Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Isernhagen CDU sucht einen neuen Vorsitzenden
Aus der Region Region Hannover Isernhagen CDU sucht einen neuen Vorsitzenden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 25.01.2019
Der bisherige CDU-Vorsitzende Timm Jacobsen (Dritter von links, hier nach seiner Wahl im März 2017). Nach Jacobsens Rücktritt haben seine Stellvertreter Malte Neubert (von links), Maren Becker und Sandra Richert die Vorstandsarbeit fortgeführt. Quelle: Archiv (privat)
Anzeige
Isernhagen

Die CDU Isernhagen steht vor einem personellen Neuanfang. Nach dem Rücktritt des bisherigen Vorsitzenden Timm Jacobsen muss sich bis zur Hauptversammlung am Freitag, 8. Februar, ein neuer Kandidat finden, der den 240 Mitglieder starken Gemeindeverband leiten und so auch auf die Kommunalwahl im Herbst 2021 vorbereiten will.

„Es wird jemand machen“, äußert sich Malte Neubert zuversichtlich. „Wir haben für alle Posten gute Kandidaten im Blick“. Der Altwarmbüchener hatte seit Jacobsens Rücktritt gemeinsam mit Maren Becker und Sandra Richert als weiteren stellvertretenden Gemeindeverbandsvorsitzenden dafür gesorgt, dass die CDU Isernhagen handlungsfähig blieb.

Anzeige

CDU-Vorstand spricht mit Kandidaten

„Mit zwei, drei Kandidaten“ für den Vorsitz stehen laut Neubert nun noch Gespräche an. Dass wie oft üblich einer der stellvertretenden Vorsitzenden an die Spitze rückt, scheint eher unwahrscheinlich. Alle drei seien bereits stark eingebunden, sagt Neubert: Maren Becker unter anderem als Ortsbürgermeisterin Neuwarmbüchens, Sandra Richert aus Kirchhorst und er selbst vor allem beruflich. „Hätte ich die Zeit, wäre ich der erste, der das machen würde“, sagt der Altwarmbüchener. Doch der 43-jährige Polizeioberrat im Innenministerium ist beruflich bundesweit unterwegs und schaut deshalb eher auf einen der Stellvertreter-Posten. „Da möchte ich gern weiter machen.“

Zurückgetreten war Timm Jacobsen, Jurist aus N.B., im November, nicht einmal zwei Jahre nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden. Kurz darauf hatte auch seine Ehefrau Johanna Bogenstahl ihre Ratsmandat niedergelegt. Sie sei „enttäuscht von der Ratsarbeit“ gewesen, sagt Jacobsen, und neben seiner beruflichen Belastung und der Rolle als jungen Vater hatte auch ihn selbst die Enttäuschung zum Rücktritt bewogen.

Jacobsen kritisiert die eigene Fraktion

Nach der Kommunalwahl 2016, aus der die CDU geschwächt hervorgegangen war, „mussten wir etwas ändern. Aber in der Ratsfraktion hat sich nichts geändert“, kritisiert Jacobsen auf Nachfrage. „Eitel, träge, satt: Das ist das Bild, das wir vermitteln.“ Die Stimmung innerhalb der Fraktion bezeichnet er als „lethargisch“. Konkret hätte er sich gewünscht, dass der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Lübeck nach der Kommunalwahl 2016 zurückgetreten wäre, doch niemand sei bereit gewesen zu übernehmen. So seien Fraktionssitzungen „eine ziemlich traurige Veranstaltung“, bei der nur die Tagesordnung der Fachausschusssitzungen abgearbeitet würden. „Das Trauma der verlorenen Wahl ist nicht verwunden.“ Das Signal, dass man die Wähler verstanden habe, müsse jetzt endlich kommen. „Sonst wird die Quittung bei der nächsten Wahl kommen“, ist Jacobsen überzeugt.

Der Fraktionsvorsitzende Helmut Lübeck möchte diese Kritik am liebsten gar nicht kommentieren, macht es dann aber doch: „Ich finde den Begriff lethargisch völlig deplatziert.“ Tatsächlich gestalte sich die Arbeit in der Ratsfraktion zäh, dies sei aber in anderen Kommunen nicht anders. Schließlich werde es immer schwieriger, das eigene politische Engagement mit den Anforderungen des Berufes zu vereinbaren. Zudem habe die CDU im Rat mit der Kommunalwahl 2016 eine ziemliche personelle Zäsur erlebt, und mancher Neue habe es sich vielleicht auch zu einfach vorgestellt. Doch die Probleme in Isernhagen seien vielschichtig, es sei viel Abstimmung mit der Verwaltung vonnöten. „Das ist nicht mit einem Fingerschnippen zu lösen.“ Von Lethargie könne dennoch keine Rede sein.

Neubert: Lübeck macht Bombenjob

Malte Neubert springt Lübeck zur Seite: „Er macht da einen Bombenjob.“ Jacobsen und Lübeck seien sich nicht immer einig gewesen, was die Alltagsarbeit der Fraktion und was die Leitlinien-Kompetenz der Partei sei – und menschlich habe es offenbar auch nicht gepasst. Er selbst nehme Jacobsens Kritik als Ansporn für die Zukunft der CDU Isernhagen. „Und das geht nur als Team.“

Mit der CDU hat innerhalb weniger Monate die zweite Partei in Isernhagen ihren Vorsitzenden verloren. Im Sommer war bereits André Marburg als SPD-Vorsitzender im Streit gegangen und sogar aus der Partei ausgetreten. Den Bericht finden Sie hier.

Von Frank Walter