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Isernhagen A2-Center: Dieb rangelt mit Ladendetektiv
Aus der Region Region Hannover Isernhagen A2-Center: Dieb rangelt mit Ladendetektiv
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16:28 13.12.2018
Das A2-Center lockt nicht nur Käufer, sondern immer wieder auch Diebe an. Quelle: Archiv (Imke Koch)
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Altwarmbüchen

Ein Dieb rangelt mit einem Ladendetektiv auf offener Straße um die Beute. Ein anderer Täter entfernt Sicherungsetiketten von der Ware und hat dabei ein Klappmesser in der Tasche: Zwei Diebstähle hochwertiger Bekleidung aus dem A2-Center in Altwarmbüchen werfen ein Schlaglicht auf die vielen Fälle, bei denen sich Kriminelle ins Einkaufsgetümmel stürzen.

Dieb und Detektiv rangeln um Beute

Laut der Polizei hatte ein Unbekannter am Montag gegen 13.45 Uhr in einem Geschäft in der Shopping Mall zwei Winterjacken und eine dunkelblaue Weste im Gesamtwert von 630 Euro von einem Kleiderständer genommen und war dann gegangen, ohne zu bezahlen. Er soll sich kaum eine Minute im Laden aufgehalten haben. Ein Sicherheitsmitarbeiter lief dem Mann hinterher und stellte ihn einige Hundert Meter weiter an der Stadtbahnhaltestelle. Dabei kam es zu einem Gerangel um die Beute. Dem Detektiv gelang es, dem Unbekannten die beiden Jacken zu entwinden. Mit der dunkelblauen Weste rannte der Dieb weiter auf das benachbarte Toyota-Grundstück und entkam in unbekannte Richtung.

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Bei dem Täter handelt es sich laut der Polizei um einen Mann Mitte bis Ende 30, etwa 1,70 Meter groß und von normaler Gestalt. Er hat eine Glatze mit Haarschatten, einen Kotelettenbart und eine auffällig dicke Nase. Bekleidet war er mit einer schwarzen Hose, einer eben solchen Jacke und darunter einem grauen Kapuzenpullover. Die Polizei ermittelt wegen des Gerangels nun wegen eines räuberischen Diebstahls. Darauf steht eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr. Mögliche Zeugen sollten sich im Kommissariat Großburgwedel, Telefon (05139) 9910, melden.

Mit Trick die Sicherungen entfernt

Der zweite Fall hat am Donnerstag das Amtsgericht Burgwedel beschäftigt. Mit einem technischen Trick hatte ein 32-Jähriger im selben Bekleidungsgeschäft in der Shopping Mall die Sicherungsetiketten von teurer Markenbekleidung entfernt. Lag es an seinem Alkolisierungsgrad von mehr als ein Promille, dass er dabei den Leuten in seiner Umgebung zu wenig Beachtung schenkte? Jedenfalls beobachteten Angestellte, wie der 32-Jährige die Beute in einer Tasche verstaute. Der hinzugerufene Ladendetektiv förderte bei der Durchsuchung drei Lederjacken, vier Gürtel und fünf T-Shirts hervor – Verkaufspreis rund 950 Euro.

Weil der Mann bei der Tat außerdem ein Klappmesser bei sich führte, sah er sich nun am Amtsgericht Burgwedel einer Anklage wegen Diebstahls mit Waffen gegenüber. Ein Urteil gab es jedoch nicht, stattdessen handelten die Prozessbeteiligten einen Deal aus: Das Gericht stellte das Verfahren ein, im Gegenzug nahm der Angeklagte die Rechtsmittel zurück, die er gegen ein Urteil vom Oktober eingelegt hatte. Damals hatte ihn das Amtsgericht Hannover bereits zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt – ebenfalls wegen Ladendiebstählen.

Für die Filialleiterin des Geschäftes im A2-Center und ihren Ladendetektiv – die das Amtsgericht als Zeugen geladen hatte, letztlich aber nicht befragen musste – sind diese beiden Fälle nur die Spitze des Eisbergs. Solche Diebstähle schädigten den Einzelhandel nachhaltig – nicht nur im Weihnachtsgeschäft, sondern das ganze Jahr über, sagte die Filialleiterin „Das sind fast alles Profis, die ganz gezielt teure Sachen stehlen. Kaufmännisch ist das eine Katastrophe.“

Ihr Mitarbeiter, der auf immerhin zwölf Jahre Erfahrung als Ladendetektiv zurückblicken kann, sieht das genauso: Früher habe er es mehr mit Gelegenheitsdieben zu tun gehabt, heute seien vor allem Profis am Werk. Häufig hätten diese auch noch Messer dabei, was seine Eigensicherung um so wichtiger mache. Eine andere Variante sei, dass Eltern ihre Kinder zum Klauen schickten. „Es wird immer schlimmer!“, sagt der Mann, der schon häufig als Zeuge vor Gericht aussagen musste.

Von einer Zunahme an Ladendiebstählen berichtet auch A2-Center-Manager Christian Krause. Das sei nicht nur im Einkaufszentrum an der Opelstraße so, sondern insgesamt im EinzelhandelKrause hatte zuvor auch schon die Promenade im Hauptbahnhof geleitet. Seit einigen Jahren erlebe man regelrechte „Raubzüge“, und das trotz moderner Sicherungstechnik. Das Wort „Wettrüsten“ geht Krause dabei nicht über die Lippen. Fakt sei aber, dass auch die Diebe ihre Methoden immer weiter verfeinerten: „Beide Seiten passen sich der veränderten Situation an“, umschreibt das Krause.

Von Frank Walter