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Isernhagen Gemeinde kauft Blitzer-Anhänger: An diesen Stellen darf er stehen
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Gemeinde kauft Blitzer-Anhänger: An diesen Stellen darf er stehen
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16:29 10.11.2019
Der Rat stimmte mit großer Mehrheit für den Kauf eines eigenen Blitzer-Anhängers für Isernhagen. Quelle: Frank Walter (Archiv)
Isernhagen

Die Gemeinde intensiviert die Jagd auf Raser: Für 140.000 Euro wird Isernhagen einen Blitzer-Anhänger kaufen, der reihum an Dutzenden von Messstellen im Gemeindegebiet stehen kann. Darauf hat sich der Rat jetzt mit großer Mehrheit verständigt. Die Politiker beendeten damit eine jahrelange Diskussion um eine intensivere Verkehrsüberwachung, wie sie sich viele Bürger wünschen.

Gepanzerte Hülle schützt teure Messtechnik.

Solch futuristisch aussehende Blitzer-Anhänger sind in Isernhagen kein ganz neuer Anblick: Die Polizeiinspektion Burgdorf hatte ein baugleiches Gefährt bereits unter anderem an der Steller Straße in Kirchhorst aufgestellt, um Schnellfahrer zu erwischen. Später war dieser Anhänger mit dem Namen „Alice“ dann allerdings bei einem Verkehrsunfall von einem Lastwagen zerstört worden.

Wenn nicht gerade ein 40-Tonner den mobilen Blitzer rammt, ist ein solcher Anhänger allerdings weitgehend gegen Zugriffe von außen geschützt: Die akkubetriebene Messanlage auf Basis eines Autoanhängers – ein sogenannter Engorgement Trailer (zu deutsch etwa: Vollstreckungsanhänger) – verfügt über eine gepanzerte Außenhülle und ein Alarmsystem zum Schutz vor Vandalismus. Wenn ein geblitzter Raser also aus Wut zum Hammer greifen sollte, wäre dies ein relativ sinnloses Unterfangen.

Blitzer-Anhänger funktioniert ohne Personal.

Bislang setzt die Gemeinde ein Auto als Radarwagen ein, während der Messungen muss ein Mitarbeiter im Fahrzeug sitzen. Der Blitzer-Anhänger hingegen kann bis zu fünf Tage am Stück ununterbrochen eingesetzt werden, ohne dass jemand die Messungen überwachen muss. Dabei liefert der Blitzer auch nachts verlässlich scharfe Fotos.

Bürgermeister: Wir wollen Isernhagen sicherer machen

„Wir wollen Isernhagen sicherer machen. Ich halte die Anschaffung für sinnvoll“, sagte Bürgermeister Arpad Bogya und warb so im Rat um Zustimmung zur 140.000-Euro-Investition. „Die Verkehrsmessungen geben her, dass auf vielen unserer Straßen zu schnell gefahren wird“, sagte Herbert Löffler (SPD). Und auch die CDU signalisierte Zustimmung: „Der Wunsch nach mehr Messungen kommt auch aus der Bürgerschaft“, erinnerte H.B.s Ortsbürgermeister Simon Müller. Wichtig für seinen Ortsteil: Nach positiven Voten der Landesstraßenbehörde und der Polizei kann die Gemeinde jetzt auch vier Messstellen an der Burgwedeler Straße (L381) herrichten – drei in H.B., eine in N.B. Die meisten Messpunkte in Isernhagen sind in Parkbuchten verortet, einige auch auf dem Randstreifen, der dafür geschottert wird.

Bei der Abstimmung enthielt sich die FDP, lediglich die AfD stimmte gegen die Anschaffung. Man dürfe nicht so viel Geld ausgeben „für noch mehr staatliche Überwachung“, sagte Jürgen Klingler (AfD).

Gemeinde Wedemark hat gute Erfahrungen gemacht

Die Nachbargemeinde Wedemark hatte bereits im Januar einen solchen Blitzer-Anhänger gekauft. Und die Investition hat sich in mehrfacher Hinsicht ausgezahlt: So ist es laut der dortigen Gemeindeverwaltung auf den Straßen ruhiger geworden, und der Polizei zufolge ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit schwerwiegenden Folgen zurückgegangen. Bis Ende Juli blitzte das Gerät fast 15.000 Temposünder, trauriger Spitzenreiter war ein Raser mit 121 Stundenkilometern innerorts.

Für die Wedemark hat sich die Investition von rund 140.000 Euro finanziell fast schon amortisiert. In den ersten sieben Monaten spülte die Technik dort gut 100.000 Euro in die kommunale Kasse. Ein weiterer Teil der Strafen für die ertappten Raser ging wie mit der Region Hannover vereinbart an die Bußgeldstelle. So wird es auch in Isernhagen sein.

Hier kann die Gemeinde blitzen

An diesen Messpunkten kann die Gemeinde Isernhagen aktuell Geschwindigkeitsüberwachungen vornehmen, teilweise auch in beide Fahrtrichtungen:

Altwarmbüchen: Bothfelder Straße (jeweils gegenüber Hausnummer 3, 39 und 53), Farrelweg 17/19, Hannoversche Straße 22, Isernhagener Straße (fünf Messpunkte), Königsberger Straße 8/10, Möwenkamp 5.

Isernhagen F.B.: Lohner Weg (gegenüber 13).

Isernhagen H.B.: Burgwedeler Straße/Ecke Vor der Hahle, Burgwedeler Straße/gegenüber Nolteweg, Burgwedeler Straße/gegenüber Saaten-Union, Sieversdamm 26/28.

Isernhagen K.B.: Asphalweg 10, Dorfstraße gegenüber 6, Hagenstraße 22-28, Heinrich-Könnecke-Straße 2a und gegenüber 6, Kircher Vorfeld.

Isernhagen N.B.: Am Ortfelde gegenüber 88, Burgwedeler Straße/Ecke Holbeinstraße.

Kirchhorst: Binsenweg 29, Einfahrt Binsenweg, Neuwarmbüchener Straße 20, 23/23a und 28, K116 Höhe Neuwarmbüchener Straße, Moosgrund, Steller Straße 7, 82b und 98/98a.

Neuwarmbüchen: Auf dem Kley, Herrenwiesen (gegenüber 16/18), Höfestraße 19.

Der Kommentar von Frank Walter: Mehr Sicherheit tut not

Viel zu lange schon kommen viele Raser in Isernhagen ungeschoren davon. Es ist dringend Zeit, das zu ändern. Für stationäre Blitzer sieht die Polizei keinen Anlass, weil Unfallschwerpunkte fehlen – mit dieser Begründung muss man leider leben. Gerade deshalb aber sollten die Verantwortlichen bei der mobilen Überwachung schnell zulegen. Denn deren Ergebnisse und auch die Beobachtungen vieler Bürger zeigen, dass sich längst nicht jeder ans Tempolimit hält. Und die Schnellfahrer gefährden nicht nur sich, sondern auch andere.

Die Region blitzt nur dort, wo sie auch Verkehrsbehörde ist, also nicht in Isernhagen. Die Polizei steht ab und an mit der Laserpistole am Straßenrand – was kaum disziplinierende Wirkung hat.

Und die Gemeinde selbst? Die Smiley-Tafeln, die zum Einhalten des Tempolimits mahnen sollen, bringen offenkundig nichts. Manch ein Autofahrer gibt – für sein Selbstwertgefühl? – sogar noch extra Gas, wenn er eine solche Tafel sieht.

Der Messwagen der Gemeinde funktioniert nicht ohne Personal, und dessen Zeit dafür ist knapp bemessen. Trauriger Nebenaspekt: Der Blitzerwagen konnte bislang ausgerechnet an der viel befahrenen L381 in H.B. und N.B. gar nicht stehen, weil offizielle Messpunkte fehlten – ein Versäumnis, das nun der Vergangenheit angehört. Die Blitzerattrappe, die Bürger in ihrer Not dort gezimmert hatten, bekommt endlich Gesellschaft durch den Blitzeranhänger.

Dass sich dessen Anschaffung schnell amortisieren und die Gemeinde langfristig Überschüsse erwirtschaften wird, ist ein netter Nebeneffekt. In erster Linie aber geht es um mehr Sicherheit auf Isernhagens Straßen, und die ist dringend nötig.

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Von Frank Walter

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