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Isernhagen Amtsgericht verhandelt Diebstahl in Baumarkt
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Amtsgericht verhandelt Diebstahl in Baumarkt
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16:29 29.04.2019
Vor dem Amtsgericht akzeptierte der Handwerker den Strafbefehl wegen Diebstahls letztlich doch. Quelle: Archiv (Frank Walter)
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Altwarmbüchen

Dass Kunden auch in einem Baumarkt ihre Ware bezahlen müssen, ehe sie zum Parkplatz streben, dürfte keine sonderlich neue Erkenntnis sein. Die Argumentation eines Handwerkers, warum er dies in einem Baumarkt in Altwarmbüchen unterlassen hatte, fand vor dem Amtsgericht nun keine Anerkennung. Statt es auf ein möglicherweise härteres Urteil ankommen zu lassen, stimmten der Angeklagte und sein Rechtsanwalt dem Vorschlag des Richters zu, doch besser den zuvor ausgestellten Strafbefehl wegen Diebstahls zu akzeptieren.

Zwei Palettenwagen voll mit Material hatten der 30-jährige Inhaber einer Handwerksfirma und mehrere seiner Mitarbeiter an jenem Novembermorgen in Richtung der Kassen geschoben. Auf einem der Wagen lagen auch zwei Rollen PVC-Boden im Wert von 724,50 Euro für die Renovierung einer Mehrfamilienhauses. Den Bodenbelag hatte der Mann eigenen Angaben nach online bestellt und sich dann im Baumarkt zuschneiden lassen.

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Amtsgericht sieht sich Videoaufnahmen an

Was genau sich dann im Kassenbereich zugetragen hatte, das ließ sich im Prozess auf dem riesigen Monitor verfolgen, der normalerweise ungenutzt in einer Ecke des Gerichtssaals steht. Denn beim täglichen Abgleich, welche Zuschnitte ausgegeben und welche Ware dann auch tatsächlich bezahlt worden war, war der Fehlbestand aufgefallen. Daraufhin hatte sich der Marktdetektiv die Videoaufnahmen aus dem Kassenbereich angesehen – und war fündig geworden.

Im Baumarkt bezahlt wird nur die übrige Ware

Auf den Aufnahmen, die im Prozess abgespielt wurden, kann man verfolgen, wie die Kassenmitarbeiterin zahlreiche Artikel von den beiden Palettenwagen einscannt. Die beiden großen PVC-Rollen bleiben dabei von ihr unbeachtet. Zu sehen ist im Film auch der Warenbegleitzettel, der Angaben zur Größe des Zuschnitts sowie die Artikelnummer aufführt und den die Kunden an der Kasse vorzulegen haben. Am Anfang der Sequenz hält der nun angeklagte Handwerker den Zettel in der einen Hand, dann in der anderen, dann steckt er ihn zusammengefaltet in die Hosentasche. Er schickt seinen Mitarbeiter mit dem Palettenwagen samt des PVC-Bodens hinaus und zückt das Portemonnaie, um die übrige Ware zu bezahlen.

Angeklagter spricht von Missverständnis

Unterstützt von seinem Strafverteidiger, sprach der Angeklagte von einem Missverständnis. Seine bestellte Ware sei nicht vollständig gewesen, 90 Quadratmeter Fußboden hätten gefehlt. Er sei davon ausgegangen, dass er beide Teile der Bestellung zusammen am nächsten Tag habe bezahlen sollen. So habe er die Mitarbeiterin beim Zuschnitt verstanden – möglicherweise ein Missverständnis. Amtsrichter Michael Siebrecht empfand die Zahlung erst am nächsten Tag allerdings als „lebensfremd“. Die betreffende Mitarbeiterin sagte zudem als Zeugin aus. Sie war sich „ziemlich sicher“, auch im konkreten Fall dem Kunden gesagt zu haben, dass er den Zettel an der Kasse vorlegen müsse. „Das ist mein obligatorischer Text seit 20 Jahren.“

Angesichts dieser Indizien empfahl der Richter dem Angeklagten, den Einspruch gegen den Strafbefehl doch besser zurückzunehmen – dieser Hinweis sei ein Akt der Fairness zur Schadensbegrenzung. Der Handwerker willigte ein. Er muss nun 30 Tagessätze à 30 Euro bezahlen. Außerdem muss er sich einen anderen Baumarkt suchen – die betreffende Firma aus Altwarmbüchen hat ihm ein dauerhaftes Hausverbot erteilt.

Von Frank Walter