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Isernhagen Bon-Ha: Lärm von Nachtflügen macht krank
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Bon-Ha: Lärm von Nachtflügen macht krank
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15:10 17.05.2019
Dieter Poppe von der Arbeitsgemeinschaft Bon-Ha begrüßt die Besucher des Informationsabends im Gasthaus Dehne. Quelle: Sandra Köhler
Isernhagen N.B

 „Gesundheit geht vor!“ So hat die Arbeitsgemeinschaft Besser ohne Nachtflug Hannover Airport (Bon-Ha), nicht nur ihren neuen Flyer überschrieben. Während einer Bürgerversammlung im Gasthaus Dehne in Isernhagen N.B. erfuhren Interessierte aus erster Hand, wie und warum die Nachtflüge aus ihrer Sicht krank machen. Mit Snefried-Oda Buchweitz-Klingsöhr, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, und dem Internisten Dr. Ulrich Trensch bot die Initiative, die für den Flughafen Hannover-Langenhagen ein Verbot von Nachflügen in der Zeit von 22 bis 6 Uhr durchsetzen will, Fachleute als Referenten und Gesprächspartner auf. Die Anzahl der Besucher blieb mit knapp zwei Dutzend jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Studien belegen: Nachtfluglärm macht krank

Snefried-Oda Buchweitz-Klingsöhr, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, und der Internist Dr. Ulrich Trensch legen die Gesundheitsgefahren durch Nachtflüge dar. Quelle: Sandra Köhler

Nachtfluglärm macht krank: Von Depressionen über Vorhofflimmern und Herz- und Kreislaufbeschwerden, Gefäßschäden bis hin zur Konzentrationsschwäche reichen die Folgen, heißt es nach Aussage der Experten in mehreren Studien. Der Grund dafür: Stress. Denn obgleich der Mensch sich an Umwelteinflüsse wie Lärm zu gewöhnen scheine, reagiere der Körper weiterhin auf ganz ursprüngliche Weise, sagte Dr. Trensch: „Wir Menschen sind Fluchtgeschöpfe, und durch das Ohr werden dem Unterbewusstsein Gefahren signalisiert.“ Nehme das Gehör, etwa durch nächtliche Überflüge, entsprechende Geräusche auf, bereite sich der Körper unabhängig von einer realen Gefahr auf Abwehr vor, stoße Adrenalin aus und erhöht den Blutdruck. Und zwar immer wieder, Nacht für Nacht.

Statt Nachtflugverbot droht der Freifahrtschein

Am Flughafen Langenhagen soll es keine Nachtruhe geben: Dies sieht der jetzt vorgelegte Entwurf für die ab 2020 nötige neue Nachtflugregelung des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums vor. Der 1952 eröffnete Flughafen mit seinen rund 6,3 Millionen Passagieren und mehr als 75 000 Flugbewegungen im Jahr gehört zu den wenigen Stadtflughäfen, bei denen ein Nachtflugbetrieb erlaubt ist. Bisher wird diese Regelung alle zehn Jahre überprüft, die aktuelle Regelung läuft Ende 2019 aus. Statt der Einführung eines Nachtflugverbotes, wie es von der Bon-Ha gefordert wird, steht sogar die Entfristung der bisher eingeschränkten Betriebserlaubnis im Raum. Schon im Koalitionsvertrag hat sich die Landesregierung für die Beibehaltung des 24-Stunden-Betriebs ausgesprochen: „SPD und CDU bekennen sich zur wichtigen Rolle des Flughafens Hannover-Langenhagen im norddeutschen Luftverkehrskonzept und wollen zur Absicherung des 24-Stunden-Betriebs die notwendigen Lärmschutzmaßnahmen ausbauen.“ Das Land setzt zwar zumindest bei den Passagiermaschinen auf den weiter zunehmenden Einsatz leiserer Triebwerke und will einige Richtwerte verschärfen. Die Auswirkungen sind jedoch gering: Nach Informationen des Ministeriums hätten im vergangenen Jahr – bemessen nach der künftigen Regelung – nur insgesamt 26 Flugzeuge aufgrund ihrer Typenklasse zwischen 23 und 6 Uhr nicht in Langenhagen starten oder landen dürfen.

„Der Deutsche Ärztetag hat bereits 2012 ein Nachtflugverbot gefordert, die Weltgesundheitsorganisation spricht sich für eine achtstündige lärmfreie Nachtruhe aus“, sagte Trensch. Laut WHO sei die Lärmbelästigung durch Fluglärm zehnmal so stark wie bei Straßenlärm, bei mäßigem Fluglärm steige die Anzahl an Depressionen um 23 Prozent. „Und bei den gemessenen Spitzen von über 80 Dezibel handelt es sich nicht mehr um mäßigen Lärm“, sagte Dieter Poppe von der Arbeitsgemeinschaft Bon-Ha. Problematisch ist seiner Meinung nach, dass laut Mittelwert von 55 Dezibel Grenzwerte formal nicht überschritten werden, real indes schon. Angesichts von mehreren Flügen pro Stunde komme der Körper gar nicht mehr zur Ruhe. „Menschen haben ein Anrecht auf Schlaf pro Nacht und nicht im Durchschnitt von mehreren Monaten“, sagte Poppe.

Anwohner überlegen wegzuziehen

Mehr als 10 000 Nachtflüge im Zeitraum von Mai bis Oktober, eine Zunahme der Lautstärke an sechs von neun Messstellen trotz des Einsatzes von Passagiermaschinen mit leiseren Triebwerken, eine zu erwartenden weiteren Zunahme der Nachtflüge, darunter vermehrt Frachtflüge mit alten, also lauteren Maschinen: Es werde nicht besser. „Einige meiner Nachbarn überlegen schon, wegzuziehen“, sagte ein Besucher aus der Gartenstadt Lohne. Der Frust sei groß, die Hoffnung, dass sich ein Nachtflugverbot erwirken lasse, gering. Auch wenn sich einige Menschen aufgrund günstigerer Mieten in fluglärmintensiveren Bereichen niedergelassen haben, hätten diese trotzdem das gleiche Recht auf Lebensqualität und Gesundheit wie jeder andere, sagte ein Besucher aus Isernhagen mit Nachdruck.

Von Sandra Köhler

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