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Isernhagen Auf dem Wöhler-Dusche-Hof wird die Geschichte lebendig
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Auf dem Wöhler-Dusche-Hof wird die Geschichte lebendig
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19:03 01.08.2019
Martha aus Hamburg testet, wie früher Wäsche gewaschen wurde. Quelle: Alina Stillahn
Isernhagen N.B

Wer ein Heimatmuseum immer noch mit Mief und Langeweile verbindet, wird im Wöhler-Dusche-Hof in Isernhagen N.B. eines Besseren belehrt. Dort lauschen Kinder bei unserem Besuch gebannt einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin. Sie erklärt den Schülern, wie die Menschen früher ihre Wäsche gewaschen, Wasser beschafft und sich gewaschen haben. In dem Moment kommt Astrid Jeuther vorbei. Sie kennt sich in dem großen Bauernhaus bestens aus. Zu jedem Winkel, zu jedem Gegenstand kann sie etwas erzählen.

20 Jahre lang war Jeuther Vorsitzende des Vereins Nordhannoversches Bauernhausmuseum. Sie war dabei, als der Verein 1989 gegründet wurde, und auch, als er 2014 sein 25-jähriges Bestehen feierte. Etwas zurückgezogen habe sie sich, aber natürlich ist sie nun wieder vor Ort: In diesem Jahr werden gleich zwei Jubiläen gefeiert. Das Museum wurde vor 25 Jahren eröffnet, und 25 Sonderausstellungen fanden seitdem statt.

Museum musste erst mal renoviert werden

Bis zur Eröffnung des Museums hatte der Verein einiges erledigt. „Man muss ja von außen nach innen renovieren“, erklärt Jeuther lachend. Erst die Südfassade, dann wurde der Bauerngarten angelegt. 1994 folgte die Sanierung des Kammerfachs, bestehend aus Wohnstube, Schlafkammer und Altenteiler. Was früher allein der bäuerlichen Familie vorbehalten war, stand nun allen Isernhagenern offen. Das Museum war eröffnet.

Ziel war es, den ursprünglichen Zustand des Hauses wiederherzustellen. Allein im Kammerfach musste viel herausgerissen werden: Das Haus war bis dahin mehrfach renoviert worden. Auch Flüchtlinge hatten dort gelebt. „Ich habe jemanden kennengelernt, der sein Zimmer hier hatte“, sagt Jeuther. Doch nun sollten sogar die Wände traditionell mit einer früher üblichen Kalk-Quark-Mischung verputzt werden. Das wurde auch in einem Artikel über die Eröffnung des Museums erwähnt. Jeuther hat ihn aufgehoben, doch den Putz hat es erwischt, er blätterte ständig ab. Da musste dann doch handelsübliche Farbe herhalten.

Mit diesem Wagen fuhren früher die Hopfenfahrer. Quelle: Alina Stillahn

Im Museum wird klar: Nicht alles ist selbstverständlich

25 Sonderausstellungen wurden seitdem in dem Museum organisiert. Die erste 1995 drehte sich um den Hopfen. Auch Mitglieder der Familie Dusche, die das Bauernhaus früher bewohnte, waren Hopfenfahrer. „Damit haben die Isernhagener ihr Geld verdient,“ sagt Jeuther. Nach Dänemark hätten sie den Hopfen gefahren und auf dem Rückweg gleich Pferde mitgebracht. So wuchs auch das Museum. Die zweite Ausstellung widmete sich dann dem Herd, der just im Jahr 1996 saniert und wiederhergestellt wurde.

Seit 2010 verantwortet Inge Hanslik die Sonderausstellungen. Das Thema in diesem Jahr ist „Reinlichkeit und Pflege“. Darüber weiß sie einiges, zum Beispiel, dass es 1925 eine Typhusepidemie in Hannover gab, dass um 1900 die Sterblichkeit bei Kindern bis fünf Jahren noch bei 20 Prozent lag und wie schwierig sich die Wasserversorgung gestaltete. Doch Wissen ist schön und gut, es muss auch vermittelt werden. Gleich nebenan schleppen die Kinder Eimer mithilfe eines Tragjochs vom Brunnen weg. Das Erzählte wirkt sofort erlebbar. Darum weiß auch Hanslik, die selbst Geschichte unterrichtet hat. „Es ist sicher eine Gemeinsamkeit der Ausstellungen, dass die Kinder verstehen, dass nicht alles selbstverständlich ist“, sagt sie. Ihr ist aufgefallen, dass die Kontroversen früher gar nicht so anders waren als heute. Dafür verweist sie auf die Ausstellung von 2011 über Wanderungsbewegungen zwischen 1840 und 1960. „Es gab damals schon Migration.“

Astrid Jeuther zeigt den alten Brunnen. In der Ausstellung wird deutlich: Früher war es nicht so leicht, an Wasser zu kommen. Quelle: Alina Stillahn

Jubiläum schön und gut, aber es braucht auch Ideen

Doch damit nicht genug: Über die Frauen müsse man mal etwas machen, meint Jeuther. „Das waren starke Frauen.“ Man müsse ja auch immer Ideen haben. Dass Jeuther sich mit ihren Ideen vielleicht ebenfalls bei den starken Frauen einreihen könnte, weiß die neue Vorsitzende Ute Schaumann. Um solch ein Projekt zu stemmen – ein Museum zu gründen –, bräuchte es schon Mut, sagt sie. Doch bei allen starken Frauen, Hopfenhändlern und Wanderungsbewegungen: Wie schafft man es, so viel über Geschichte zu wissen? Jeuther meint bescheiden: „Mit jeder Ausstellung lernt man wahnsinnig viel dazu.“ Da gibt es noch mehr, meint Schaumann: „Man muss mit dem Herzen dabei sein.“

Herz und auch Leidenschaft, das braucht es, um solch ein Projekt ehrenamtlich umzusetzen. Damit das Heimatmuseum auch lebendig bleibt, sind enge Kooperationen mit den Schulen, dem Erzählcafé und Theaterprojekten notwendig. Und noch etwas anderes, meint Jeuther: „Im Wöhler-Dusche-Hof kommt man nicht nur zum Arbeiten zusammen.“ Gerade für die älteren Generationen sei der Hof früher immer ein Treffpunkt gewesen, damit sie nicht das Gefühl hatten, allein zu sein. Das sei auch so geblieben, bestätigt Schaumann. Dienstags nach der gemeinsamen Gartenarbeit kämen alle zum Mittagessen zusammen.„Hier ist es wie ein Gemeinschaftshaus“, sagt Jeuther lächelnd.

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Von Alina Stillahn

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