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Isernhagen Markt mit antiken Tischen, historischer Bronze und altem Porzellan
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Markt mit antiken Tischen, historischer Bronze und altem Porzellan
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16:52 14.04.2019
Yi Wen hat einen Teller von 1650 aus der Ming Dynastie bei Händler Wolfgang Nowack entdeckt. Quelle: Patricia Chadde
Altwarmbüchen

Das Wetter ist unwirtlich: Es regnet, es ist kalt und die Sonne lässt sich nicht blicken. Bestes Wetter für Veranstaltungen drinnen, im Trockenen, im Warmen. Eigentlich müsste der Antik-Markt im A2-Center brummen. Eigentlich. Rund 500 Besucher haben am Sonntag die Veranstaltung besucht. Es hätten ruhig ein paar mehr sein können, findet auch Veranstalter Carsten Grimm. Seit zehn Jahren organisiert er Märkte in der Region und muss immer häufiger feststellen, die große Zeit dieser Märkte ist vorbei.

„Die Leidenschaft des Sammelns gibt es heute nicht mehr“

Vor allem eines fällt auf, wenn man an den Ständen vorbeischlendert. Viele junge Leute sieht man nicht. Weder bei den Verkäufern noch bei den Besuchern. Die Generation der Sammler beginnt bei der Generation 50 plus, mancher Händler zählt aber auch schon stolze 84 Lenze. „Die Leidenschaft des Sammelns gibt es heute nicht mehr“, sagt Grimm. „Die Gesellschaft wandelt sich. Früher haben die Leute Briefmarken und Fotoapparate, Füllhalter oder was auch immer gesammelt. Das fehlt heute, die jungen Leute haben ihr Handy und Schluss.“

40 Händler sind nach Altwarmbüchen gekommen

Dabei gibt es auf dem Antik-Markt in Altwarmbüchen viel zu entdecken. Organisator Carsten Grimm kennt die meisten seiner Antik-Anbieter schon lange und kann manche außergewöhnliche Geschichten berichten. So ging Schmuck- und Uhrenexperte Alfred Fricke seinerzeit in Hannover mit Adriano Celentano in die Uhrmacherlehre. Da wirft ein Interessent, der gerade eine Taschenuhr begutachtet und die Story mitgehört hat, doch gleich noch einmal einen genaueren Blick auf das feinmechanische Wunderwerk vor ihm. „Es ist unglaublich, was die Liebhaber von historischem Kunsthandwerk alles reinschleppen“, würdigt Carsten Grimm den physischen Einsatz seiner Händler. 40 sind am Sonntag nach Altwarmbüchen gekommen. Wer Schmuck präsentiert hat es da noch leicht. Doch Händler mit Bildender Kunst oder antiker Holzmöbeln im Angebot haben schwer zu schleppen. Schließlich wiegt der Massivholz-Biedermeier Tisch mit der polierten Schellack-Oberfläche viel schwerer, als ein moderner aus dem Möbelhaus.

Ein Mantel aus geschorenem Nerz für 1200 Euro

Pünktlich um 11 Uhr öffnet sich die Tür des A2 Centers. Interessiert, aber entspannt bummeln die ersten Besucher entlang der liebevoll präsentierten Schätze. „Ein Mantel aus geschorenem Nerz für 1200 Euro ist wirklich günstig“, staunt Rosemarie Radzun über ihre Entdeckung. Doch am Ende entscheidet sich die Hannoveranerin für einen italienischen Sommerschuh, den sie vielleicht schon Ostern tragen kann.

Die Bandbreite des Antik Markt-Angebotes ist enorm und reicht vom Papp-Osterei aus den 1960er Jahren für 35 Euro bis zu einer chinesischen Bronze aus dem elften Jahrhundert, deren Preis Verhandlungssache ist. „Interesse ja, Sammelfieber nein“, fasst Valentin Lamprecht seine Haltung zusammen. Der Isernhagener begleitet seine Mutter, die ihm unlängst eine Löwenskulptur aus Bronze schenkte. „Ich könnte mir schon vorstellen, noch mal etwas ähnliches aus dem Material zu kaufen“, so Lamprecht. Aber vom Aufbau einer Sammlung ist er weit entfernt.

„Langfristig droht den Veranstaltungen der Tod“

Das wiederum findet Grimm schade und ist für ihn ein Zeichen der Zeit. Darunter leiden nicht nur seine Märkte. „Langfristig droht diesen Veranstaltungen der Tod“, sagt er. „Leider.“ Einige Märkte hätten in den vergangenen Jahren bereits aufgegeben. „Auch den großen Antik-Markt im hannoverschen Congress-Centrum gibt es nicht mehr“, nennt er ein Beispiel.

Darum ist es für einige Händler eine Art Abverkauf. Am liebsten würden sie ihre gehorteten Schätze möglichst zügig unters Volk bringen und sich dann zur Ruhe setzen. Aber ein paar Jäger und Sammlerpersönlichkeiten finden sich auch heute noch. Antik Markt-Organisator Carsten Grimm steuert auf Larry König aus Nürnberg zu. Der freut sich über ein Artdeco-Armband mit violetten Steinen, kann aber noch ein anderes Schmuckstück vorzeigen. „Dieser Goldring mit Aquamarin ist ein Erbstück“, berichtet er.

Im Herbst gibt es den nächsten Antik-Markt“

Lotti Kraft aus Langenhagen sitzt an einem Stand mit historischem Geschirr. Tortenteller, Porzellanhauben und ein umfangreiches Kaffeeservice in zartem Rosa zählen zu ihrer Präsentation, doch ihr Kuchen liegt auf einem Pappteller. „Es ist sehr nett hier, ich bin zufrieden“, erklärt die Langenhagenerin. Einen Verbesserungsvorschlag hat sie dennoch: „Im City Center Langenhagen öffnet die Eisdiele während des Antik-Marktes, während sich die Restauration hier auf ein kleinen Snackstand beschränkt“. Wer bummelt will auch Kaffee trinken und was Süßes bekommen“, ist die versierte Händlerin überzeugt.

„Sagen wir mal, der Besuch heute war okay“, sagt Grimm, als kleines Resümee seiner Veranstaltung und gibt ein Versprechen ab. „Im Herbst wird es hier den nächsten Antik-Markt geben.“

Von Patricia Chadde

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