ob solcher Kritik räumt der gescholtene Ortsbürgermeister nun Fehler ein: „Mir ist natürlich längst klar, dass es ungeschickt war, die Vereinsgründung vorzunehmen, ohne darüber im Vorfeld mit dem Orgateam zu sprechen“, so Kenzler. Gemeinsam mit seinen Ortsratskollegen hoffe er, dass der Graben nun nicht unüberbrückbar sei. Einen ersten Schritt zur Beruhigung der Gemüter hat Kenzler gemacht: Im Protokoll zum Vorbereitungstreffen erläutert er detailliert, welche Rolle der Hopfenfest e.V. denn nun genau einnehmen werde. Dieser solle eben nicht das Organisationsteam oder dessen Entscheidungshoheit ersetzen, sondern vielmehr „administrative und rechtliche Aspekte optimieren“ – auch für das Hopfenfest, aber ebenso für andere künftige Veranstaltungen im Ort. Der Verein solle es beispielsweise ermöglichen, Rechnungen zu stellen, ein Konto zu führen und Spendenbescheinigungen zu verfassen – das Finanzamt hat dem Verein mittlerweile die Gemeinnützigkeit in Aussicht gestellt.

Der Kommentar: Reichlich ungeschickt

Matthias Kenzler stand bislang nicht im Verdacht, stets mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Als einziger Liberaler im Fünfer-Ortsrat muss der Ortsbürgermeister dort seit seiner Wahl immer wieder aufs Neue inhaltlich überzeugen, um Mehrheiten zu finden.

Nach allem, was bis jetzt bekannt ist, scheint Kenzler auch mit der Gründung des neuen Vereins keineswegs das Hopfenfest zu seiner persönlichen Party machen zu wollen. Ankreiden lassen muss es sich der Ortsbürgermeister dennoch, die Vereinsvertreter mit dem Hopfenfest e.V. derart überfahren zu haben. Was hätte denn dagegen gesprochen, mit der Gründung einfach noch ein paar Tage bis nach dem Treffen zu warten und dort alle vorab zu informieren? Ja, es war reichlich ungeschickt, wenn nicht gar politisch naiv, dies nicht zu tun.

Den Isernhagenern bleibt zu wünschen, dass sich die K.B.er nun doch noch zusammenraufen. Das Hopfenfest 2018 hatte vielen Besuchern Appetit auf mehr gemacht. Es wäre schade, wenn diese gute Idee nun an falscher Kommunikation zerbricht.

Von Frank Walter

30.01.2019
02.02.2019